„25. Sarkazmičnih“ (2012)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Medvode / MC Jedro / Slowenien
Konzertdatum: 31.03.2012
Besucherzahl: 40
Kartenpreis: 0,00 €

Über Sarcasm muss man keine überflüssigen Worte verlieren. Die slowenische Speed/Thrash-Metal-Band hat mit ihrem Grundlagenwerk »Crematory« – dem kultigen »Top-Shit«-Debüt aus dem Jahr 1989 – den Grundstein für den slowenischen Thrash Metal gelegt. Gerade mal zwei Jahre zuvor waren Sarcasm offiziell gegründet worden. Die ersten 25 Jahre sind rasend schnell vergangen.  

Für diesen epischen Moment in ihrer Geschichte hat die Band ausgerechnet den Club MC Jedro in Medvode ausgewählt. Zu ihrer »Feier« haben sie die österreichischen Power/Thrash-Metaller Klynt eingeladen, mit denen sie offensichtlich bestens befreundet sind – was Sarcasm auch die Türen für Auftritte auf den Bühnen unseres nördlichen Nachbarn öffnet.

Es war ein Samstag, eine kristallklare, frische Nacht, die tauigen Knospen an den Ästen hatten endlich vollständig ausgetrieben, der letzte Märztag neigte sich langsam dem April entgegen. So spielt die Natur nun mal, würde man mit einem Hauch von »Sarkasmus« sagen. Wie man es auch dreht und wendet – die Leute wollten sich partout nicht im Klub versammeln, trotz eines Events, das auf der slowenischen Metal-Szene nicht unbeachtet hätte bleiben sollen. Zwar ist es nicht der erste Auftritt von Sarcasm in diesem Jahr, und die Hauptwelle der Metaller hatte sich bei ihren Shows auf der Strecke Kranj – Ljubljana  – Kamnik von Mitte Februar bis Mitte März entladen, doch trug dieses Event das Label »einmalig«. Das ist die Art von Ereignis, bei dem das Fernbleiben der gesamten slowenischen Metal-Gemeinde schlicht nicht zu rechtfertigen ist.

Klynt erledigten ihren Teil bis zehn Uhr abends. Die jungen Kerle aus Graz pflegen einen roh-furiosen Ableger einer Art Mischung aus Heavy-Power-Riffs und Thrash-Raserei; mit einigen Linien epischer Natur wollen sie gar an die Werke von Iced Earth erinnern. Die Aufmerksamkeit zog vor allem der Sänger auf sich mit seiner Conan-haften Zurschaustellung seiner rasierten Achselhöhlen, mit der er sich nach Kräften – vergeblich – bemühte, die wenigen Zuschauer vor der Bühne auf seine Seite zu ziehen. Mehr als ein apathisches, höflich beifälliges Reagieren konnte er der Handvoll Anwesenden allerdings nicht entlocken. Das Debüt der Band »Of Klynt And Man« wurde präsentiert, doch die Band konnte nicht beeindrucken. Mit karierten Hemden, kurzen Frisuren und gestutzten Scheiteln erinnern sie eher an einen Verein für Atomphysik-Enthusiasten oder zumindest an Fripp’s Musterschüler »The League Of Crafty Guitarists« als an die zornigen Lausbuben, die gefährliche Spiele treiben, wie wir sie aus der Thrash-Metal-Legende kennen. »Meister Yoldi« hingegen sorgte für einen sehr schönen Sound im Jedro.

Gegen halb elf war alles bereit für den Auftritt der Legenden. Trotz der gähnenden Leere im Raum machten sich Muci und Kompanie nicht allzu viele Gedanken darüber. Die Band legte los – voll, unbeschwert, kompromisslos – mit dem grundlegenden Credo, an das jede ordentliche Band in einer solchen Situation herangeht: »Egal was ist, wir stehen aufrecht und genießen es, solange die Bühne uns gehört!!«

Die Band ist hervorragend eingespielt. Man spürt, dass Sarcasm in kurzer Zeit eine Reihe von Auftritten durch Slowenien absolviert haben. Mit dem Einstieg von Tomaž Frelih hat die Band nicht nur einen erfahrenen Musiker gewonnen, der den Bass gekonnt schwingt (Yoldi ist übrigens auch ein außergewöhnlicher Gitarrist), sondern auch einen hervorragenden Kameraden, der mit seinem Beitritt zur Crew gleichzeitig für absolute Klangkontrolle auf den Konzertbühnen sorgt – schließlich ist er ein versierter Tonmeister. Sarcasm wären ohne Aleš Blaznik nicht Sarcasm – ohne die Essenz seines angeborenen Gespürs, einem Song einen erstklassigen Riff mitzugeben, und natürlich vor allem ohne sein fantastisches Solospiel, das zur absoluten Spitze der renommiertesten und angesehensten Namen des weltweiten Thrash Metals gehört. Mit Klemen Renk ergänzen sie sich hervorragend und navigieren das Band-Opus souverän durch den Riff-Rausch, mit dem Gefühl, dass nichts die beiden aus ihrem halsbrecherischen Gitarren-Rally werfen kann.  Während Yolda mit dem Bass grub und schnitzte, als würde er mühelos mit dem Messer durch Beton schneiden, darf man die Arbeit des hervorragenden jungen Schlagzeugers Aleš Korošec nicht vergessen.

Die Band feuerte im ersten Teil vor allem Songs aus dem hervorragenden neuen Studioalbum »Something To Believe In« (2011) – RockLine-Rezension HIER, gemischt mit ein paar Karriere-Klassikern! Natürlich ragten dabei Love At First Sight und Road Warriors vom kultigen Debüt »Crematory« heraus – RockLine-Rezension HIER. Ein toller Auftritt in jeder Hinsicht, Klangcharakteristik inklusive. Nichts auszusetzen. Mucis Stimme hält stand wie der unheilvolle Rachen einer röhrenden Erscheinung, die unnachgiebig Feuer vor sich herspuckt. Als einzigen Makel des Abends kann man das Besucherdefizit verbuchen: Die Energie, die die Band auf der Bühne erzeugte, verpuffte danach schnell im Raum. Die Wände fraßen sie auf. Ohne echtes Publikum lässt sich keine echte Brücke der Interaktion aufbauen, und so kann die Wirkung der Musiker auf der Bühne keine echte Konzertintensität entfalten. Schade!

Da waren die unvergesslichen Klassiker Krueger Story und Crematory – beide erneut vom Debüt –, außerdem das großartige Slovenski genocid und erwartungsgemäß als Abschluss Dej mi, Sarcasm, die es aber nicht schaffte, allzu viele Quanten an Rückenergie von der kleinen anwesenden Schar im Jedro zu mobilisieren. Mit der obligatorischen Zugabe, in der noch ein weiterer Hammer aus dem Album »Crematory« namens Thrash Tonight aufblitzte, war das Feiern mit der Band nach anderthalb Stunden vorbei. Die Lichter gehen an, die paar verirrten Küchenschaben verteilen sich lichtscheu in alle Ritzen, und die Band steht am Ende praktisch völlig allein im Raum.

Trotz des gewaltigen Krachens und der Thrash-Usurpation einer erstklassigen Konzertexekution gab es diesmal kein echtes Unter-die-Haut-Gehen. Ich wiederhole mich schon, wenn ich lamentiere, dass daran der katastrophale Besuch der »Unterstützer« schuld ist, die am Samstagabend »vergessen« haben, das MC Jedro aufzusuchen und der Legendenband für ihr erstes 25-jähriges Jubiläum Respekt zu zollen. Ich glaube, dass Sarcasm das nicht mal ansatzweise nah gegangen ist – und dass sie nach der Konzertperiode so schnell wie möglich ins Studio zurückkehren und mit dem Erschaffen und Aufnehmen von neuem Material für den Nachfolger von »Something To Believe In« beginnen. Angesichts der Qualitäten des letzteren lohnt es sich, das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist! »Einen neuen Liter auf den Tisch! Auf die nächsten 25 Jahre, Jungs!«

Setlist

1. Surrender
2. Žena
3. We Are At War
4. Love At First Sight
5. License To Sarcasm
6. Terrorist
7. Road Warriors
8. Something To Believe In
9. Voices Of Verdun
10. Liter na mizo
11. Krueger Story
12. Slovenski genocid
13. Whiplash
14. Summer ’91
15. Crematory
16. Dej mi, Sarcasm
—-Zugabe—
17. Thrash Tonight
18. Ace Of Spades
19. Believer

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