Nashornkick in die Weichteile oder direkter Rock’n’Roll-Schuss in Velden am Wörthersee! (2013)

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Autor: Urban Bolta
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Velden am Wörthersee (Vrba na Koroškem) / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Konzertdatum: 30.01.2013
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 22,00€ (Vorverkauf) / 26,00€ (Tageskasse)

Offensichtlich haben amerikanische Bands erkannt, dass Europa ihnen die Tür nie zugeschlagen hat und sie auf dem Alten Kontinent mehr als willkommen sind – das gilt nicht nur für die größten Exportschlager des amerikanischen Rocks wie Foreigner und Journey, die nach zwei, ja sogar drei Jahrzehnten der Ignoranz in den letzten Jahren wieder regelmäßig durch Europa touren, sondern auch für eine ganze Reihe kleinerer Club-Bands, die die Gunst der Stunde gewittert haben und sich auf die Mission gemacht haben, ihren einstigen Glanz zurückzuerobern. Eine dieser Bands sind Rhino Bucket, die beim letzten Jahrzehntwechsel nach fast zwanzig Jahren auf den europäischen Konzertmarkt zurückgekehrt sind und seitdem in unserem Raum schon einige Touren abgespult haben.

Als Rhino Bucket vor fast genau zwei Jahren in der Bluesiana in Velden am Wörthersee in Kärnten spielten, zog es mich selbst am selben Abend nach Wien zu Accept – nach zwei Jahren war es nun endlich an der Zeit, der kalifornischen Band meine Schulden zu begleichen. Der Ort des »Verbrechens« war derselbe, die Bluesiana lud wieder in ihre Arme, dieser idyllische Club mit intimer Atmosphäre, beliebter Treffpunkt aller Blues- und Classic-Rock-hungrigen Musikgenießer.

Als Rhino Bucket diesen Musiktempel das erste Mal bespielten, versammelten sich gerade mal ein paar Dutzend Seelen, daher war der Anblick des relativ gut gefüllten Clubs beim Betreten diesmal umso erfreulicher. Wer weiß, vielleicht lag es am guten Ruf des kalifornischen Quartetts, vielleicht aber auch an der lokalen Vorband aus Villach, deren Auftritt wir leider verpasst hatten. Es war gegen zehn Uhr abends, als die Amis aus dem Backstage durch den Club marschierten, sich auf der Bühne aufstellten, noch die letzten technischen Kleinigkeiten regelten und uns dann auf einen anderthalbstündigen Rock’n’Roll-Ausflug mitnahmen, im fünften Gang und ohne Haltestellen!

Rhino Bukcet präsentierten sich in der Besetzung der beiden Originalmitglieder Georg Dolivo an Gesang und Rhythmusgitarre sowie Bassist Reev Downes, auf der linken Seite spielte der bei der Reunion vor gut einem Jahrzehnt dazugestoßene Gitarrist Brian »Damage« Forsythe, und hinten drosch der jüngste Neuzugang der Band, der langhaarige Dave DuCey, auf die Drums ein. Beim Eröffnungssong One Night Stand rückten die Zuschauer einen oder zwei Schritte vor und umschlossen die Bühne noch enger, und der bessere Besuch gegenüber vor zwei Jahren zauberte auch den Bandmitgliedern ein Lächeln ins Gesicht und blies ihnen frischen Wind in die Segel.   

Im ersten Teil des Konzerts reihten Rhino Bucket einen nach dem anderen Tracks aus ihrem Debütalbum aneinander, denn sie befinden sich auf einer Tour, bei der sie den heute kultisch verehrten Garagenklassiker »Rhino Bucket« von 1990 in voller Länge spielen. Aber Achtung! Wie der sichtlich bestens aufgelegte Frontman mit finnischen Wurzeln Dolivo in einer der Ansagen betonte, ist es wegen eines Rechtsstreits mit dem Label Warner Bros, das alle Rechte an den ersten beiden Alben hält, heute extrem schwer, an die begehrten Scheiben zu kommen – angeblich hat selbst Dolivo keine Originalausgabe davon! Daher hat er uns Anwesende ermächtigt, die Musik aus ihrer ersten Schaffensphase ohne schlechtes Gewissen einfach aus dem Netz zu klauen!

Rhino Bukcet sind Vertreter einer direkten musikalischen Sprache, ihre Erscheinung und ihre Stimme sind für Live-Auftritte wie geschaffen, bei denen die Energie des Draufhauens wie ein potentes Exemplar wirkt! Man zweifelt nicht daran, dass Georg Dolivo und Kompanie als Jungs mit dem Sound von AC/DC in der Ära Bon Scott aufgewachsen sind, denn ihre Gitarrenriffs, hymnischen Melodien und die Backing-Vocal-Execution in den Refrains ähneln der alten Schule der australischen Rock-Giganten in verblüffender Weise, traurig nur, dass die einen auf ausverkauften Stadien rund um die Welt spielen, während die anderen durch Clubkaschemmen tingeln. Dolivos Stimme klingt makellos, und wenn er schreit, wartet man nur noch darauf, wann die Stimmbänder vor lauter Anstrengung explodieren! Der Frontman war bestens gelaunt und verstand es, in den Pausen die Atmosphäre mit der einen oder anderen witzigen Bemerkung aufzuheitern. Gitarrist Forsythe hatte aufgrund der unkomplizierten Struktur der Songs keine allzu schwere Aufgabe, genausowenig wie Drummer DuCey, der den Großteil des Konzerts ganz im gleichmäßigen Stil des immer lächelnden Ringo Starr ablieferte. Mit seiner Bühnenpräsenz erntete auf der linken Seite auch Bassist Downes reichlich Sympathiepunkte, wie auch nicht, wenn er beim Spielen Gesichtsausdrücke aus den goldenen Zeiten des Filmschauspielers Clint Eastwood auftischte. Jede einzelne gespielte hymnische Melodie war ein Monument für sich und zwang die Besucher zum rhythmischen Aufstampfen mit dem rechten Fuß, nicht einmal AC/DC selbst würden sich für eine davon schämen! Nach der vollständigen Durchspielung des Debütalbums griffen Rhino Bucket noch zu einem Strauß Songs aus anderen Alben, von denen besonders der Titeltrack des aktuellen Albums »Who’s Got Mine«, der Filmhit Ride With Yourself und zum Konzertfinale Beat To Death Like A Dog herauszuheben sind.

Rhino Bucket haben mit ihrem direkten Rock’n’Roll-Schuss, einer Handvoll Rebellion, Dreck und Erotik, den Nagel mal wieder genau auf den Kopf getroffen! Anderthalb Stunden schlichter musikalischer Rhetorik für die gelangweilte Arbeiterschicht vergingen wie im Flug und bestärkten uns Anwesende in der Überzeugung, dass irgendwo in versteckten Winkeln der Geist des klassischen Hard-Rock-Erbes noch immer lebt und schafft.

Setlist

1. One Night Stand
2. Beg For Your Love
3. Train Ride
4. Going Donw Tonight
5. Even The Sun Goes Down
6. Blood On The Cross
7. Shut Down
8. I’d Rather Go Insane
9. Inside / Outside
10. Ride The Rhino
11. Raise Your Glass
12. Who’s Got Mine
13. The Hardest Town
14. Welcome To Hell
15. Ride With Yourself
16. She’s A Screamer
17. Bar Time
18. Hey There
19. Beat To Death Like A Dog
20. Ain’t Going Back

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