Neuer Sieg von Marduk in Ljubljana! (2018)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Orto bar, Ljubljana
Konzertdatum: 07.05.2018

Garfield wusste es schon immer: Montage sind zum Kotzen — aber deutlich weniger zum Kotzen, wenn man sie mit etwas aufpeppen kann, das sich beispielsweise Marduk nennt. Die schwedischen Veteranen sind alte Bekannte auf unseren Bühnen, haben hierzulande aber eine treue und eingefleischte Fangemeinde, die auch diesmal — mit Unterstützung kroatischer Kollegen — die Orto bar gefüllt hat. Die hat schon lange kein so knallhartes Paket mehr beherbergt, und überhaupt war Black Metal auf unseren Bühnen schon eine Weile nicht zu sehen. Was die jüngsten Gerüchte betrifft, die klatschsüchtige Webzines à la Metal Sucks in Umlauf gebracht haben und weiter in Umlauf bringen, dazu nur so viel: »Listen to music, not rumours!«

Als Erste betraten die seit Langem aktiven polnischen Black Metaller Infernal War die Bühne — eines der größeren und bekannteren Namen der polnischen Black-Metal-Szene. Die Polen wurden von einigen Enthusiasten erwartet, auch wenn im vorderen Teil des Saals noch reichlich Platz gewesen wäre, den man hätte füllen können. Infernal War erlebten also nicht gerade den Empfang, den sie sich wohl erhofft hatten, ratterten aber dennoch durch ihr Set wie eine Horde tollwütiger Keiler. Brutal, gnadenlos und ultraschnell war das polnische Stampede — genau deshalb wirkte es gegen Ende schon ein kleines bisschen eintönig und repetitiv. Die Polen waren trotzdem das passende und richtige Warm-up, erledigten ihren Job mit Bravour und überzeugten vor allem mit den thrashigen Parts, den nach Kerry King klingenden Soli und dem Schlagzeug, das trotz häufigem Blast-Beating auch den ein oder anderen abwechslungsreicheren Schlag parat hatte. Auch Gastvokalist Heretik Hellstörm überzeugte, der aus unbekannten Gründen den regulären Sänger Herr Warcrimer vertrat und aus seinen Stimmbändern kompromisslosen Zorn herausholte — auch wenn er mit übertriebener Macho-Attitüde und halbherzigen Crowd-Aktivierungsversuchen zwischendurch ein bisschen auf den Wecker ging. Die Polen verabschiedeten sich mit dem knackigen Death’s Evangelist und überließen die Bühne den norwegischen Kollegen Ragnarok.

Die Norweger gingen ihr Ding etwas weniger barbarisch an als ihre Vorgänger, blieben aber trotzdem wild und kompromisslos. Ragnarok konzentrierten sich diesmal vor allem auf ihre jüngere Schaffensphase und die Alben Psychopathology und Blackdoor Miracle, streuten aber auch Songs wie das uralte Pagan Land und den Ohrwurm In Nomine Satanas ein. Es war offensichtlich, dass Ragnarok hierzulande deutlich bekannter sind als Infernal War — der Saal füllte sich nämlich spürbar —, und das norwegische Quartett revanchierte sich mit lautem, ursprünglichem Black Metal, der allerdings vor allem zu Beginn des Sets am stärksten zur Geltung kam; gegen Ende zog sich die etwas primitive Variante des Black Metal schon ein wenig. Ragnarok sind aber auf jeden Fall eine Band, die live überzeugt, auch wenn sie eher unfreiwillig als freiwillig komisch wirken — vor allem wegen der riesigen, umgekehrt getragenen Kreuze an ihren Hälsen, die ihnen das Aussehen eines Black-Metal-Flavor-Flav verleihen (Mitglied von Public Enemy, bekannt für die riesigen Uhren um seinen Hals), und noch mehr Gitarrist Bolverk, der wie ein Black-Metal-BB-8 aussieht (© Črt Batagelj).

Die Giganten des schwedischen Black Metal, Marduk, werden in gut einem Monat ihr vierzehntes Studioalbum Viktoria veröffentlichen — zuvor aber haben sie Europa mit der Tournee March of Blood and Iron überrollt. Bevor sie auch in der Orto bar die Bühne betraten, übernahmen Dunkelheit, Nebel und unheilvolles rotes Licht den Raum; aus den Boxen dröhnten Sirenen, Flugzeuggeräusche und Trommelfeuer — und sobald die schwedische Panzerdivision Marduk den ersten Takt von Panzer Division Marduk anschlug, brach unter der Bühne die reinste Moshpit-Hölle los, die bis zum Ende ihres Auftritts nicht mehr abreißen sollte. Die kultigen Schweden waren mit Abstand die am meisten erwartete Band des Abends, und das rechtfertigten sie vollauf: überragende Energie, roher Ansatz, erstklassiger Sound. Mortuus kommunizierte kaum mit dem Publikum, sondern spuckte aus den Tiefen der Kriegshölle Verse über totalen Krieg, vollständige Vernichtung und Tod, während die Band die Orto bar wie eine Division Panzerketten zermalmte. Marduk überraschten mit einer feinen Songauswahl, darunter die seltener gespielten The Black… und Between the Wolf-Packs; das neue Album präsentierten sie mit dem zweiminütigen Banger Werwolf und dem etwas epischeren Equestrian Bloodlust. Marduk haben auch diesmal bewiesen, dass sie definitiv eine Band sind, die niemals enttäuscht!

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