Zwischen Erde und Himmel
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Tilen
Label: Dallas Records
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 25:14
Bewertung: 2/5
Noch ein Album, das sich um seinen offiziellen Erscheinungstermin herumgedrückt hat. Wenn es in der Redaktion angekommen ist, gebührt ihm Aufmerksamkeit. Tilen Šinko. Ein junger Musiker, Sänger, beherrscht obendrein mehrere Instrumente! Er veröffentlicht sein Studio-Debüt und reiht sich unter die slowenischen Singer-Songwriter ein. Auf dem Album »Nekje med zemljo in nebom« wirken einige erfahrene Musikernamen mit, die so manche »Mittelwellen«-Geschichte geprägt haben oder noch prägen, die von den Radiofrequenzen allgemein gut aufgenommen wurde. Neben den Veteranen Janez Zmazek und Aleš Klinar hat sich Franci Zabukovec um Mix und Mastering des Albums gekümmert, seinerseits ein Spitzengitarrist.
Bei diesen Informationen schnellen auch die Erwartungen an das Material auf dem Produkt nach oben. Da Janez Zmazek Tilen in erheblichem Maße beim Zusammenstellen dieses Produkts geholfen hat, sowohl bei der Gestaltung der Arrangements als auch bei der Wahl bestimmter musikalischer Lösungen in den Kompositionen, und ihm sogar das Album produziert hat, ist klar, dass es sich um acht kompakt geschriebene Stücke handelt. Mit klar ausgearbeitetem Anfang und Ende. Strophe – Refrain (zweimal hintereinander), »mid-eight«-Passage und Wiederholung des Refrains. Kurz, prägnant, trivial. Kein Einstein nötig.
Das Album wird von mittelschnellen Stücken angeführt, mit Leitmotiven, die auf dem Umwälzen weniger Akkorde basieren. Die Platte ist also motivisch völlig vorhersehbar. Auch in den Botschaften und Reimen erahnst du schnell, wie die jeweilige Geschichte auf dem Album verlaufen wird. Auch wenn die Produktion organisch, ohrengefällig und warm wirkt, stört auf diesem Album vor allem das Gefühl von Naivität. Ein Album voller »ringaraja«-Liedchen, in denen echte Authentizität im Textvortrag kaum herauszuschälen ist. Die Botschaften wirken flach und naiv; man spürt, dass Tilen lieber in himmlischen Illusionen spaziert, als fest auf dem realen Boden der Wahrheit zu stehen. Musikalisch wie in den Botschaften der Verse.
Die Melodie nähert sich »country«-Weisen und dem »heartland rock«. Im Stück »Ko doživiš« wird einmal mehr offenkundig, dass wir in Slowenien dem »Getöse« balkanischer Rhythmen stark ausgeliefert sind, besonders auf öffentlichen oder geschlossenen Veranstaltungen. Also. Nichts wirklich kreativ Authentisches lässt sich erspüren, worauf Tilen im Moment seine eigene stilistisch-expressive Ausstrahlung aufbauen könnte.
Zwei Antworten sind möglich. Entweder will der Kerl mit seinen Ideen nur einen erfolgreichen kommerziellen Durchbruch an die Spitze des slowenischen »Mainstreams« erreichen, was eine unmögliche Mission ist angesichts der Dominanz von »kreativen Genies« à la Kingston, Modrijani und Ähnlichen (lies: diese Mission hat Tilen leider vom falschen Ende angegangen), oder er wird noch einige Löffel Brei hinunterschlucken müssen, bis er sich zu einem inhaltlich fassbaren und scharfsinnigen Künstler formt, der in seinem Kunstschaffen die richtige Balance zwischen musikalischer Zugänglichkeit (die er sicherlich anstrebt) und einem Textvortrag entwickelt, der einen auf Anhieb in seiner Echtheit und Erdverbundenheit packt. Der Gesang entwickelt auf diesem Debüt leider keine mitreißenden Charakteristika. Expressiv verwässert durch die Zerbrechlichkeit und Dünne der gesetzten Gesangslinien, hinterlässt er neben dem unerquicklichen Gefühl von Naivität sogar einen Beigeschmack von Rührseligkeit.
Nette, harmlose, trivial lösbare Liedchen werden eher kleine Mädchen und das anspruchslosere slowenische Plebs unterhalten, das lieber Konzerte von Helena Blagne als von Avtomobili besucht. Das Produkt zielt in erster Linie natürlich auf die Radiofrequenzen ab. Leichte Musik, popig konkret parfümiert, was auch Zmazkovs »berühmter Gitarrengriff« nicht kaschieren kann. Ohne Höhepunkte. Vielleicht hätte dieses Album zu Zeiten der Herrschaft von »Debele dekl’ce« gezündet, heute eben nicht, es sei denn, man würde seinen Namen auf der Szene noch in der Sorglosigkeit der Achtzigerjahre aufbauen (in der Liga der Vilij Resniks usw…).
Besetzung
Tilen Šinko – Gesang
Janez Zmazek – Gitarre
Aleš Klinar – Keyboards, Bassgitarre, Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Matic Oražem – Backing Vocals
Produktion
Janez Zmazek
Trackliste
1. Ne izdaj me
2. Ostala si v spominu
3. Nekje med zemljo in nebesi
4. Ko doživiš
5. Blizu sem
6. Tam nekje
7. Mesto spi
8. Zakaj