(Z)godbe o Kataleni! (2013)

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Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Datum: Freitag, 19.10.2013


Im CUK Kino Šiška fand letztes Wochenende eine ganz besondere Feier statt. Ein glamouröser Auftritt des Folk-Art-Rock-Kollektivs Katalena, unterstützt von all ihren musikalischen Fraktionen beziehungsweise Ablegerformationen. An Produktivität mangelt es Katalena nicht. Das lässt sich ihr nicht abstreiten. Angetrieben wird sie vom kreativen Genius sechs starker, musikalisch klar definierter Entitäten. Sechs Musikwelten, die nun schon im zwölften Jahr in Folge eine einzigartige Klangwelt mitgestalten. Die unverwechselbare Welt von Katalena.

Ein waschechtes vierstündiges Musikspektakel, eine Show voller beeindruckender Lichtspiele und ansteckender Theatralik. Als Hauptmoderator des Programms wurde »geopfert«: Patty Diphusa – das berühmte Alter Ego von Boštjan Gombač. Unterstützt von einer erstklassigen Rhythmussektion im Gespann Žiga Golob – Sergej Ranđelovič »Runjoe«. Gombač brachte die proppenvoll besetzte Halle gleich zu Beginn – wie erwartet – zum Brüllen vor Lachen. Nicht nur wegen seines erlesenen »Aufzugs«, es reicht schon sein vokales Verbiegen, das zwischen seiner natürlichen Stimme und jener alterniert, mit der er Patty Diphusa sein kann. Allein der Kontrast dieses »Biegens« der Stimmcharakteristika von Boštjan Gombač ist ungemein amüsant. Während das Trio Patty Diphusa auf der linken Bühnenseite die Aufmerksamkeit auf sich zog, wurde auf der rechten Seite alles für den Auftritt von The Puzzled vorbereitet.

Das Quartett The Puzzled, in der Besetzung Tibor Mihelič Syed (Bassgitarre, Gesang), Marko Brdnik (Akkordeon), Mario Babojelić (Gitarre) und Marko Lasič (Schlagzeug), präsentierte in einer halben Stunde sein exzellentes Studio-Debüt »Bad Times for Bedtime Stories«, das in diesem Jahr über das Label Celinka Records erschienen ist. Die Komplexität der Figuren in den genreübergreifend vielseitigen Kompositionen, mit Syeds maskulinem, von Caveschem Düster beschwertem Gesang, leuchtete durch die Songs Time Without Her is Wasted, In the Name of G(o)ods und World Of Nothing. Die brillante Ausnahme-Koexistenz ungewöhnlicher Instrumente macht es für echte Musikgourmets zur Pflicht, die Band bei erstbester Gelegenheit live zu erleben. Vor allem deshalb, weil ein Großteil der musikalischen Aussagekraft auf der Kolorierung der Klanglandschaft durch zahlreiche Pedaleffekte aufbaut, die das eigenwüchsige Destillat der breiten Klangpalette dieses exzellenten Quartetts wie auf dem Tablett servieren – einem Quartett, das der Schocktherapie durch den scharfsinnigen Einsatz von Experiment verschrieben ist.

Patty Diphusa gibt nicht auf! Im weiteren Verlauf beschenkte sie uns mit einer hedonistischen Schweinchen-Show, der sich der weibliche Chor der drei Zdravih Marij in der Besetzung Ana Duša, Vesna Zornik und Polona Janežič anschloss. Den erfahrenen Bühnenbesucherinnen blieb das spöttische Sticheln von Patty Diphusa von der rechten Flanke nicht erspart. Nun ja, zumindest verriet die Mimik, dass alle drei Chormädels das Lachen kaum unterdrücken konnten.

Der rechte Bühnenteil erwacht erneut zum Leben, als Katalena-Frontmann Boštjan Narat mit seiner Begleitband – Matevž Kolenc (Bassgitarre), Polona Janežič (Keyboards), Blaž Celarec (Schlagzeug, Perkussion) und Jelena Ždrale (Viola) – die Bühne betritt. Eine neue, absolut einzigartige musikalisch-bekenntnishafte Erfahrung, vor allem eine philosophisch bekenntnishafte. Narat ist als Liedermacher ein Meister darin, greifbare Botschaften durch den raffinierten und einfallsreichen Einsatz metaphorischer »Biegungen« zu platzieren. Ein Meister des Wortspiels. In seinem Kopf sprühen die Funken. Das aktuelle Studioalbum der Formation »Konec sveta vedno pride nenapovedano« (2012) präsentierte Narat mit seinen Mitstreitern durch die bildstarken Stücke des Albums Dvajset let, Egon, Režem ovinke, Zdi se und abschließend Kako končati to pesem?, das erwartungsgemäß den Höhepunkt seiner Performance lieferte.

Nach der letzten abendlichen Begegnung mit der »flotten und schmucken« Patty Diphusa übernehmen Vesna Zornik mit ihrer Begleitband TangoApasionada die Bühne. Vesna wird begleitet von Metod Banko, Rok Koritnik, Nikola Matošić, Ernest Miklič und Ana Duša. Mit Vehemenz, außergewöhnlichem Selbstbewusstsein – und was am wichtigsten ist: Mit Leidenschaft! Wieder erleben wir die Erschaffung einer völlig anderen Vibration, einer anderen Erfahrung, einer anderen künstlerischen Verführungskraft. Das Album »TangoApasionada« ist der Trumpf, der Vesna Zornik die Türen zu den Bühnen weit aufstoßt. Das sündige, schon regelrecht »kabarettistisch zugespitzte« Tango-Karussell in den Darbietungen der Stücke Volver, Tango De Lengue, Muchacha del Circo, Yo soy Maria, La Cumparsita ist auf eine ganz besondere Weise hypnotisch mitreißend! Vesna Zornik hat sich also im Tango selbst gefunden – und das bestätigte auch das Repertoire selbst!, das eine Auswahl an Songs bot, die auf dem Album „TangoApassionada“ nicht zu finden sind, was bedeutet, dass die Forschungsexpedition in die Welt des Tangos für Vesna Zornik noch lange nicht zu Ende ist.

Patty Diphusa gibt dann beleidigt »ihren Abschied«, und auf der Bühne taucht eine interessante Kombination aus vier Musikern auf. Boštjan Gombač mit der Hurdy-Gurdy, Boštjan Narat mit der Akustikgitarre, Bassist Žiga Golob (Kontrabass) – und fragt gar nicht erst, wer? Die slowenische Schlager-Diva der Siebziger und Achtziger! Neca Falk. In vier Nummern riss es das Publikum besonders bei der Darbietung des immergrünen Hits Vsi ljudje hitijo aus dem Jahr 1979, verfasst von Andrej Šifrer, von den Stühlen. Und Neca Falk? Die Stimme reift wie Wein! Schade nur, dass sie so selten auf Bühnen zu sehen ist.

Den großen Jubel krönte natürlich der Auftritt von Katalena, in der über die Jahre wohlbewährten Formation Vesna Zornik (Gesang), Boštjan Narat (Gitarre), Boštjan Gombač (Blasinstrumente, Perkussion und sonstige »Wunderspielzeuge«), Polona Janežič (Keyboards), Tibor Mihelič Syed (Bassgitarre) und Robert Rebolj (Schlagzeug, Perkussion). Das zentrale Highlight des Abends. Mit all dem geforderten und erwartungsgemäß weit darüber hinausgehenden Theater, das der Witz besonders der Figuren der vorderen Frontlinie der Band kreiert – also beider Boštjans und Vesna Zornik. Mit dem Schwerpunkt des Repertoires auf der Darbietung von Songs des aktuellen Albums »Noč čarovnic« (2011), das Nummern wie Noč čarovnic, Zvezda, Zeleni Jurij, Komur se dremlje sowie Favoriten wie allen voran Lisica und (Rad imel bi) jabuko rdeče umfasste, bei denen das Publikum sofort mit der Band zu einem einzigen Körper verschmolz. Dazu der experimentelle Eröffner Ta solbaška sowie das im Schlussteil besonders rockig aufgeladene Le pijmo ga. Und natürlich durfte auch die hervorragende Re-Interpretation des Volkslieds Zre(j)lo je žito nicht fehlen. Als besonderer Gast springt die einmalige Neca Falk noch einmal auf die Bühne für ein Duett mit Vesna.

Die »Sünde«, die Narat beging, als er 2001 ausgewählte Akteure nach Črmošnjice einlud, um ein bisschen auf Instrumenten zu spielen, erlischt also nicht. Sie leuchtet mit unverminderter Intensität. Sie leuchtet stärker denn je – und das bestätigte auch der Auftritt der Band. Eine große Feier mit außergewöhnlicher Eingespieltheit, Abstimmung, spürbarer Chemie zwischen den Bausteinen der »Geschichte von Katalena« und viel Respekt vor dem Publikum. Eine einfallsreiche Rekonstruktion von Volksstandards und ihre genreübergreifende Umformung in ein einzigartiges Klangbild, das mit der Klugheit seiner Arrangementlösungen stets so wirksam anzieht. Katalena!

Den unvergesslichen Abend rundeten die hervorragend genutzte Akustik des Saals Katedrala im Kino Šiška sowie der Bühnenraum selbst ab, der mit außergewöhnlichem Scheinwerferlicht ausgestattet war – einem kunstvoll ineinanderfließenden Farbenspiel aus Licht, Schatten und Nebelschleiern. Ein proppenvoll besetzter Veranstaltungsort mit ekstatischem Publikum, das die Aktionen der Band lautstark mit Ovationen großer Begeisterung begleitete. Die Energie ließ nicht nach, und Katalena kehrte  für zwei obligatorische Zugaben auf die Bühne zurück. Der vierstündige Marathon war im Nu vorbei. Er bot den außergewöhnlichen Reiz von fünf kühnen musikalischen Figuren, angeführt von der »Mutter« Katalena.

Das Event mit dem Namen »(Z)godbe ob Kataleni« ist in der schönstmöglichen Manier gelungen. Das Erlebnis der »Entrücktheit« blieb auch diesmal nicht aus. Diese einzigartige Welt der Band ist so stark und leuchtet so überzeugend, dass sie dich ergreift und in eine Parallelwelt der Fantasie und Abkehr vom Rationalen entführt.  

Wieder bleibt mir nur, mein Bekenntnis zu einem Abend der Superlative abzuschließen, und gleichzeitig möchte ich Katalena und ihren Töchtern und Söhnen The Puzled, TangoApasionada, Patty Diphusa sowie der Liedermacher-Präsenz von Boštjan Narat noch viele Jahre beflügelnden kreativen Schaffensimpuls wünschen – in der Hoffnung, dass dieser seine Realisierung in noch vielen Abenteuern geistreicher künstlerischer Beweglichkeit finden möge, mit der das Schaffen und Wirken des Kollektivs Katalena uns nun schon im 12. Jahr in Folge verwöhnt.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


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