Stopp der Hunting Across Europe-Tour in Wien (2013)

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Autor: Urban Bolta
Fotos: Urban Bolta

Ort: Viper Room / Wien / Österreich
Konzertdatum: 12.02.2013
Besucherzahl: 300
Kartenpreis: 21€ / 25€

»Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet eben zum Berg«, so ließe sich das Motto des erneuten Besuchs der österreichischen Hauptstadt beschreiben, wo letzten Dienstag die Hunting Across Europe-Tour Station machte und Grand Magus, Angel Witch und Enforcer unter einem Dach vereinte. Wenn auf der Sonnenseite der Alpen in den letzten Jahren gut für Gastspiele kultiger Bands verschiedenster Metal-Genres gesorgt wurde, lässt sich das für Heavy Metal kaum behaupten – also mussten wir uns für ein Treffen mit den immer mächtigeren Vertretern des schwedischen Stoner Metal Grand Magus und den verkannten Helden der Underground-NWOBHM-Szene Angel Witch bis nach Wien aufmachen.

Die Tour machte im dortigen Club Viper Room halt. Es handelt sich um eine angenehme Konzertlocation in der Größe unserer Gala Hala, mit einer ausgesprochen länglichen Form, weshalb die akustischen Voraussetzungen sehr gut sind. Beim Betreten des Clubs muss man zunächst in ein unterirdisches Stockwerk hinabsteigen, wo man sich in einem Raum wiederfindet, der an einen Tunnel erinnert – ganz am Ende dieses Tunnels befindet sich die Bühne, die beiderseits eifersüchtig vom Merch-Stand der auftretenden Bands und natürlich von der Bar bewacht wird. Obwohl der Club in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums liegt, herrschen hier die Regeln einer Art halbautonomer Zone, was besonders allen Rauchern gefällt – weniger dagegen denen, denen der Geruch von Zigarettenrauch nicht so sehr zusagt.

Als wir den Club gegen acht Uhr abends betraten, heizte Enforcer bereits auf der Bühne ein! Das bedeutete, dass wir den Vorband des Abends verpasst hatten – die heimischen Metaller Lowbau. Enforcer präsentieren auf der aktuellen Tour ihr gerade erschienenes Album »Mesmerized By Fire«, das sie beim Label Nuclear Blast veröffentlicht haben, was für sie einen gewaltigen Sprung aus dem halbprofessionellen Dasein auf die große Bühne bedeutet. Wir werden sehen, was das den Schweden in Zukunft bringen wird, zumal sie sich in den letzten Jahren bereits zu Lieblingen der Underground-Heavy-Metal-Szene entwickelt haben. Enforcer sorgten mit ihrem rasanten Speed-Metal-Tempo für den energiegeladensten Auftritt des Abends. Die Schweden mit ihrem sorgsam gepflegten revivalistischen Look setzen auf die bewährte Formel kurzer Dreiminuten-Songs, mit denen sie ohne Pause durch das Konzert preschten und dem Publikum keinen einzigen Atemzug gönnten! Interessant, dass ihr Debütalbum »Into The Fire« (2008) mit Songs wie On The Loose, Scream of the Savage und Into the Night immer noch stark in der gespielten Setlist vertreten ist, obwohl Enforcer seitdem noch zwei – meiner Meinung nach noch bessere – Platten veröffentlicht haben. Einer der Höhepunkte des Konzerts kam mit dem neuen Song Take Me Out Of This Nightmare, der die gesamte Philosophie der jungen Schweden auf den Punkt bringt: Terzenharmonien, gemeinsames Schulter-an-Schulter-Hocken, ein unglaublich ansteckender Refrain mit mehrstimmigem Gesang und totales Ausrasten auf der Bühne!

Als nächstes übernahmen Angel Witch die Bühne, die legendären NWOBHM-Metaller aus dem Süden Londons. Die Anekdote besagt, dass das Label EMI ernsthafte Pläne mit ihnen hatte, sich am Ende aber doch für die Unterstützung von Iron Maiden entschied. Letztere füllen heute Stadien rund um den Globus, während sich Angel Witch mit gelegentlichen Konzerten in Clubkellern begnügen. Auch sie haben ein neues Album im Gepäck – »As Above, So Below«, das erste seit einem Vierteljahrhundert – und dessen Promotion war der Anlass für die neue Europatour.

Die britischen Heavy-Metal-Veteranen werden heute von den Originalmitgliedern nur noch durch Sänger/Gitarrist Kevin Heybourne vertreten. Der Mann ist ein echter Perfektionist, was Studioaufnahmen betrifft: Auf ihren bis heute vier veröffentlichten Alben findet sich kein einziger schwacher Moment. Beim Live-Auftritt selbst gilt das leider, nach dem was man gesehen hat, nicht unbedingt. Heybourne ging den Wiener Abend etwas zu lässig an und meldete sich sogar mitten im Konzert zu Wort – nach dem Song Guillotine folgte sogar eine kurze Pause, um alle technischen Probleme zu beheben. Abgesehen von diesem Punkt war das Konzert eine echte Bombe! Angel Witch pflegen eine völlig eigenständige Version des Heavy Metal, in der neben den Standard-NWOBHM-Elementen ein starker Einfluss der düsteren Black Sabbath-Schule zu hören ist – die daraus resultierende Kombination wirkte in der intimen Clubatmosphäre, buchstäblich im Wiener Untergrund, geradezu magisch! Das Gefühl der Enge wurde durch düstere Songs wie White Witch und Sorcerers sowie Heybournes einzigartigen Gesang noch verstärkt, der auch im Jahr 2013 noch so geheimnisvoll klingt wie einst. Zwischen das Material vom kultigen Debütalbum »Angel Witch« (1980) platzierten Heybourne und Kompanie einige Songs des aktuellen Albums – die beiden Platten aus Mitte der Achtziger wurden allerdings auch diesmal wieder gemieden. Den Grund kenne ich nicht, vielleicht sind Urheberrechte im Spiel – angesichts ihrer Qualität scheint mir das die einzig logische Erklärung dafür zu sein, warum Angel Witch dieser Epoche ihrer Karriere so gleichgültig gegenüberstehen. Das große Finale ihres Auftritts kam ganz am Schluss, als sie das Epos Angel Witch spielten, das den gesamten Club zum ersten Mal an diesem Abend zur simultanen Mitwirkung zwang.

Mit Grand Magus wehte ein anderer Wind in den Club – während die Vorbands im Bereich des Old-School-Heavy-Metal gespielt hatten, traten die schwedischen Drei aufs Bremspedal und verliehen dem Gitarrensound eine saftige Färbung. Meine Damen und Herren, vor uns stand eines der bedeutendsten Denkmäler des europäischen Stoner Metal, was auch der Club zu spüren schien: Er atmete vom ersten Song an eng mit der Band. Zunächst hatte ich das Gefühl, Grand Magus hätten ihren Frontmann ausgetauscht, aber an der Stimmfarbe und den Bühnenbewegungen des Musikers auf der linken Seite der Bühne erkannte ich Janne »JB« Chrisstofferson, der in den letzten zwei Jahren sein Image komplett verändert hat. Er hat sich lange Haare und einen üppigen »ZZ Top-artigen« Bart wachsen lassen und trägt ein verwaschenes Rainbow-Shirt mit dem Covermotiv des Albums »Rising« – so hätte ich ihn mir vor einigen Jahren sicherlich nicht vorgestellt. Im Klangraum entfaltete Foxes Basslinie ihre volle Wirkungsmacht: Sie hauchte den dreckigen Riffs dringend benötigte Energie ein und neutralisierte die morbide Atmosphäre der kalten schwedischen Doom-Metal-Schule ein wenig. Grand Magus sind im Laufe der Jahre zu wahren Meistern des Konzertambientes geworden, denn sie packten das Publikum im Verlauf des Auftritts immer fester in den Griff eines direkten, organischen Ausbruchs von außerordentlicher Wucht, der im Finale mit den Songs Iron Will und Hammer Of The North seinen Höhepunkt erreichte.

Der Ausflug nach Wien hat alle Erwartungen erfüllt – wir haben die Gesellschaft der jungen, druckvollen schwedischen Kraft Enforcer genossen, uns den Melodien der unsterblichen Angel Witch-Klassiker hingegeben und uns zum Abschluss noch dem Strom der Grand Magus-Urgewalt ergeben. Erlaubt mir zum Schluss noch eine persönliche Note. Obwohl Grand Magus die Headliner der Tour waren und ihnen damit auch die meiste verfügbare Spielzeit zukam – und sie von allen Auftretenden auch den intensivsten Empfang erlebten –, bin ich heute, während ich diese Zeilen schreibe, ungemein froh, eine meiner liebsten Heavy-Metal-Bands, Angel Witch, endlich live erwischt zu haben. Der gesamte Weg nach Wien und zurück war allein ihretwegen mehr als gerechtfertigt.

Setlist

ENFORCER:
1. Death Rides This Night
2. Mistress from Hell
3. Mesmerized By Fire
4. Katana
5. On The Loose
6. Crystal Suite
7. Scream of the Savage
8. Take Me Out Of This Nightmare
9. Into the Night

ANGEL WITCH:
1. Atlantis
2. Confused
3. Dead Sea Scrolls
4. White Witch
5. Sorcerers
6. Gorgan
7. Guillotine
8. Dr. Phibes
9. Angel of Death
10. Baphomet
11. Angel Witch

GRAND MAGUS:
1. Kingslayer
2. Sword of the Ocean
3. I, The Jury
4. Ravens Guide Our Way
5. Silver Into Steel
6. Starlight Slaughter
7. Wolf’s Return
8. Like The Oar Strikes The Water
9. Drum Solo
10. The Hunt
11. Valhalla Rising
12. Iron Will
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13. Hammer Of The North

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