The Magician’s Birthday
Autor: Aleš Podbrežnik
Band: Uriah Heep
Label: Bronze Records
Veröffentlicht: 1972
Bewertung: 5/5
Zwei sensationelle Alben hintereinander in einem Jahr rauszuhauen, ist keine Kleinigkeit. Und trotzdem waren die Jungs mit ‚The Magician’s Birthday‘ nicht rundum zufrieden. Gary Bron, ihr Manager und Produzent, rechnete halt vor allem aus, wie er in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Kohle aus so einer einträglichen Band pressen kann. Die Pläne der Uriah Heep-Jungs, eine Doppel-LP zu veröffentlichen, die komplett als Konzeptwerk angelegt sein sollte, fielen ins Wasser. Es fehlte die Zeit, der gnadenlose Bron verlangte schnell noch eine Platte. Von der Konzeptidee blieb nur ein mehr als zehnminütiges Mini-Epos-Meisterwerk, das den Titel The Magician’s Birthday trägt.
Sunrise ist ein ganz anderer Song als July Morning, trotzdem zieht seine Atmosphäre beim Hören immer wieder die Parallele zu dem Stück. Vielleicht, weil sie mir in der Schule eingetrichtert haben, dass es Morgen ist, wenn die Sonne aufgeht. Das ist eine typische Uriah Heep-Zauberer-Komposition, die eine unglaubliche Stimmung einfängt, und einen besseren Opener für so eine Platte findest du schlicht nicht. Der einzigartige galoppierende Rhythmus von Easy Livin‘ ist inzwischen zum Markenzeichen der Band geworden, und die Jungs haben ihn beim lebhafteren Spider Woman noch einmal eingesetzt, das auch als Single erschien. Blind Eye bringt ein komplett anderes Klima mit. Ein akustischer Rhythmus, durchzogen von einer balkanesk klingenden Terzmelodie, trägt dich wirklich irgendwohin zu den Zigeunern. In Echoes In The Dark haben die Jungs ein markantes Motiv auf der Slide-Gitarre draufgesetzt, und deshalb zieht der Song stellenweise von der Stimmung her in Richtung Paradise/The Spell von ‚Demons And Wizards‘ (1972). Bei der zarten Rain verschmilzt David Byron fantastisch mit der Melodie, und das steigert das ganze ‚Feel‘ des Songs bis zum Maximum. Der Sänger zeigt hier mal wieder ein außergewöhnliches Gespür für Improvisation und einen tief empfundenen, sinnlich-raffinierten Zugang. Das ist wirklich durch und durch Byrons Song. Die akustische Tales zaubert ein echtes Fantasy-Gefühl herbei. Der Sound ist durchzogen von zarten Flash-Effekten, die einen richtig esoterischen Moment erzeugen. Die Atmosphäre wächst durch den Song hindurch und erreicht ihren Höhepunkt genau am Ende. Das faszinierende Cover von Roger Dean könnte zu diesem Song und zum Titelstück kaum besser passen. The Magician’s Birthday ist dann sicher die mächtigste Komposition der ganzen Platte. Was diesen Song so besonders macht, sind ganz sicher die Poesie und die spezielle Atmosphäre, die in ihm eingefangen ist. Der instrumentale Mittelteil ist ein Kreuzfeuer aus Drums und E-Gitarre. Mick erzählt, dass er und Lee sich, bevor sie sich für dieses ‚Jamming‘ entschieden, in den nächsten Pub auf ein Bier oder zwei verdrückt haben. Und tatsächlich haben die beiden dann jeder seinen Part geradezu orgastisch runtergehauen. Das ist der dramatische erste Teil des Songs, der sich zum Ende hin steigert, wenn der böse und der gute Zauberer in die Konversation einsteigen. Der Song endet mit Kens magischer Zeile: ‚And than we all knew that love will find love will find love…‘ über einem melancholischen Motiv und führt so die ganze Platte zu ihrem atmosphärischen Höhepunkt.
Was uns dieses Remaster bietet, sind neun weitere Bonussongs. Zwei würde ich hervorheben. Der erste ist auch als Gary’s Song bekannt und heißt Crystal Ball. Ihn treibt ein knallhartes Heavy-Riff an, das einem den Kopf wegbläst, und er steht den anderen Stücken auf der offiziellen Veröffentlichung von ‚The Magician’s Birthday‘ in nichts nach. Dasselbe kann ich auch über Silver White Man sagen, der erst später auf Byrons Solo-Debüt auf Vinyl Platz gefunden hat. ‚The Magician’s Birthday‘ steht bei vielen Uriah Heep-Fans ganz oben. Dem Vorgänger ‚Demons And Wizards‘ steht es in nichts nach und legt höchstens noch eine Schippe drauf. Es bestätigt einmal mehr, wie stark Uriah Heep für ihre Zeit waren. Neben herausragendem Songwriting, grandioser Stimmung in den Songs und einer für die damalige Zeit überlegenen Produktion boten Uriah Heep fantastische Poesie, in der Licht und Liebe über allem stehen.
Besetzung
David Byron – Gesang
Mick Box – Gitarren
Ken Hensley – Keyboards, Moog-Synthesizer, Gitarre
Gary Thain – Bass
Lee Kerslake – Schlagzeug und Percussion
Produktion
Gerry Bron
Tracklist
1. Sunrise (4:04)
2. Spider Woman (2:25)
3. Blind Eye (3:33)
4. Echoes In The Dark (4:48)
5. Rain (3:59)
6. Sweet Lorraine (4:13)
7. Tales (4:09)
8. The Magician’s Birthday (10:23)
Laufzeit des Albums: 39:46
BONUSSONGS AUF DER 1996 REMASTERTEN CD:
1. Silver White Man (3:43) out-take, previously unreleased
2. Crystal Ball (4:08) out-take, previously unreleased
BONUSSONGS AUF DER 2003 REMASTERTEN CD:
1. Gary’s Song – Crystal Ball alternate version, previously unreleased
2. Silver White Man – vocal version, previously unreleased
3. Proud Words – alternate version, previously unreleased
4. Echoes In The Dark – edit, previously unreleased
5. Rain – edit, previously unreleased
6. Happy Birthday – out-take, previously unreleased
7. Sunrise – single edit
9. Crystal Ball – out-take
8. Silver White Man – out-take, instrumental version