Mary Rose – das bestgehütete Geheimnis des slowenischen Hard Rocks (2011)

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Autor: Urban Bolta

Ort: Lokal Patriot / Novo Mesto / Slowenien
Datum des Interviews: 16.12.2011

Mary Rose ist eine Hard Rock/Heavy Metal-Band aus Postojna, die es trotz langer Jahre ihres Bestehens weder zu breiter Bekanntheit noch zu Airplay auf den Radiowellen gebracht hat – weshalb man sie getrost als das bestgehütete Geheimnis des slowenischen Hard Rocks bezeichnen könnte. Doch die Band pfeift auf derlei Promotion und prescht dem neuen, dritten Album entgegen. Es soll im Laufe des nächsten Jahres erscheinen. Damit die Wartezeit bis zur Veröffentlichung kürzer wird, hat Rockline ein Interview mit den Bandmitgliedern über das kommende Album und die sonstigen laufenden Angelegenheiten rund um Mary Rose geführt.

Im regnerischen Novo Mesto kam ich um halb acht abends an und fand bei meinem ersten Besuch in diesem Club auf Anhieb das Lokal Patriot, das sich im Herzen der Hauptstadt der Dolenjska befindet. Mary Rose machten gerade ihren Soundcheck, also wartete ich noch eine Stunde, bevor ich Gitarrist Eki am Ärmel zupfte, der im Backstage die ganze Crew zusammentrommelte – und so entstand das folgende Gespräch.

Hi! Wir sind hier in der Dolenjska, genauer gesagt in Novo Mesto. Interessant, dass wir uns ausgerechnet hier getroffen haben – denn in dieser Ecke habt ihr ja nie wirklich auf breite Popularität gesetzt, eure Basis ist schließlich die heimische Primorska..?

Eki Alilovski: Das stimmt nicht. Wir haben schon mehrfach in Krško und Umgebung gespielt und ich glaube, wir haben auch in dieser Ecke einige treue Fans. Wir haben ein paar wirklich echte, geile Gigs gespielt, also denke ich, dass die Leute hier gut auf uns ansprechen. Wir haben zwar meistens bei Studentenfeten gespielt, aber wir haben uns hier immer wohlgefühlt. Für das heutige Konzert haben wir zum Beispiel viele E-Mails bekommen, in denen Leute gefragt haben, ob wir mehr eigene Songs spielen werden. Das hat uns alle wirklich sehr überrascht – das ist eine riesige Bestätigung für die ganze Band.

Super, ich bin nämlich genau deshalb hergekommen.

Žanil Tataj Žak: Ausgezeichnet! (lacht)

Wie kam es zu dem heutigen Auftritt?

Eki: Wir haben uns schon seit ein paar Jahren um diesen Auftritt bemüht, aber jetzt hat es endlich geklappt.

Jetzt können wir auch ein bisschen über euer kommendes Album reden. Das versprecht ihr ja schon ziemlich lange – ich glaube, schon zwei oder drei Jahre?

Eki: Nein, so lange ist es noch nicht her. Wir sind im April 2010 ins Studio gegangen. Wir waren 8 oder 10 Tage im Studio, um die Sachen richtig aufzunehmen. David hat zum Beispiel die Drums an einem Tag eingespielt, dann haben Žak und ich die Dinge noch weiter ausgearbeitet. Weißt du, woran es gehangen hat? An den Texten. Zwischendurch kamen noch andere Projekte dazu, Žak hat an seinem eigenen Ding gearbeitet, ich hatte gesundheitliche Probleme… Es war auch so, dass wir, nachdem wir das Material aufgenommen hatten, vereinbart haben, es ein halbes Jahr „in der Ecke liegen zu lassen“ und es erst danach noch einmal anzuhören. Die Vereinbarung war: Wenn es uns gefällt, machen wir weiter; wenn nicht, gehen wir ran und bessern nach. Das Material hat uns schon von Anfang an gefallen, und auch nach einem Jahr sind wir damit sehr zufrieden. Weißt du, oft ist es so, dass du nach einer Weile das fertige Ding anhörst und denkst: Schade, das hätte ich gern ein bisschen anders gehabt. Dieses Mal aber steht das Material wirklich. So muss ich das sagen. Bei dieser Platte, die wir gerade machen, ist mir am wichtigsten, dass jedes Bandmitglied maximal zufrieden damit ist. Am wichtigsten ist, dass die Band damit glücklich ist – wenn dann noch andere auch, umso besser.

Eki, nach der Auflösung der Šank Rockerji bist du Matjaž in seinem Jelen-Projekt beigetreten. Steckt da vielleicht auch ein Grund für die lange Entstehungszeit des Mary Rose-Albums?

Eki: Nein, überhaupt nicht. Zu Jelen bin ich wegen der Leute gegangen, mit denen wir uns gut verstehen. Auch die anderen Mary Rose-Mitglieder sind mit anderen Projekten beschäftigt – David trommelt zum Beispiel bei Leeloojamais, Žak hat sein eigenes Projekt, deshalb habe ich mich auch selbst für das Jelen-Projekt entschieden, weil es im Moment machbar ist und ich beides zeitlich unter einen Hut bekomme. Mein Herz wird aber immer in erster Linie Mary Rose gehören.
Žak: Jeder von uns macht verschiedene Sachen, aber Mary Rose sind Mary Rose. Wenn wir das Album fertig haben, veröffentlichen wir es und alles wird in bester Ordnung sein.
Eki: Und in einem Atemzug versprechen wir auch: Die Platte wird gut. Wir sind sehr zufrieden damit.

Wisst ihr vielleicht schon genauer, wann das Album das Licht der Welt erblicken wird?

Eki: Vor der Veröffentlichung werden wir noch eine Single rausbringen, ansonsten weiß ich’s nicht – ein genaues Datum lässt sich schwer vorhersagen. Sagen wir, das Album erscheint irgendwann im Jahr 2012. Langfristig ist Qualität wichtiger als ein genaues Erscheinungsdatum, deshalb machen wir uns wegen des Datums keinen Kopf. Interessant am Album ist auch, dass es als Gemeinschaftswerk des gesamten Teams entstanden ist – die Platte „Feniks“ (2005) war mehr oder weniger Žaks und meine Arbeit.

Das heißt, bei “ Feniks“ haben in der Aufnahmephase Studiomusiker mitgeholfen?

Eki: Mehr oder weniger waren das Freunde. Es spielten zum Beispiel Cveto Polak, Davor Klarič, Mitja Kobal.

Beim neuen Album sagst du, hat jeder Musiker sein Stück zum Mosaik beigetragen?

Eki: Ja, und ich muss sagen, das hört man sehr deutlich.

Und stilistisch – wie wird das Album klingen? Wird es dem Vorgänger folgen, der verglichen mit dem damals erschienenen Debüt mehr in Richtung Hard Rock ging und zur Melodie neigte?

Žak: Melodie ist bei uns sehr wichtig, auch mein Gesang ist sehr melodisch – ich konzentriere mich nicht nur auf schulmäßige, rhythmische Sachen.

Eki: Die ganze Band funktioniert so, dass jeder seinen eigenen Musikstil hört, aber wir haben viele gemeinsame Schnittpunkte, auf denen wir arbeiten und die wir weiterentwickeln. Wir hören Zeppelin, Purple genauso wie Mr. Big und Dream Theater. Aber die Richtung, in die wir steuern, lässt sich schwer festlegen – wir machen einfach, was uns gefällt.

Žak: Wir machen es immer so, wie es uns im jeweiligen Moment am besten passt. Wie das der Hörer dann erlebt, ist eine andere Geschichte. Aber das Album ist sehr hart, härter als „Feniks“.

Žak, da ich jetzt die Gelegenheit habe, würde ich dich fragen: Wie ist der aktuelle Stand rund um die Divlje Jagode – trittst du noch gelegentlich als Gast bei ihren Konzerten auf?

Žak: Im Prinzip nicht mehr. Die Jagode haben einen neuen Frontmann, daher wäre es blöd, wenn ich da weiter gastieren würde.

Ja, das verstehe ich – aber wenn Mary Rose und die Jagode ein gemeinsames Konzert haben, singst du dann trotzdem noch den einen oder anderen Song bei den Jagode?

Žak: Gut, für die Party machen wir das manchmal. Mit Zele Lipovača verstehe ich mich gut, wir sind ok miteinander, aber unsere Zusammenarbeit als solche ist eine abgeschlossene Geschichte.

Eki: Am Ende sind wir alle nur Musiker, die zusammenhalten müssen.

David (Schlagzeuger, Anm. d. Red.), du bist das Mitglied mit dem kürzesten Dienstalter bei Mary Rose. Wie habt ihr euch gefunden – wie kam es zur Zusammenarbeit?

David Debevec: Eher haben sie mich gefunden als ich sie. Eki kam einmal zu unserem Auftritt, als ich noch bei den Lunaparki spielte, wir haben ein bisschen gequatscht, und schon bald hat er mich angerufen – wir haben abgemacht, dass ich zur Probe komme, und haben sofort gepasst. Dahinter steckt keine besondere Geschichte oder höhere Philosophie. (lacht)

Žak: So ist das – einmal zur Probe bei Mary Rose, und du bist sofort drin! (lacht)

Sandi Trojner: Ich musste zwei Jahre lang kommen, bis sie mich als Mitglied aufgenommen haben. (lacht)

Eki, wie würdest du die aktuelle Hard-Rock-Situation in Slowenien einschätzen? Requiem haben kürzlich das Kino Šiška ausverkauft, Lene kosti sind zurück, Chateau auch, Cveto Polak hat eine Solo-Platte rausgebracht, Franc Zabukovec ebenso…

Eki: Ja, auf Cvetos Platte habe ich auch gespielt. Ich glaube, die Hard-Rock-Szene kommt langsam zurück. Alles, was in diese Richtung gemacht wird, ist ein großes Plus, weil wir am Ende davon auch selbst profitieren werden. Man sieht deutlich, dass die Leute dieser Musikrichtung immer noch zugetan sind.

Was sind eure langfristigen Pläne – habt ihr euch in euren Gedanken auf den slowenischen Markt beschränkt, oder schielt ihr auch ins Ausland – ich denke dabei vor allem an den Markt des ehemaligen gemeinsamen Staates.

Eki: Das ist schwer. Als ich zwanzig war, habe ich davon geträumt, in Kalifornien zu spielen… Dieses Team spielt, weil es ihm gefällt, was es macht. Alles, was dazu kommt, ist einfach ein großes Plus. Im Proberaum sitzen und heulen – so läuft das nun mal nicht. Wir spielen, weil es uns gefällt, wir genießen es. Ich sage nicht nein – auch ich würde gern mit dem Spielen eine Million Dollar verdienen, aber nicht wegen des vielen Geldes an sich, sondern wegen der ganzen Mühe, die ich in die Musik stecke. Wenn wir das Geld hätten, würden wir noch mehr Platten aufnehmen, wir würden ein eigenes Studio aufmachen – in diesem Sinne wäre uns eine Million Dollar willkommen, wir könnten uns noch aktiver musikalisch betätigen, während mir die reine Materialität dieses Geldes herzlich wenig bedeuten würde. Wir investieren nämlich unser ganzes Leben in die Musik – nicht nur ich, das ganze Team. Sandi hat zum Beispiel lange bei den Tabiji gespielt, das war eine relativ große Band, er hat viel Geld verdient, aber das ist nicht alles.

Noch eine letzte Frage. Die Standardfrage, wenn das Interview vor dem Auftritt stattfindet: Was können wir heute erwarten – habt ihr was Besonderes vorbereitet?

Sandi: Ja, Križ je s tabo – den spielen wir heute! Den haben wir noch nie gespielt.

Žak: Heute spielen wir das Album „Feniks“ fast vollständig.

Eki: Was können wir erwarten? Wir gehen auf die Bühne und spielen unser Ding – du bist derjenige, der danach sagt, wie es war. Mary Rose ist eine Band der Momente. Wenn der Moment stimmt, wird das Konzert großartig sein.

Sandi: Mir war’s schon beim Soundcheck super!

Jetzt wird es erst recht super – der Moment stimmt und der Club wird auch noch voll sein… (lacht)

Eki: Egal – ein Besucher, hundert, zweihundert…

Žak: Doch, das macht einen Unterschied! Wegen der Energie – wenn die Leute mit dir atmen, geben sie dir Antrieb und tragen dich weiter.

Danke für das Gespräch!

Fotos: Karin Zelko 

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