Metal festival v Kranju, dan 2
Autor: Rok Klemše
Konzertdatum: 05.10.2007
Besucherzahl: 610
Ticketpreis: 200
Am Samstag, den 6. Oktober, ging im Kranjer Izbruhov bazen der zweite Teil des Izbruhov metal festival über die Bühne. Den zweiten Festivaltag prägten vor allem Absagen: Zuerst sagten leider Lady’s First aus Bled ab, und kurz vor Festivalbeginn zog auch eine Band aus dem benachbarten Kroatien ihren Auftritt zurück. Der Veranstalter hat dem Publikum gegenüber diesmal viel Gespür bewiesen und den Ticketpreis von 6,66€ bzw. 7€ auf 5€ gesenkt. Ein lobenswerter Move!
Am Samstag waren vielleicht ein Hauch weniger Leute da als am Freitag, aber im Bazen haben sich trotzdem so 200, 250 Metaller eingefunden, die auf das Trio der Auftretenden gewartet haben. Als Erstes enterte das Wolfsrudel aus Kärnten die Bühne: Wartune. Der progressiv bzw. technisch angehauchte Death/Thrash Metal, den Wartune spielen, ist zum Abschlecken aller 20(+) Finger! Jedes Mal treffen sie dir direkt vor die Stirn, und jedes Mal noch wuchtiger. Wirklich jeder gespielte Song war mörderischer als der vorige, Hostas Growl wird immer brutaler, ist aber zugleich farbig und halbwegs verständlich genug, die Finger des wahnsinnigen Gitarrenduos Piko und Ozi spielen immer bessere Soli und abgefahrene Passagen, getragen von zerstörerischen Riffs, und live kommt am meisten der außergewöhnliche Bassist Hudrap zur Geltung, wegen dem ich bei den Basslinien des Death-Covers The Philosopher meine Kinnlade irgendwo bei den Poolfliesen aufgesammelt habe. Die Jungs haben auch noch einen ganz frischen Song gespielt, der verdammt vielversprechend klingt und auf der neuen Demo landen wird. Schade nur, dass Wartune den Krieg schon so früh angezettelt haben, so gegen halb neun abends, sodass die meisten noch beim Vorglühen hingen, aber als der fantastische Metal die Hallenwände zum Beben brachte, sammelten sich vor der Bühne schnell Leute, die gnadenlos ihre Nackenmuskeln malträtierten. Wartune legen jedes Mal, wenn sie auf der Bühne stehen, qualitativ ein Stockwerk drauf, noch souveräner und noch besser in jeder Hinsicht. „Prepare for Total War!“ Ouuuuuuuuuu!
Nach einem kurzen Soundcheck standen auch schon Sabaium auf der Bühne, die die Headliner des Abends, Interceptor, seit Beginn der Tour II. Fuck Off Commercial Tour 2007 als Support begleiten. Die ansehnliche Zahl an Konzerten zahlt sich für sie ordentlich aus, denn auf der Bühne fühlen sie sich wie der Fisch im Wasser. Total locker und kompromisslos haben sie ihre Dreiviertelstunde runtergerissen, die sie ausschließlich mit eigenem Material gefüllt haben, von dem sich in zehn Jahren schon genug für drei Platten angesammelt hat. Hand aufs Herz: Eine krasse Evolution hat der Sabaium-Sound in zehn Jahren nicht durchgemacht, aber das Mädel und die Jungs haben ihren Sound gefunden und bleiben dabei. Eben so. Das Publikum hielt sich während des Sabaium-Sets eher zurück, nur ein paar junge Damen in der ersten Reihe ließen beim Haarekreisen Dampf ab, wofür Frontmann David aufrichtig dankbar war. Zusammen mit Gitarrist Jure, mit dem er sich die Gesangsparts teilt, schuf er ein paar interessante Momente mit doppelten Vocals. Juretas Einstieg hat der Band wirklich neuen Schwung gegeben, und auf der Bühne bringt er eine ordentliche Portion rohe Energie ein, sowohl mit tiefem Growl als auch mit Cleangesang. Sabaium sind live eine qualitativ starke Band, die Alben werden ihnen eher nicht gerecht, und mir gehen leider nach wie vor die „cheesy“ Synths auf den Zeiger. Aber das ist halt Geschmackssache. Der hellste Punkt war aber wirklich die totale Lockerheit der Band, die die Bühne in vollen Zügen genoss. Besonders ab ging es bei Bassist Aleš und Keyboarderin Vesna, die praktisch non-stop gebangt hat. Sabaium spielen einen ziemlich eigenwilligen Death Metal, der nicht leicht zu knacken ist, aber live wissen sie zu überzeugen.
Und endlich standen auf der Bühne auch die legendären Interceptor, die nach acht Jahren Totenruhe wieder aus dem Grab auferstanden sind. Und zwar mit Stil! Mit der zweiten Auflage der Kulttour Fuck Off Commercial Tour, mit der sie ganz Slowenien abgeklappert und gleichzeitig einer stattlichen Zahl junger, aber vielversprechender heimischer Metal-Bands die Chance gegeben haben, auf der Bühne zu spielen. Wer erinnert sich nicht an die kultigen Graveyard-Metaller, die Mitte der Neunziger einen vielbeachteten Videoclip zum Song Uničimo tabuje gedreht haben, bei dem Deja Mušič mitgewirkt hat? Mir persönlich wollte nie in den Kopf, warum ausgerechnet „Graveyard“ Metal, aber Frontmann Čulk hat auch das aufgeklärt. Schaut euch einfach die Tourplakate und die Aufschriften auf den Grabsteinen an, dann ist sofort alles klar. Die Rückkehr der Legenden war also heiß ersehnt. Und es zeigte sich schnell, warum. Schon während des Intros skandierte das Publikum Interceptor, und als die zentralen Mitglieder die Bühne betraten, Mastermind Marc Pader und Master of Disaster Gregor Čulk, drehten die Leute durch. Haarekreisen ohne Ende! Es war herrlich, die Klassiker Blame, Blato, Mors Victrix, Papparazo und das großartige Puške namesto kruha zu hören, bei dem sich auch Čulk gesanglich sehr gut schlug und seinen Ruf als verrücktester Frontmann auf unserem Boden bestätigte. Eine 150-Kilo-Masse über den Boden zu schmeißen ist unbezahlbar. Interceptor werden sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, denn sie bereiten schon die Aufnahmen eines neuen Albums vor, von dem sie das vielversprechende Homo Stupidus gespielt haben, und überrascht haben sie außerdem mit dem großartig gespielten und gesungenen Inner Self von Sepultura. Einen Minuspunkt gibt es fürs Kokettieren mit Pantera und Angel of Death, das wir laut Čuleks Worten beim Abschlusskonzert in Maribor hören können, sowie für den ansonsten tollen Abschluss mit dem fantastischen Zadnja žrtev, auf den aber keine ersehnte Zugabe folgte. Interceptor sind wieder da, und zwar so stark wie in ihren besten, goldenen Zeiten.
Noch einmal ein Lob ans Izbruh-Team für so viel Gespür für die slowenische Metal-Szene und den Metal überhaupt, denn in knapp zwei Wochen steht schon das nächste Death-Metal-Fest mit Krisiun und Incantation an.
Setlist
Wartune
Sabaium
Interceptor
Bildergalerie








