Where The Light Resides

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Vezoja, Daniel
Label: Eigenverlag
Erschienen: 2016
Bewertung: 4.5/5

Daniel Vezoja ist ein slowenischer Singer-Songwriter aus Brežice. Ein Mann, der aufgewachsen ist und sich entwickelt hat, inspiriert von den Giganten des Singer-Songwritertums wie Leonard Cohen, Patti Smith, Tom Waits, Bob Dylan, dem kurzlebigen, aber unvergesslichen Jeff Buckley – und von dort aus ist es auch nicht mehr weit zu den verführerischen »Jangle«-Klängen der guten alten R.E.M. Mit seinem Studioerstling »Where the Light Resides« trägt er sich entschlossen in die weltweite (also nicht nur die slowenische) Musiklandkarte ein – auf den ersten Blick scheu und bescheiden, doch mit dem gezeigten Perfektionismus gleichzeitig unglaublich durchdringend, ganzheitlich und ambitioniert. Warum habe ich am Anfang dieser Rezension so lautstark eine Welle von Komplimenten entfesselt? Weil »Where the Light Resides« ein außerordentlich schönes Album ist.

Schon allein aufgrund der geografischen Herkunft bzw. Daniels ursprünglichem Domizil lässt sich schließen, dass sein Werk dem Debüt von Borto Rossa oder den Leistungen der alteingesessenen Drevored nähersteht. Das Brežice-Krško-Becken, als Teil der weiteren Dolenjska also. Von jeher hallten die Werke aus jener Ecke sanft melancholisch – was zwar für das gesamte Gebiet Sloweniens keine Seltenheit ist, doch hat der Dolenjska-Landstrich seine unverwechselbaren Eigenheiten. Die Musik dieses Albums wird all jenen nahegehen, die etwa das Debüt von Balladero kennen – wobei zwischen den beiden Werken gleichzeitig scharf gezogene, energetisch ausdrucksstarke Schwingungen spürbar sind, so wie man das in diesem Fall zwischen den Welten von Dolenjska und Prekmurje wahrnehmen kann.

So wie Balladero, probiert sich auch Daniel vollständig mit dem Singen auf Englisch aus – und das gelingt ihm ausgezeichnet. Ein hohes Maß an Musikalität im Aufbau der Songs erreicht Daniel durch die korrekt gesetzte Metrik der Verse, was im Vergleich zu slowenischen Künstlern eher die Ausnahme als die Regel ist. Das Album erreicht eine wettbewerbsfähige »Fehlerlosigkeit«, die Werke einheimischer angelsächsischer Künstler herausfordern kann – auch all jener aktuellen, die um ein Stückchen Bekanntheit unter der überfüllten »freien« Sonne des Musikmarktes kämpfen, dessen Flügel von der endlos selbstsüchtigen Gier der Musikkonzerne gestutzt werden. Deshalb ist Daniel in erster Linie ein »Indie«-Musiker im wahren Sinne des Wortes. Ein unabhängiger Musikschaffender, der in künstlerisch expressiver Wahrhaftigkeit in jedem Moment selbstständig, eigenständig und infolgedessen vollkommen souverän agiert. Seine tief empfindsame Subtilität beim Erfassen und Übersetzen der musikalischen Magie hat verwandte Seelen in Irland gefunden. So verschlug es den Kerl nach Dublin, wo er sein zweites Zuhause fand und sich herzlich und eng mit dortigen Musikern etablierter Namen verband, die ihm halfen, dieses Werk mitzuerschaffen und aus Daniels grundlegender musikalischer Vision das expressive Optimum herauszuholen.

Das Ergebnis ist eine Leistung, auf die Daniel und mittelbar auch die slowenische Musikszene bzw. ihr aktueller Puls ungemein stolz sein können. Neun Tracks, darunter eine hervorragend arrangierte Version des Patti Smith-Klassikers Chelsea 1972, stehen in der Suche nach einem außergewöhnlichen organischen Dialog zwischen Akustik und dem gelegentlichen »Jangle«-Sound – und das schlicht makellos. Der Input der irischen Musiker nähert die Klanglichkeit des Werkes natürlich dem keltisch sehnsuchtsvollen Hauch der nebelgesättigten Lüfte an, die vom feinen Regen des nordwestlichen Meeres durchdrungen sind und die britischen Inseln ewig »belecken«. Dieses gelungene Zusammenspiel aus irischer Folk-Musik, radiofreundlicher Musikalität und einem Schuss Blues (den einer der führenden Gitarrenornamente evoziert) findet sich etwa im Song Leaving Town Tomorrow zusammen. Und gerade im abschließenden Lullaby, einem unglaublich sanften und sehnsüchtig-melancholischen Stück, dominiert dieser Moment irischer Folk-Musik auf dem Album sogar. Mit Joana Marie singt er noch ein weiteres Duett, und zwar im Song I Hope Wind Knows, das sogar mit Elementen der Americana liebäugelt. Hier gesellt sich Joanna Marie mit einem ausgezeichneten, fast engelgleichen Vokal im Duett zu Daniel. Der Eröffnungsteil der Platte ist durchdrungen vom durchdringenden »Indie-Jangle«-Sound des radiofreundlichen Titelsongs und gleich danach Suzane Smiling, die beide sofort Einblick in den reichen künstlerischen Ertrag dieses Albums gewähren – die Kompositionen sind arrangierungstechnisch vollendet. Im Sinne der Gestaltung eines unglaublich versöhnlichen Dialogs zwischen Strophen und Refrains, der erstklassigen musikalischen Ausführung, der kurzen, sanften, empfindsamen Klangpastelle, die die Instrumente in der musikalischen Landschaft des Werkes aufreihen, und natürlich allem voran in der hingebungsvollen, aufrichtig empfindenden und gerade wegen ihrer Aufrichtigkeit außerordentlich durchdringenden Vokalperformance von Daniel Vezoja. Die Ausführung der Vokallinien auf diesem Album beweist auf eindrückliche Weise, dass Herzlichkeit und Aufrichtigkeit im musikalischen Artismus alles übertrifft. Daniel ist in jeder Lage, die er mit dem Vokal einschlägt, unglaublich durchdringend. Hinzu kommt eine organische, klare und unglaublich dynamische sowie lebhafte Produktion, die das Gesamtbild dieses Werkes nur stärkt. Die Instrumente liegen in wunderschöner Balance, koexistieren in großem klanglichem Einverständnis und kolorieren und kontrastieren meisterhaft den Gesang, der natürlich im Fokuspunkt liegt.

An Lobesworten mangelt es also keineswegs, und angesichts der feinsinnigen Strukturiertheit werdet ihr Nuance für Nuance die Schleier der musikalischen Substanz lüften, die dieses Werk verkörpert. Mit jedem erneuten Hören des Albums. Dabei bewahrt es bei all dem mutigen und engagierten Arrangieren stets die Feinfühligkeit der musikalischen Ansteckungskraft – deshalb könnt ihr es in jedem Moment eurer täglichen Tätigkeiten hören. Es spricht den Zuhörer so versöhnlich an, dass sich sehr schnell zumindest ein Stückchen eurer Seele darin wiederfindet. Ihr baut schnell seelenverwandtschaftliche Bande mit ihm auf. Wenn ihr auch nur einen Funken Intuition besitzt und flexibel genug seid, aus dem Griff des Rationalen auszubrechen und in eure einzigartige Welt des Individuums einzutauchen – so wie es Daniel Vezoja durch seinen musikalischen Artismus so authentisch gelingt.

Um nicht zu weit abzuschweifen: Hört euch dieses Album an. Es wird euch im Nu packen und durch die Weiten unglaublicher Sehnsucht und süßer Melancholie führen. Über der allgemeinen Melancholie glüht jedoch eine aufwallende Leidenschaft für die Freude des Seins und das Genießen des Lebens in all seinen Facetten. Nicht vergessen. Daniel weiß genau, wo das Licht wohnt. »Where The Light Resides« gilt als eines der stärksten Werke, die in diesem Jahr im Bereich der slowenischen Singer-Songwriter-Musik erschienen sind, und hat sich gleichzeitig meisterhaft einen Platz erkämpft, um auf der internationalen Musikbühne mühelos mitzuhalten.  

Daniel Vezoja (feat. Joanna Marie) – I Hope Wind Knows (offizielles Video):

Besetzung

Daniel Vezoja – Gesang, Akustikgitarre, E-Gitarre auf Track Nr. 1
Gavin Glass – E-Gitarre, Bariton-Gitarre auf Track Nr. 5, Dobro auf Track Nr. 6, Rhodes-Keyboard, Hammond-Orgel, Synthesizer
Scott Halliday – Bassgitarre, Doppelbass-Gitarre auf Track Nr. 7, Schlagzeug, Perkussion

GASTMUSIKER:
Joanna Marie – Gesang auf Track Nr. 6 und Nr. 9
Travis Lyon – Pedal Steel auf Track Nr. 4, Nr. 5, Nr. 7 und Nr. 9 

Produktion

Gavin Glass

Tracklist

1. Where the Light Resides
2. Suzanna Smiling
3. Old Memory
4. Cat In The Alley
5. Stones Don’t Cry
6. I Hope The Wind Knows
7. Chelsea 1972
8. Leaving Town Tomorrow
9. Lullaby 

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