Unleash The Fury
Künstler: Malmsteen, Yngwie J.
Label: Universal Music Group
Veröffentlichung: 2005
Bewertung: 3/5
Der unübertroffene Maestro eigenwilliger musikalischer Visionen und Dimensionen ist zurück und predigt seine Musik genau dort weiter, wo er mit dem Vorgänger „Attack!!“ (2002) aufgehört hat. Die Besetzung ist praktisch unverändert, mit dem legendären Sänger, dem sympathischen Vokalisten Dougie White (ex-Ritchie Blackmore’s Rainbow), als dem klangvollsten Namen. Die Nummern setzen auf simple Metal-Riffs, ohne Schnörkel und Kompliziertheiten, der Rhythmus ist kompakt, die Musik wie immer ein „Schuss in die Vene“, und die Platte als Ganzes ist auch diesmal jedem Headbanger auf den Leib geschrieben. Natürlich ist alles durchzogen von den obligatorischen, abgerattert-„barocken“ Soli und solchen Übergangsverzierungen, die ohne Vorwarnung durch sämtliche Kompositionen krachen und blitzen und die der Gitarrenzauberer lässig wie nebenbei aus dem Ärmel schüttelt. Das ist der Yngwie, bei dem dir immer der Atem stockt. Auch die Bassgitarre auf der Platte hat komplett Boss Malmsteen persönlich übernommen. Die Texte sind durch die Bank wieder rebellisch, und große Philosophie sucht man darin vergeblich. Die Songs sind aus Stahl, ohne weichgespülte Balladen, sie wiehern durchgehend scharf und kompromisslos ihre Wut heraus und galoppieren in ihrem ganzen Zorn unaufhaltsam dahin. White singt durchweg enorm abwechslungsreich, stellenweise sogar hart an der Grenze zu dem, was man als „brutal“ bezeichnen könnte (Refrain von Cracking The Whip). Dass Yngwie ständig in absoluter musikalischer Inspiration ist, beweisen 17 Songs, darunter vier Instrumentals, die der Platte ein gutes Maß an stilistischer Dynamik verleihen. Das Riffing ist in der Produktion giftig lebendig. Die Keyboards bedienen sich auch schwerer „Hammond“-Sounds und tragen so zusätzlich zur Metal-Wucht des gesamten Sounds bei. Unter den Songs sticht Bogey Man heraus. Ist hier White mit dünnerer Stimme zu hören? Falsch gedacht. Den Leadgesang übernimmt Malmsteen „mit Haut und Haaren“, für ihn hervorragend, ohne jedes Gewimmer, also mit aller verbrauchten Puste überaus überzeugend und mit vollem Anlauf.
Malmsteen gefällt die Hard’n’Heavy-Formation, in der er sich vor langer Zeit eingerichtet hat, offensichtlich mehr als gut, und auch diesmal folgt er ihr zielstrebig mit seiner ganzen aktuellen musikalischen Inspiration. Nicht selten stellen wir uns Malmsteen als außergewöhnlichen Künstler in der Rolle eines Mannes vor, der zu forschenden Ausbrüchen neigt und sein Pokerblatt aus ausnehmendem Nachspielen der Meister der klassischen Musik, für das er so berühmt geworden ist, noch deutlicher zu Geld machen will. Doch Yngwie ist im Herzen ein klassischer Rocker, und „Unlesh The Fury“ ist wieder ein Treffer mitten ins Schwarze, denn es liefert genau das, was seine treuen Fans eben erwarten. Also gibt es auch auf „Unleash The Fury“ weder Abzweigungen nach links noch nach rechts, sondern die absolute Dominanz des erwarteten Standards, sprich Heavy-Metal-Geklapper von außergewöhnlicher melodischer Kompaktheit, basierend auf einem ausgefeilten und stets ausdrucksstarken Gitarrenriff, das edel die richtige kompromisslose Schärfe trägt, hervorragend ausbalanciert mit dem ganzen Schatz des klassischen Wissens, den Y.J.Malmsteen als Künstler besonderen Schlags auch diesmal bravourös in seinen ganz eigenen, einzigartigen Ausdruck kodiert.
Besetzung
Dougie White – Gesang
Yngwie J. Malmsteen – Gitarre, Bassgitarre
Joakim Svalberg – Keyboards
Patrick Johansson – Schlagzeug
Produktion
Yngwie J. Malmsteen
Tracklist
1. Locked And Loaded
2. Revolution
3. Crackin‘ The Whip (Invasion)
4. Winds Of War
5. Crown Of Thorns
6. Bogeyman
7. Beauty And A Beast
8. Fuguetta
9. Cherokee Warrior
10. Guardian Angel
11. Let The Good Times Roll
12. Revelation (Drinking With The Devil)
13. Magic And Mayhem
14. Exile
15. Hunt
16. Russian Roulette
17. Unleash The Fury
18. Paraphrase
Spielzeit: 73:15