Keineswegs nutzlose, panische Häftlinge beim Epic RockLine Wettbewerb (2010)!
Autor: Rok Klemše
Ort: Rock Cafe, Postojna
Konzertdatum: 04.02.2010
Besucherzahl: 150
Wieder ein Donnerstag und wieder ein Abend des Epic RockLine Wettbewerbs… Diesmal bereits zum fünften Mal in Folge und zum zweiten Mal ein durch und durch metallischer Abend. Nach dem ersten Metal-Ansturm von Sagaris, Brezno und Eternity kamen diesmal Panikk, Use Less und Inmate dran, die Bühne des Rock Cafe zu belagern. Es versprach ein genremäßig (zumindest was Metal betrifft) abwechslungsreicher Abend zu werden, mit drei Bands, die die slowenischen Bühnen bereits ordentlich aufgemischt haben und sich live schon mehrfach bewiesen haben.
Als erste besetzten die jungen Thrash-Metaller aus Ljubljana, Panikk, die Bühne des Postojnaer Rock Cafe. Die junge Truppe bringt ins thrash-gesättigte Slowenien einen für Thrash Metal ziemlich frischen Ansatz voller Aggression auf der einen und Melodie auf der anderen Seite. Sie spielen eine Thrash-Mischung, die einen stellenweise an die frühe Metallica erinnert, mit Einflüssen des deutschen und gelegentlich auch des britischen Thrash Metal. Die Jungs haben schon beim Betreten der Bühne gezeigt, dass sie vor jugendlicher Energie platzen. Den abwechslungsreichen Thrash Metal voller dynamischer Riffs, old-school kratzig-rauem Gesang und einer zerstörerischen Rhythmussektion haben gelegentlich jugendliche Ausbrüche getrübt – die zwar zum Thrash Metal passen, aber leicht geschmacklos und übertrieben wirkten. Leider bekamen Panikk schnell auch noch technische Probleme zu spüren, sodass der Gitarrist/Sänger in der zweiten Konzerthälfte die Gitarre aufgab und nur noch die Gesangsaufgaben übernahm. Trotz der Probleme sorgten die Jungs während der Fehlerbehebung mit einer interessanten Improvisation für Unterhaltung, setzten das Konzert im Zeichen des kürzlich veröffentlichten Demos fort und verabschiedeten sich mit dem Slayer-Klassiker Raining Blood. Panikk sind zweifellos ein vielversprechender Name der heimischen Thrash-Szene – trotz ihres souveränen und kompromisslosen Ansatzes fehlt ihnen aber noch etwas Konzertkilometer.
Panikk haben die schön gefüllte Halle erfolgreich aufgewärmt und das Rock Cafe auf Betriebstemperatur gebracht. Der Boden war bereitet, und auf die Bühne stiegen die Use Less aus Kamnik, die dreiviertel Stunden höllischen Heavy-Metal-Spaß versprachen. Und dieses Versprechen haben sie gehalten! Die Jungs hatte man zuletzt letzten Sommer in Kranj gesehen, danach haben sie sich in der Garage verbarrikadiert, wo sie wie besessen geschrieben und geübt haben. Das Ergebnis ist mehr als sichtbar, denn Use Less klingen komplett neugeboren und qualitätsmäßig um einige Stufen besser als vor der kreativen Pause. Instrumentell haben die Jungs enorme Fortschritte gemacht, die Rhythmussektion ist voll und massiv, die Gitarren Heavy-Metal-typisch aufgedreht und scharfgestellt – vor allem Matej Osredkar erntete mit exzellentem Solieren und einem schicken Hawaii-Hemd jede Menge Sympathiepunkte. Frontman Rok Tavčar macht seinen Job souverän und ist als echter Frontman einer Heavy-Metal-Band geboren. Die Moderation ist originell und humorvoll, dazu kommt noch ein exzellenter Gesang, der gegenüber der Demo-Aufnahme um Welten besser ist. Die kreative Pause hat Use Less ohne Zweifel gutgetan – man sieht, dass sie hungrig auf die Bühne sind und die Bühne auf sie. Die Demo-Tracks haben gerissen, vor allem der Kracher Money is the Name of the Game, und auch die neuen Songs lassen vieles erwarten, besonders die fantastische Ballade The Challenge of Love. Lobenswert sind auch die Coverversionen von Iced Earth und Virgin Steel, die das Publikum gehörig angeheizt haben – und genau beim Auftritt von Use Less hatte sich wohl das größte Publikum aller bisherigen Wettbewerbsabende versammelt. Auch wenn Use Less der Sieg um ein Haar entglitten ist – auf Jungs in diesem Tempo wartet eine glänzende Zukunft, und ich zweifle nicht daran, dass ihre Zeit noch kommt!
Als letzte traten schließlich die Inmate aus Velenje auf. Auch Inmate kehren nach längerer Abwesenheit auf die Bühnen zurück, denn es ist wohlbekannt, dass die Jungs wirklich laaaange nach einem Sänger gesucht haben. Den haben sie schließlich in Mike gefunden, und Inmate kehren neugeboren und komplett auf die Bühnen zurück. Inmate sind damit keineswegs eine Ausnahme, denn viele Bands haben ihre größten Probleme genau bei der Suche nach dem richtigen Sänger. Aber während sich die meisten Bands in der Zwischenzeit in der Garage abhärten, haben Inmate trotz fehlendem Sänger das Publikum auch bei Konzerten aufgewärmt – und das als rein instrumentale Besetzung sehr erfolgreich. Mit Mike öffnet sich für Inmate also ein neues Kapitel, geprägt von extrem energischen und souveränen Auftritten – so wie sich auch der donnerstägliche zeigte. Die Band ist in Topform, das Zusammenspiel ist außergewöhnlich, und ein echter Augenschmaus sind vor allem die Gitarristen Andrej und Aleš, die für großartige Soli und terzenreiche Harmonien à la Maiden und der schwedischen Schule des melodischen Death Metal sorgen. Vor allem dank des Gesangs, der zwischen rohem Growling und sauber gesungenen Passagen wechselt, kommen Inmate auch der amerikanischen Schule des modernen Metal à la Shadows Fall und Ähnlichen sehr nahe – für das Versprühen purer Energie von der Bühne sorgt ein wirklich lebhafter Frontman, der sich mehrfach auch ins Publikum vor der Bühne stürzt. Die Songs klingen live verdammt vielversprechend, und wir warten auf die Studioversionen der Kracher Fire, Walk With Me, In the Circle of Courage und weiterer.
Nach dem Auftritt aller drei Gruppen erwartete die Jury wohl die bisher schwierigste Aufgabe, denn ein so qualitatives und ausgeglichenes Trio hatte der Epic RockLine Contest noch nicht erlebt. Das Publikum hat erneut bewiesen, dass Metal auf heimischem Boden lebt, atmet und sich von der Energie der Konzerte nährt – so voll war das Rock Cafe an den vergangenen vier Terminen des Wettbewerbs nicht. Nach der Abstimmung trugen Use Less den absoluten Publikumssieg davon, Inmate sicherten sich zusätzlich die Stimmen der Fachjury und gewannen den fünften Abend des Epic RockLine Wettbewerbs.
Fotos: Mojca Perdih und Martin Prezelj
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