Skalpellwirbeln mit Vasectomy und Abolished im Orto bar (2016)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 03.03.2016
Besucherzahl: 80
Eintrittspreis: 4,00€

Die dritte Ausgabe der Kadilnice of Death brachte zwei slowenische Death-Metal-Bands auf die Bühne des Orto bar. Vasectomy aus Murska Sobota sowie Abolished, ein Quintett mit offiziellem Domizil in Ljubljana, obwohl die Mitglieder aus verschiedenen Ecken Sloweniens stammen.

Kurz nach halb zehn abends betraten Abolished als erste Band auf dem Programm die Bühne. Schnell wurde klar, dass sich beide Bands kennen und sich gegenseitig irgendwie »brüderlich« unterstützen. Schon vor Abolished hatte sich nämlich eine stattliche Schar Fans der Band eingefunden, die beim späteren Vasectomy-Auftritt noch mehr ausflippten. Das Quintett in der Besetzung Matjaž „Mata“ Kocbek (Gesang), Črtomir Fleisinger (Gitarre), Benjamin Lazar (Gitarre), Damjan Kovačič (Bass) und Patrik Gregor (Schlagzeug) präsentierte in drei Viertel Stunden sein Eigenmaterial gründlich – Jungs, die das Konzert mit einer angenehm überraschenden Death-Metal-Totenmesse anrissen und zur Auflockerung des Abends eine einfallsreiche Version des Slayer-Songs Disciple ins Repertoire einbauten sowie den Auftritt am Ende mit einer knallharten Version des Judas Priest-Klassikers Breaking the Law würzten. Die Band ist definitiv ein neuer aufgehender Stern im slowenischen Death Metal. Souverän und mit genug Kompromisslosigkeit schärften sie ihre Klingen und Zähne, die im absoluten Bühnenwahnsinn über den ganzen Auftritt hinweg genug Blutgier ausstrahlten, um die Jungs in Erscheinung und Aktion vollauf zu überzeugen. Es handelt sich nämlich um eine Band mit genug Eigenmaterial, um ein Studio-Debüt herauszubringen – und obwohl die Besetzung auf der Szene relativ neu ist, hat die souveräne Vorstellung bestätigt, dass die Jungs schon geraume Zeit fleißig zusammen geschuftet haben, bevor sie sich auf die Eroberung der slowenischen Bühnen stürzten. Daher dürfen wir vom Quintett in Zukunft noch mehr brodelnde Brutalität erwarten. Überzeugender Growl mit ansprechender klanglicher Abweichung, schönes Zusammenspiel, die richtige Mischung aus technisch anspruchsvollen Übergängen, Abfolgen rhythmischer Wendungen und Harmonisierungen über halbtonscharf geschliffenen Riffs – dazu der ungezügelte Angriff eines höllisch schnellen Riff-Massakers.

Knapp eine halbe Stunde später betraten Vasectomy die Bühne. Ebenfalls (auch nur vorübergehend?) als Quintett. Gekleidet in weiße T-Shirts und mit chirurgischem Mundschutz. Im Einklang mit dem Bandnamen. Der Orto bar füllte sich noch ein bisschen mehr. Obwohl die Band offiziell aus drei Mitgliedern besteht – das sind Patrik Ritlop (Gesang), David Matjašič (Gitarre) und Luka Kutošа (Gitarre) – gelang es ihr, für dieses Konzert einen Bassisten und einen Schlagzeuger zu finden. Angesichts der relativ seltenen Auftritte der Band, die 2012 bereits ihre EP mit dem Titel »Blood Stained Chains« veröffentlicht hat, hat sich das Quintett sehr gut eingespielt. Man kennt die Hintergrundgeschichte nicht, aber es schadet nicht, im Hinterkopf zu behalten, dass Vasectomy vielleicht gerade jetzt die richtige Form gefunden haben, um sich als festes Quintett zu etablieren. Nicht schlecht. Die Prekmurjer lieferten einen überzeugenden Konzertauftritt und eine schöne Portion gegenseitiger Eingespielheit. Überzeugender und zeitweise höchst unterhaltsamer Vokal-Growl von Sänger Patrik, der besonders sympathisch wirkte, wenn er das Publikum in einer authentisch vereinfachten Variante des Prekmurje-Dialekts ansprach. Patrik belebt die Songs mit seinen Wechseln zwischen brutalem Gesang – von tief und schon fast dumpf angesetzten Growls bis hin zu hoch aufgerissenem, schäumendem Gekreische, das aber durchgehend im Growl-Element bleibt. Bringer of Blood, ein Song, der im Original Six Feet Under gehört, fügte sich hervorragend in das Eigenmaterial ein, das in jedem Fall die Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Band zeigte hervorragende Eingespielheit, zwar mit weniger technischem Feinschliff als Abolished, doch kompensiert sie diesen Mangel hervorragend mit dröhnend rollenden Riffs, mit denen sie eine entfremdete Unterweltatmosphäre erschafft, aus der Vasectomy sogar den Teufelchen höchstpersönlich herauslocken konnten. Atmosphärischer Groove, der irgendwo in Richtung Obituary tendiert. Den Gesang natürlich ausgenommen. Düstere und ausweglose Stimmung! Vasectomy haben mit diesem Auftritt klargestellt, dass sie zur Liga der ganz eigenen Death-Metal-Charaktere gehören. Hoffen wir, dass das Studio-Debüt bald das Licht der Welt erblickt. Das chirurgische Besteck wurde also an diesem Abend ordentlich blutig.

Ziehen wir das abschließende Fazit dieses Abends. Wieder eine durch und durch gelungene Ausgabe der Kadilnice of Death. 

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