Whose Dream?
Künstler: BunChakeze
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinung: 2010
Laufzeit: 47:17
Bewertung: 4.5/5
Das Newcomer-Projekt, über das in Kreisen der Progressive-Rock-Fans immer mehr geredet wird, BunChakeze, erobert langsam die Herzen der eingefleischten Hörer von Musik aus den Siebzigern und Achtzigern. Die Londoner sind völlig unbekannt, stehen aber trotzdem schon zu lange auf der Szene, als dass sie sich mit nur einem einzigen Album brüsten könnten. Doch die Realität sieht genau so aus. Zu ihren Gunsten spricht allerdings die Tatsache, dass ihr einziges Album wirklich phänomenal ist – was man von den meisten Bands mit einer weitaus größeren Diskografie nicht behaupten kann.
BunChakeze wurden schon Anfang der Achtziger gegründet, genauer gesagt 1984, damals allerdings noch unter dem Namen Odin of London. Schon damals nahmen sie den Großteil des Materials auf, das sie auf ihren gut besuchten und gefeierten Konzerten ausgiebig spielten. Leider versanken sie viel zu schnell in der Vergessenheit, und die Band löste sich infolgedessen auf. Und nach mehr als zwanzig Jahren des „Daseins“ war es endlich so weit, dass die neu benannten BunChakeze ihre Schöpfungen auch auf CD aufnahmen.
2010 ist damit ein Wendejahr für BunChakeze, denn ihr Debüt „Whose Dream?“ erschien. Das Album wird von Anfang an durch ein ausgezeichnetes Cover geziert, das der musikalischen Seite würdig ist. Interessant, wie sich das Album eigentlich sehr schnell beschreiben lässt. Ein Satz würde alles sagen – es handelt sich nämlich um Pink Floyd mit dem Sänger der legendären Genesis, Peter Gabriel. Für die große Mehrheit der Musikfeinschmecker sollte das schon Anreiz genug sein, die Platte zu hören. Trotzdem haben BunChakeze mehr als genug eigene Persönlichkeit in ihrer Musik, die sie von beiden genannten Bands abhebt.
BunChakeze haben eine enorme Bandbreite, was die Arrangements betrifft. Sie können die aggressive, kraftvolle, komplexe und virtuose Seite zeigen, voller Adrenalin, Tempo und Explosivität – wie etwa der Eröffnungstrack „BunChakeze“ (der vollständig instrumental ist); auf der anderen Seite finden wir jene langsamen, melancholischen Ambient-Wiegenlieder, randvoll mit Emotionen und wunderschönen Vocals, die in perfektem Kontrast zu den zuerst beschriebenen stehen. Dieser Kontrast tritt nämlich schon gleich nach dem Track „BunChakeze“ auf – der Titeltrack „Whose Dream?“ hebt uns auf eine höhere Ebene des Verträumtseins. Zwischen diesen beiden Extremen der Prog-Welt bewegen sich BunChakeze, denen es gelingt, einen Schritt weiterzugehen und beide in einer Symbiose namens „Walk in Paradise“ zu vereinen – und das ist nicht der einzige solche Moment. Mit „The Deal“ gehen sie wohl schon über die eigenen Grenzen hinaus – ein düsterer, atmosphärischer Albtraum voller hervorragender Gitarren-Riffs und Licks. Die harmonisch verträumte Aggressivität zeigt sich auch in den Vocals, die ständig Tempo und Tonlage wechseln, sowohl bei „The Deal“ als auch bei „Walk in Paradise“. Es fällt stark auf, dass sich die Band vor allem auf die instrumentale Seite des Schaffens konzentriert, weshalb die Texte öfter durchschnittlich ausfallen – ohne innovatives Präsentieren von nicht sonderlich tiefen Gedanken, Ideen, Bedeutungen. Das ist eigentlich der einzige Kritikpunkt, der aber eher unter Details als unter große Fehler fällt.
BunChakeze mischen so einige Einflüsse in ihren Progressive-Rock-Ansatz, bleiben dabei aber vor allem sich selbst treu – viele Elemente sind nicht gerade unbekannt, in der heutigen Musik aber allemal willkommen. Das Album „Whose Dream“ ist daher ein ausgezeichneter Auftakt der „neuen“ Karriere dieser alten Hasen, die ihre Musik nur noch besser machen können.
Besetzung
Colin Tench – Gitarren, Keyboards, Vocals
Gary Derrick – Bassgitarre
Cliff Deighton – Schlagzeug
Joey Lugassy – Vocals
Produktion
BunChakeze
Trackliste
1. Bun Chakeze (1:57)
2. Whose Dream? (4:05)
3. Walk in Paradise (6:57)
4. Handful of Rice (5:10)
5. Flight of the Phoenix (6:20)
6. Midnight Skies (6:25)
7. Long Distance Runner (6:09)
8. The Deal (7:50)
9. Bun Chakeze (reprise instrumental) (2:24)