What the Hell!

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Vega
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 2013
Spielzeit: 55:37
Bewertung: 4.5/5

Vega gelten als angenehme Überraschung aus den Gefilden des Melodic Rock der britischen Insel und haben mit ihrem Debüt »Kiss Of Life« 2010 die üblichen Popularitätsmuster von Newcomern in der Szene ordentlich durchgeschüttelt. Vega sind keine Eintagsfliege. Das beweisen ihre starken Konzerte, die sich meist auf heimische Bühnen in Großbritannien konzentrieren – vor allem aber haben Vega mit ihrem Auftritt bei einer der letzten Ausgaben des traditionsreichen Festivals Firefest in Nottingham Eindruck hinterlassen, das ganz dem Erbe von AOR und Melodic Rock gewidmet ist.

Das zweite Album, schlagkräftig »What the Hell!« betitelt, hält die hohe Latte der melodisch-rockigen Ansteckungsgefahr des Debüts »Kiss Of Life« oben.  Vega bemühen sich durchweg, einen eigenen Wiedererkennungswert zu entwickeln. Auch »What The Hell!« strahlt diese Besonderheit aus, erst recht, wenn es um die britische Ausgangsformel im Melodic Rock geht. Bei Melodik, melancholischen Stimmungen, dem Drama-Moment und natürlich dem gesamten Element der Bombast-Entfaltung stehen Vega der traditionellen Vibe der britischen Inselbands FM, Hearland, Newman oder Shy in ihrer Spätphase nahe. Dazu tragen Vega stellenweise sogar einen Hauch Optimismus in sich, verstärkt durch eine ausgeprägte Bombast-Komponente, die streng von den Werken aus den besten Tagen von Def Leppard geerbt ist (Titelsong What the Hell!).

Vega  haben ein ausgeprägtes Gespür für das Schaffen perfekter melodischer Figuren, und das neue Album vertieft diese Qualität nur noch. Obwohl es dreizehn Songs sind (das knapp eine Minute lange Intro nicht mitgezählt), kommt beim neuen Album nie das Gefühl auf, hier würde die Spielzeit gelegentlich mit aufdringlichem Ballast aus »Stinkern« gestreckt (sprich: mit »Lückenfüllern«, die absolut keinen Art-Eindruck hinterlassen). Es ist also ein Melodic Rock, der griffig und sinnvoll auch an die Philosophie des britischen Zugangs zur Popmusik der Achtziger andockt. Das ganze AOR-Genre ist nun mal von dieser Art künstlerischer Grundlage durchzogen. Das gehört einfach zusammen.  Die Songs sind kurz, knackig, kompakt. Sie sind die Verkörperung der außergewöhnlichen melodischen Mentalität der Band, hinter der ein erfahrenes Team steht, angeführt vom gestandenen Nick Workman, der sich über Jahre hinweg gestählt hat und noch immer bei der britischen Melodic-Rock-Band Kick mitmischt. Dazu kommen die beiden herausragenden Arrangeure und Komponisten – die Brüder James und Thomas  Martin. Workman ist als Sänger eine außergewöhnliche Figur. Er hat eine extrem einnehmende Stimmfarbe, die in der erstklassigen Umsetzung der Refrains dominiert, wo er mit den Backing Vocals zusammen  die stimmungsmäßigen Höhepunkte der Songs liefert.

Die Songs sind mit viel Liebe zum Detail gemacht. Qualitativ schwanken sie nicht gegeneinander. Es gibt also keine Ausreißer nach unten oder oben. Alle stehen gleichwertig nebeneinander. Highlights und persönliche Favoriten musst du also selbst finden. Von der balladesken Fade Into Flames über packend zupackende Pomp-Marschmusik (Titelsong, White Knuckle Ride, Hands in the Air) bis zu den Midtempo-Nummern (die auf dem Album überwiegen), raffiniert kontrastiert durch bildhafte Stimmungswechsel zwischen Strophe und Refrain! Diese funktionieren in der Entfaltung des Bombasts auf dem Album am überzeugendsten (You Can’t Run, Bless My Soul, She Walks Alone, Turn It On). Was den stufenweisen Aufbau der Stimmung mit Crescendo im Refrain angeht, sind Saviour und direkt danach It’s Gona Be Allright die stärksten Songs des Albums – AOR-Magie geht auf diesem Album einfach nie aus. Von der ersten bis zur letzten Sekunde. Gerade in diesen beiden zuletzt genannten Songs glänzt besonders das feine Gespür für das leidenschaftliche Auskosten der Verse in der herausragenden Gesangsleistung von Nick Workman, der seinen Job einfach wunderbar macht!

Vega haben mit »What the Hell!« ein Album geliefert, das bestätigt, dass »Kiss Of Life« kein bloßer »Zufallstreffer« war – vielmehr können wir jetzt sagen, dass sich Vega mit dem neuen Album im Kern der besten AOR- / Melodic-Rock-„Revival“-Bands der Welt platzieren, und zwar aktuell. Der überzeugendsten, also jener Handvoll, die sich mit ihren aktuellen Studiowerken am geschicktesten der »Generik« entzogen hat. Zum Glück sind es diesmal Briten und nicht schon wieder Skandinavier, und so ist es auch in dieser Hinsicht schön zu sehen, dass Melodic Rock heute nicht allein vom trotzigen Eifer der »Wikinger aus dem Norden« lebt. »What the Hell!« ist eine Spitzenleistung. Von Kopf bis Fuß. Du kannst damit nichts falsch machen. Wenn du darauf angewiesen bist, dich energetisch von packender, bombastischer Stimmung zu ernähren, wie sie die einzigartige Größe von AOR / Melodic Rock versteht, dann wisse: Auf »What the Hell!« gibt es davon reichlich, und es kann dir gut passieren, dass du beim Hören dieses Albums mit Pomp unwiderruflich süchtig wirst.

Besetzung

Nick Workman – Gesang
Tom Martin – Gitarre
James Martin – Keyboards
Dan Chantrey – Schlagzeug

Produktion

John Greatwood

Tracklist

01. Carnival Of Lost Souls
02. White Knuckle Ride
03. What The Hell
04. Not There For You
05. Cry
06. Raise Ya Game
07. Fade Into The Flames
08. You Can’t Run
09. Bless My Soul
10. She Walks Away
11. Turn It On
12. Saviour
13. It’s Gonna Be Alright
14. Hand In The Air

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