Adler in Bayern gelandet

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Autor: Jernej Vene

Ort: Olympiahalle / München / Deutschland
Konzertdatum: 24.05.2006
Besucherzahl: 12
Kartenpreis: von 51 bis 120 Euro

Wie man weiß, verirren sich die ganz großen Namen der Popmusik nur selten auf slowenische Bühnen. Ich rede natürlich von denen, die für ihre Arbeit eine große Bühne, eine Lichtshow und eine ordentliche Crew brauchen. Der ganze Spaß kostet haufenweise Kohle, die die Veranstalter bei uns meistens nur schwer zusammenkriegen. Die Folge: ein Tagesausflug in größere Nachbarstädte. Diesmal ging es für uns nach München zum Konzert der kalifornischen Band Eagles. Mit Concert Freak als Organisator erlebten wir eine bequeme und nicht allzu lange Fahrt, und den besonderen Reiz so einer Tour machen die Fans aus, die normalerweise die echten Stimmungskanonen im Bus sind. Neben Trinken und Singen lassen sie auch den einen oder anderen Streich vom Stapel. Und das Wetter passte auch zum Ausflug: ein bisschen Frühlingssonne und Wolken, sodass es nicht zu heiß wurde.

Die Tickets waren schon im Winter weg, trotzdem fanden sich noch ein paar Leute, die sich in letzter Minute bei Schwarzhändlern eindeckten. Um 20:20 Uhr ging es los, und wir Glückspilze im Parkett konnten ab etwa dem dritten Song einen wunderschönen Sound genießen, den Bassist Timothy B. Schmit, Drummer Don Henley sowie die Gitarristen Glenn Frey und Joe Walsh erzeugten. Diese vier Herren bilden heute die Band Eagles. Neben ihrer Klasse als Instrumentalisten teilten sie wie gewohnt die Gesangsparts unter sich auf. Mit Abstand am meisten sang Don Henley, dann Joe Walsh, der auch als Clown der Truppe gilt, und am seltensten übernahmen Schmit und Frey den Leadgesang. Das Publikum war gemischt, auch wenn es natürlich die meisten waren, die die Eagles von Anfang an begleiten. Manche Älteren hatten ihren Nachwuchs mitgebracht, der von sich aus bestimmt die Nase über diese Musik rümpfen würde, weil er mit anderem Zeug aufwächst. An den Ständen gab es T-Shirts, Kappen, Hemden und sogar einen Damenbademantel (die Preise lagen zwischen 30 und 100 Euro). Aber zurück zur Musik. Der Opener Take It Easy war genau richtig für den Einstieg, weil er ziemlich flott ist. Danach mischten sie neuere und ältere Songs mit Hits der einzelnen Mitglieder als Solokünstler, und gegen Ende begeisterten sie wieder mit altbewährten Bandklassikern. Der Sound im Parkett war fantastisch, die Kollegen auf den Tribünen mussten darauf natürlich verzichten, weil sie ziemlich verkorkste Plätze erwischt hatten. Vielleicht an dieser Stelle eine Bemerkung an die Veranstalter, weniger an die Band: Es wurde wirklich jedes mögliche Eckchen der Olympiahalle verkauft. Im Parkett standen nämlich Stühle, weil die Band es so wollte, also musste das Geld, das man mit Stehplätzen im Parkett eingenommen hätte, woanders reingeholt werden. So verkauften die tüchtigen Deutschen Sitzplätze fast schon hinter der Bühne, von denen die armen Leute nicht mehr sahen als den Vorhang und den Tontechniker auf der Bühne. Im Verkauf waren auch Stehplätze ganz oben auf den Tribünen (über der obersten Sitzreihe), und zwar für stolze 50 Euro. Das war das billigste Ticket, im Parkett kosteten sie 100 und 120 Euro. Für so eine makellose Produktion muss man natürlich zahlen. Aufgebaut waren zwei große Videoleinwände und eine dritte, rechteckige über der Bühne, sodass für einen guten Blick aufs Konzert gesorgt war. Die Eagles und ihre acht Mitstreiter spielen seit 2001 zusammen, und das hört man. Die professionelle und technisch perfekte Darbietung weckte in mir zuerst den Verdacht, dass die Herren das eine oder andere auf der Festplatte haben, doch bald holten sie mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Walshs Gitarre war in einem der Songs im Intro viel zu laut im Vergleich zu den anderen Instrumenten, also genoss ich beruhigt weiter. Das Publikum zögerte natürlich nicht und stimmte bei den Songs ein, die es kannte. Die Begeisterung war riesig. Henleys Hit Boys of summer brachte die Leute im Parkett auf die Beine. Sie drängten sich in den Gang in der Mitte der Halle und tanzten fröhlich. Nach der Pause hofften wir natürlich, dass wir stehen bleiben und uns möglichst näher zur Bühne vorarbeiten könnten. Glenn Frey wies nach Tequila Sunrise höflich die Leute vor der Bühne darauf hin, dass sie den Blick auf die Bühne verdecken, denn die Tickets seien nicht billig gewesen. Er schlug vor, dass sie gegen Ende des Konzerts tanzen könnten, wenn die Party auf dem Höhepunkt sei. Da hat Frey vielleicht danebengelegen, denn bis zum Schluss stand kaum noch jemand auf. Als brillante Musiker, die sie sind, erledigten sie ihren Job mit Auszeichnung. Die Begleitmusiker sind herausragend, am ehesten hebe ich noch Steuart Smith hervor, der das Ex-Mitglied Don Felder ersetzt und noch aufgewertet hat. Don Henley kündigte einen der neueren Songs an, Hole in the world, der vom Gemütszustand nach dem 11. September 2001 handelt. Offen sagte er, es sei Zeit, dass die USA eine neue Staatsführung bekommen. Glenn Frey schloss sich mit einer Geschichte über einen Aufkleber an, den er auf einer Autostoßstange in Los Angeles gesehen hatte: „I can’t wait till 2008!“ (Ich kann es kaum erwarten, dass 2008 kommt – und damit die Wahlen, Anm. d. Verf.). Tja, ich warte dagegen auf 2007, wenn sie endlich ein neues Studioalbum veröffentlichen sollen. Da ich die Eagles vor zehn Jahren in derselben Halle gesehen habe, kann ich behaupten, dass sie live nicht mal ein Jahr älter geworden sind, geschweige denn zehn!

Setlist

Take it Easy
Witchy Woman
Peaceful Easy Feeling
One of These Nights
New Kid in Town
I Can’t Tell You Why
Lyin‘ Eyes
The Boys of Summer
In The City
The Long Run

Pause (20 Minuten)

Tequila Sunrise
Love Will Keep Us Alive
No More Cloudy Days
Hole in the World
Take it to the Limit
Walk Away
Sunset Grill

Vorstellung der Band

Life’s Been Good
Dirty Laundry
Funk #49
Heartache Tonight
Life in the Fast Lane

Erste Zugabe
Hotel California

Zweite Zugabe
Rocky Mountain Way
All She Wants to do is Dance

Dritte Zugabe
Already Gone
Desperado

Besetzung:
Bill Armstrong Posaune
Scott Crago Schlagzeug, Percussion
Glenn Frey Gitarre, Gesang
Al Garth Trompete
Don Henley Schlagzeug, Gitarre, Gesang, Percussion
Willie Hollis Keyboards, Gesang
Christian Mosert Trompete
Timothy B. Schmit Bass, Gesang
Greg „Frosty“ Smith Trompete
Steuart Smith Gitarre, Gesang
Michael Thompson Akkordeon, Keyboards, Gesang
Joe Walsh Gitarre, Gesang

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