Death metal und vier Böcklein! (2013)

0 12

Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Gala hala,Metelkova, Ljubljana
Konzertdatum: 02.03.2013
Besucherzahl: 300

Das Bocksurteil in der Gala hala wäre ein recht passender Titel für das Samstagkonzert auf der Metelkova gewesen, denn im Rahmen einer Clubtour haben die deutschen (Ziegenbock-)Death/Grinder Milking the Goatmachine zum ersten Mal bei uns gespielt – alte Bekannte vom Metalcamp. Für noch mehr Abwechslung sorgten die heimischen Death-Metal-Combos Vasectomy aus der Prekmurje und Mephistophelian aus der Bela krajina.

Überraschenderweise wartete auf die ersten Acts des Abends, die Prekmurje-Death-Metal-Schlächter Vasectomy, eine beachtliche Menge an Leuten vor der Bühne, die sich im Laufe ihres Sets als offensichtlich treue Fans und Unterstützer entpuppten. Wenn die Band so weitermacht, kann ihre Zahl schnell und exponentiell wachsen. Das Murska-Sobota-Quartett ohne Steuermann Bassisten begeisterte mit im Grunde geradlinigem Death Metal, der trotz fehlender tiefer Basslinien genug Groove hat, um nicht trocken zu werden. Dafür sorgte vor allem der brutale Vokalangriff von Patrik Ritlop sowie die ausreichend abwechslungsreichen und dynamischen Gitarrenparts. Der fehlende Bass fällt daher gar nicht so auf, wie er sonst könnte. Dazu zeichnet sich Vasectomy in erster Linie durch hervorragende und starke Kommunikation mit dem Publikum aus, eine energiegeladene Show sowie Patriks wilden Humor. Dieser zeigte sich am besten in der »Hommage« an den Headliner: Vasectomy tranken auf der Bühne kein Bier, sondern Alpenmilch. Im Tetra Pak. Mit einem Strohhalm. Trotz der Jugend und der Konzertkilometer, die die Jungs erst noch sammeln, ist von Unerfahrenheit keine Spur – Vasectomy sind auf der Bühne so überzeugend wie alte Death-Metal-Hasen.

Noch mehr gilt das für das Ungeheuer aus der Bela krajina, Mephistophelian, das sich in knapp zwei Jahren zur wohl besten heimischen Death-Metal-Band hochgearbeitet hat. Eine Band, die Death Metal so spielt, wie es sich gehört! Ohne Schönfärberei, ohne »Bullshit«, nur technisch überragende Performance, brutale Vocals ohne irgendwelche weichgespülten »Clean«-Parts und die Energie und Kraft einer Wasserstoffbombenexplosion. Der brutale, technische Death Metal von Mephistophelian ist so gut und so überzeugend, dass er sich – ohne Übertreibung – mit großen Namen wie Suffocation und Cannibal Corpse messen kann. Fette Riffs, eine massive Klangwand, phänomenale Basslinien, die den schnellsten Gitarrenriffs mühelos und schamlos folgen, vernichtende Drums und mörderisches Growling – nein, Mephistophelian sind nichts für zarte Seelen. Der fantastische Death Metal der Band lässt dich nach knapp einer Stunde nämlich in einer Lache deines eigenen Blutes zurück, nach dem letzten Atemzug ringend. Die Band hat sich in zwei Jahren Bandgeschichte zu einer respektablen Entität gemausert, die die Bühne mit der vollen Kraft eines gnadenlosen Death-Metal-Angriffs einnimmt. Das Gitarren-Duo reicht sich die Riffs wie im Spiel, der Bass fungiert als Gewebe, das alles zu einem Körper verbindet, und der energische, überzeugende Gesang haucht dem Monster Leben ein. Mephistophelian ruhen sich nicht aus – sie präsentierten einen neuen, noch namenlosen Song, der die Band in einem noch komplexeren, noch technischeren Licht zeigt, und die Band lässt sich nicht besser beschreiben als mit den Worten des teuflischen Otis aus The Devil’s Rejects: »I am the devil, and I am here to do the devil’s work.« Wir können es kaum erwarten, das Teufelswerk auch auf dem ersten Tonträger zu bekommen!

Als große Headliner betraten als dritte die deutschen Böcke, die Grind/Death-Metal-Combo Milking the Goatmachine, die auf unseren Bühnen keine Unbekannten sind – sie haben bereits auf zwei Metalcamps gespielt. Diesmal trieb der Wolf die Böcklein zum ersten Mal auch im Rahmen einer Clubtour zu uns, und die Band füllte die Gala hala ordentlich. Milking the Goatmachine reihten, natürlich hinter Ziegenmasken verborgen, in gut einer Stunde eine schöne Anzahl Death/Grind-Nummern aneinander – gewidmet, ja, ihr habt es erraten, den Ziegen. Ihr Ansatz zur wirkungsvollen Mischung aus Death Metal und Grindcore wirkt live zwar energisch und knackig, ist aber gleichzeitig so generisch und geschmacklos wie ein kaltes Böcklein. Was genau an dieser Band so interessant ist, dass sogar die Kids vor der Bühne mit Ziegenmasken aufgetakelt sind, ist mir nicht ganz klar – ich bin aber überzeugt, dass Milking the Goatmachine nur von den hartgesottensten Genre-Fans wahrgenommen worden wären, wenn die Gruppe nicht so sehr darum bemüht wäre, mit ihrem Ziegenkonzept aufzufallen. Offensichtlich sind Milking the Goatmachine für das jüngere Publikum die extremere Version der ebenso unbegreiflich populären Sabaton, und besonders originell oder witzig sind auch ihre zahlreichen Wortspiele nicht – wie etwa das abschließende Cover des Sacred-Reich-Klassikers – Surf Goataragua. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn der Wolf sich diese Böcklein unter der Peka gönnen würde.

Fotogalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies