Willkommen auf dem Ball mit Vicious Rumors! (2011)
Autor: Rok Klemše
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 20.05.2011
Besucherzahl: 70
Kartenpreis: 12,00€ / 15,00€
Vicious Rumors ist ein Name, dem man angesichts aller Faktoren eigentlich einen Platz unter den Großen einräumen müsste – dieser großartige Power-Metal-Act aus San Francisco hat mit seinem klassischen Debüt Soldiers of the Night (1986) die Grundlagen des amerikanischen Power Metal gelegt. Und nach 2007 kehrten Vicious Rumors an den Ort eines verbrecherisch guten Konzerts zurück, das sie im Orto bar gemeinsam mit Agent Steel gespielt hatten.
Zuvor aber betraten zum ersten Mal die blutfrischen Desc die Bühne – über die vor dem Auftritt praktisch nichts bekannt war, außer dass die Band aus alten Hasen besteht, die sich in Gruppen wie Iron Median, Lady’s First und Ivje die Sporen verdient haben, und dass sie Heavy Metal spielen. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch – leider wurden sie nicht erfüllt. Man erwartete vor allem eine ordentliche Dosis eigenen Heavy Metals, die uns (zumindest diesmal noch) verwehrt blieb. Desc präsentierten stattdessen eine interessante und bunte Auswahl klassischer Heavy-Metal-Songs, die instrumental souverän und sehr solide rüberkamen – vor allem die Soli waren präzise ausgeführt. Den Jungs merkte man durchaus an, dass es ihr erster Auftritt war – kleinere Patzer und Aussetzer blieben nicht aus. Soweit noch alles in Ordnung, doch dann haperte es beim Gesang, der seine Aufgabe ziemlich kläglich erledigte. Dem Sänger fehlte vor allem in den Falsett- und höheren Lagen massiv die Kontrolle, und so verschluckte er reihenweise Konsonanten, Vokale oder ganze Silben. Auch der Bühnenauftritt der Band war leider ziemlich unbeholfen, hölzern und statisch. Desc frühstückt also noch Čokolino und trinkt Lumpi-Saft – bis zur echten Männlichkeit fehlen noch ein paar Kilometer.
Kurz nach zehn Uhr kam dann doch die Kriegskugel ins Rollen und rief die Mitglieder von Vicious Rumors mit Boss Geoff Thorpe an der Spitze auf die Bühne. Die Band eröffnete mit dem ersten Track des neuen Albums Razorback Killers, Murderball, einen tödlichen Walzer – leider noch vor einem fast leeren Orto bar. Doch die mörderisch eingespielten Gitarrenlinien, die giftigen Riffs und der gewaltige Gesang zogen die Leute schnell vor die Bühne, und mit dem ersten echten Klassiker des Abends, Digital Dictator, spielten Vicious Rumors bereits vor gut der Hälfte des Saals. Die Band reihte unter der Gesangsführung von Neumitglied Brian Allen Klassiker an Klassiker, Schlachtschiff an Schlachtschiff. Vom neuen Album wurde die Heavy-Metal-Sahne abgeschöpft – gefehlt hat vielleicht nur das großartige Deal With the Devil –, und fast nebenbei zauberten Vicious Rumors Asse aus dem Ärmel: Lady Took a Chance, Ship of Fools, Abandoned, Soldiers of the Night und mehr. Allen brüllte mit seinem exzellenten, messerscharfen, in unmenschliche Höhen geschraubten Gesang auch die anspruchsvollsten Linien des verstorbenen Carl Albert bravourös heraus und sorgte dafür, dass das Publikum immer heißblütiger wurde. Donnerkerl Larry Howe torpedierte und riss hinter dem Schlagzeug Wände ein – mit durchdachten, lebhaften und dynamischen Übergängen sowie artilleristischen Doppelbass-Passagen – und lieferte nebenbei noch zuverlässige, melodiöse Backing Vocals, die das ohnehin schon gewaltige Klangbild noch fülliger machten. Die Gestalt des einzigen dauerhaften Gründungsmitglieds der Band, Gitarrist Geoff Thorpe, hättest du nicht übersehen können, selbst wenn du es gewollt hättest. Sein mitreißendes Sägen über sechs Saiten reißt dich auf der Stelle in den Strudel des Riff-Fleischwolfs, der dich am Ende nur als blutigen Haufen aus Knochen und Brei zurücklässt. Thorpe reihte Riff an Riff und atemraubende Soli, die kein Ende zu nehmen schienen – das orgiastische Reiben der Saiten gipfelte dabei besonders dann, wenn das Gitarrenduo Thorpe/Morgan Schulter an Schulter antrat. Und nach alledem begeisterten die echten Metal-Krieger noch mit Thorpes Worten, dass sie nicht hergekommen sind, um unsere Geldbörsen auszusaugen und zwölf Nummern runterzuspielen wie die meisten Bands. Nein! Vicious Rumors spielen auch nach 25 Jahren Karriere kompromisslos und ohne einen Funken Müdigkeit zwanzig Nummern – wegen der strengen Sperrstunde des Orto bars mussten sie leider das mörderische Sonic Rebellion streichen. Live-Auftritte voller unerschöpflicher Energie und schlicht mörderisch gutem Heavy Metal sowie ein großartiges neues Album beweisen, dass Thorpes Truppe keinen Halt kennt.
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist
1. Murderball 2. Razorback Killers 3. Digital Dictator 4. Minute To Kill 5. Lady Took A Chance 6. Out Of The Shadows 7. Dust To Dust 8. Bloodstaind Sunday 9. Black 10. Worlds & Machines 11. Ship Of Fools 12. Abandoned 13. You Only Live Twice 14. Let The Garden Burn 15. Axe To Grind 16. War – Soldiers Of The Night 17. Hellraiser 18. Don’t Wait For me
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