Zensur auf libanesisch

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 Zensorenfinger können so einiges verderben. Was Musik angeht: Gerade wegen der Zensur kam es laut Susannah Tarbush, Journalistin der Zeitung Ya Libnan, zu einer Blüte der Heavy-Metal-Kritik – zumindest im Libanon.

Ihren Worten zufolge hat sich der Metal im Libanon, um mit Belästigung und Zensur abzurechnen, schon mehrfach auf die Barrikaden gestellt und demokratische Standpunkte souverän verteidigt. Die Kritik an Rock- und Metal-Musik kämpft seit ein paar Jahrzehnten mit Vorwürfen von Sittenverfall und Satanismus (ähnliche Kreuzzüge gegen Heavy-Metal-Musik und ihre Hörer gibt es im gar nicht so weit entfernten Ägypten ständig). Moe Hamzeh, Boss und Gründer der 1992 gegründeten Beiruter Band The Kordz, nannte einen Fall, bei dem die Kritiker plötzlich ein Ass im Ärmel für die Abrechnung hatten: den Suizid eines jungen Mannes aus Beirut an dem Tag, an dem sich Kurt Cobain das Leben nahm. Der Junge nahm sich ausgerechnet wegen Kurts Entscheidung das Leben, dem irdischen Dasein ein Ende zu setzen. Zutiefst erschüttert entschied er sich ähnlich. Zweifellos ein Beweis für den schädlichen Einfluss von Rock, mit dem die Labilität, Dummheit oder der Fehlgriff eines Einzelnen bei der Frage, was richtig und was falsch ist, rein gar nichts zu tun hat, oder?

Beispiele für zensorisches Auftrumpfen und das Aufzwingen konformistischer Normen um jeden Preis gibt es in der libanesischen Musik- und Kulturszene noch mehr. Cyrille Najjar, Mitgründer der Goth-Band The Arcane, erzählt, dass einige seiner Freunde wegen ihrer musikalischen Überzeugungen und ihres Aussehens schon mehrfach von Polizisten ordentlich verprügelt und hinter Gitter gebracht wurden.

Am eigenen Leib spürte die Zensur aber am deutlichsten letzten Juni Xardas (mit richtigem Namen Osman Arabi), 24-jähriger libanesischer Elektro-Magier und Erfinder des Genres „Dark Ambient“. Im April 2006 erschien auf dem US-Label Autumn Wind Productions sein Album „Acid Vomit. Human Genocide“. Als das Label ihm 150 Exemplare der Platte lieferte, fing der Staatssicherheitsdienst die Sendung ab und beschlagnahmte sie unter dem Vorwand, die Musik sei satanistisch und moralisch anstößig. Xardas wurde vor Gericht zitiert, wo er eine Erklärung unterschreiben musste, nie wieder Sendungen mit „düsterer, gewalttätiger oder seltsamer“ Musik anzunehmen. Sollte er sein Versprechen brechen, droht ihm umgehend die Verhaftung, und zwar ohne jeglichen vorherigen Prozess. Ja, man muss einfach zugeben: Im Libanon brauchen Rocker und Konzeptkünstler unbedingt Eier…Mehr dazu kannst du HIER. lesen.

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