Ein Abend mit Dream Theater in der Hala Tivoli in Ljubljana, endlose Salven von Notenlinien

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Ort: Ljubljana (Slowenien), Hala Tivoli
Konzertdatum: 18.10.2005
Besucherzahl: 5500
Ticketpreis: 6.990,00SIT

Endlich! Zwar mal wieder Dream Theater, aber egal. Wo findet man in Slowenien schon was Progressives? Von Yes und King Crimson über Marillion, Arena, IQ bis hin zu riffbetontem Prog wie Symphony X, Vanden Plas, Angra,…. Aber was verirrt sich schon nach Slowenien….Der Teil der Tour, auf dem die Dreams in Ljubljana Halt machten, hieß „An Evenihng With Dream Theater“, die Setlist dagegen war ausgesprochen mutig, anders als die sommerliche (Juni-)Variante, die wir in Padua kosten durften und die auf die letzten beiden Studioalben der Band ausgerichtet war. Das Set deckte also alle Schaffensphasen der Band ab, angefangen mit Octavarium, dem frischesten Studiowerk, und zwar mit The Root Of All Evil und Panic Attack. Die Halle war gut gefüllt. Ein stattliches Häuflein zählte gute 3000 Leute und wuchs und wuchs weiter. Ein guter Trick: Die Bühne wurde weiter Richtung Mitte gerückt, sodass der Kontakt zwischen Publikum und Band sofort ganz eng und intensiv war. Hände hoch und sofort Vollgas! Aber ach du je. Die Erfahrenen unter euch wissen schon, worum es jetzt geht. Der Sound, na klar! Mal wieder total in der Sch…! Ich stand, wie es sich für einen gestandenen Herrn von Welt gehört, auf der rechten Tribüne. Abgesehen davon, dass mir fast schon die Augen schief wuchsen vom Schrägblick auf die Bühne (von der Seite), hörte ich hauptsächlich das Durchhämmern der Drums, vom Gesang keine Spur, und auch das Gitarrenriffing verschmierte das ganze Klangbild ordentlich.

Verglichen mit dem Auftritt in Padua war die Band auf der Bühne deutlich verspielter und geiler drauf. Der Sound erreichte während des ganzen Auftritts kein akzeptables Niveau, aber immerhin stellte sich bis zum prähistorischen Another Won, aus der Zeit, als sie noch Majesty hießen, ein Level minimaler Hörbarkeit ein. Dieses Minus wurde komplett von der schon erwähnten Geilheit der Band gerettet, von den irren Fans und natürlich von den drei Screens, die die Bühnenakrobatik von Jordan Rhudes, Mike Portnoy, Johan Petrucci und Michael Chang,… pardon, John Myung… detaillierter zeigten; die Mittelbühne blendete gelegentlich Motive zur Essenz der Band ein, zu ihrem Geist, ihrer Mission und Idee. Diese Stimmigkeit der Videomotive zu den ausgewählten Songs des Repertoires half, die Atmosphäre auf ein beneidenswert hohes Niveau zu heben. Der erste Konzertteil wurde durch die außergewöhnlichen Klassiker Under A Glass Moon und Caught In A Web immer spannender. Der erste Teil, gut eine Stunde lang, endete beim Jahr 2000 und dem Song Losing Time/Grand Finale. In Peruvian Skies schwenkten Dream Theater völlig reibungslos auf ein Anspielen des Floyd-Songs Wish You Were Here um, drehten ihn aber bald in Wherever I May Roam (Metallica). Die Fans waren davon begeistert, im Delirium…

Es folgte eine fünfzehnminütige Pause, danach ging das Konzert deutlich wütender weiter, mit Material von „Train Of Thought“ (2003), As I Am und Endless Sacrifice, und mündete in den Abschluss mit dem „Octavarium“-Trio. Der erste Song in diesem Trio war das großartige I Walk Beside You, ein Stück mit extrem eingängigem und giftig ansteckendem Refrain, mit einer – ich wage es zu sagen – U2-mäßigen Linie, im Grunde direkt fürs Radio gebaut. Und dann das Beste vom letzten Album. Sacrified Sons, das überging in….. Diese Fortsetzung war Rhudes‘ „Continuum Fingerboard“, quasi das Äquivalent zur Gitarren-„Steel Pedal“ (für alle, die mit Gitarrennamen wie Steve Howe oder David Gilmour liebäugeln). Ein außergewöhnlich atmosphärisches Intro von Rhudes, bei dem sich die Haare aufstellen. Die Leute in der Halle verstummten und starrten nur mit offenen Augen auf den Screen! Zu Rhudes gesellte sich schließlich LaBrie auf einem Barhocker! Der begann, den Eröffnungsteil des Songs Octavarium sophistiziert großartig zu singen! Die 24-minütige Komposition mit durchgehend rotem Faden war ein echter Leckerbissen zum Konzertabschluss. Ein Song der vielen Atmosphären. Ende des regulären Teils, die Leute drehen in der Halle durch und fordern mehr!

Die Band eröffnete die Zugabe mit der Halbballade The Spirit Carries On (na ja, zur Abwechslung hätte man die z. B. gegen das legendäre Surrounded tauschen können), danach folgte der totale Wahnsinn mit dem wohl bekanntesten Dream-Theater-Song aller Zeiten, „zieh mich runter, ich hab keine Angst“. Also Pull Me Under, den sie völlig unerwartet in Metropolis Pt.One kippten! Den spielten sie genau ab der Stelle an, wo sein bester Teil beginnt. Der Instrumentalmittelteil! Die Leute wurden bei den Klängen des Albums „Images And Words“ (1992) ordentlich durchgeschüttelt.

Was soll man sagen. Ein gut dreistündiger Auftritt! Eine verspielte Band, sogar der sonst immer so reservierte John Myung gab den Fans die Hand und verabschiedete das Publikum mit so manchem Lächeln im Gesicht, was für den auf der Bühne sonst eisigen Bassisten eine ziemlich verblüffende Tat war. Portnoy bleibt für immer in unseren Herzen! Wenn er das nächste Mal kommt, schleppen wir ihn in den erstbesten Pub, saufen uns natürlich gemeinsam einen an und bringen ihm die Zdravljica bei, und er soll uns zum Dank zur Melodie der Hymne ein progressiv gebrochenes Rhythmusarrangement schreiben. Der Kerl hatte nämlich vor dem Konzert ein Trikot der slowenischen Eishockey-Nationalmannschaft angezogen. Wer weiß, vielleicht hat der HZS ja einen Agenten zum Dream-Theater-Konzert geschickt, um eventuelle Talente unter den Rockschlagzeugern zu entdecken. Kurz, was soll ich noch sagen? Endlich mal was für Feinschmecker und musikalische Perfektionisten. Leider wurden wir wieder um den Sound betrogen. Keine Ahnung, wie es unten im Innenraum war, aber auf der Tribüne war es verheerend, dem Sound zuzuhören. Kurzum, wie ich es auch drehe und wende: bis auf den Sound „Entertainment“ der Extraklasse!

Setlist

In the Name of God outro (intro tape)
1. The Root of All Evil
2. Panic Attack
3. Another Won
4. A Fortune in Lies
5. Under a Glass Moon
6. Caught In a Web
7. Peruvian Skies
8. Fatal Tragedy
9. About To Crash (Reprise)
10. Losing Time/Grand Finale
—Pause—
11. As I Am
12. Endless Sacrifice
13. I Walk Beside You
14. Sacrificed Sons
15. Octavarium
—Zugabe—
16. The Spirit Carries On
17. Pull Me Under/
18. Metropolis pt 1.

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