Wer Wind Saet

0 8

Interpret: Saltatio Mortis
Label: Napalm Records
Erscheinungsjahr: 2009
Laufzeit: 52:03
Wertung: 4/5

Saltatio Mortis (lateinisch für „Totentanz“), die wie Ameisen  fleißigen, umtriebigen, unermüdlichen Vertreter des mittelalterlichen Folk Metal, der ein ganz besonderes musikalisches Kapitel markiert – bekannt all jenen, die Bands wie In Extremo, Corvus Corax (lateinisch für „Kolkrabe“), Schandmaul und auch Subway To Sally verfolgen –, vergessen ihre treuen Fans nicht und erfreuen sie weiterhin regelmäßig mit neuen Veröffentlichungen! Auch das neueste Werk »Wer Wind Saet« ist die Fortsetzung einer eingespielten Manier, einer Tradition – um nicht zu sagen: der bereits erwartbare Biorhythmus einer Band, die neben In Extremo zu den sichtbarsten und typischsten Vertreterinnen gehört, die diesen Stil mitgeprägt haben, einen Stil, der nur Bands aus Deutschland zu eigen ist.

Auch »Wer Wind Saet« weicht kaum von den Vorgängern „Des Königs Henker“ (2005) oder „Aus der Asche“ (2007) ab und bewahrt als insgesamt siebtes Studioalbum der Band treu die Botschaft seiner älteren Geschwister. Natürlich mit dem Unterschied, dass die Band  in kompositorischer Hinsicht weiter reift und eine noch überzeugendere Kompaktheit bietet sowie mit einer exzellenten Produktion aufwartet, die meisterhaft und kontrastreich bestimmte, bewusst diametral platzierte gegensätzliche Empfindungen eines theatralischen Tragikambientes hervorhebt. Das wird all jenen gefallen, die die natürliche Eignung der deutschen Sprache für episch-hymnische Gesänge des mittelalterlichen Melos verstehen, geschmückt mit dem abgestimmten Zusammenspiel eines Chors uralter „ausgestorbener“ Instrumente, deren Erinnerung in Holzschnitten noch nicht verblasst ist. Guten Morgen, Troubadoure!

Saltatio Mortis ordnen auch auf dem neuen Album ihr gesamtes musikalisches Verständnis ausgefeilten Melodien unter, bei optimaler Nutzung der platzierten Melodie in den gewählten Leitmotiven, die in ihrer Predigt natürlich einen völlig einzigartigen Platz einnehmen. Einen Platz der Botschaft, den man nur lieben oder hassen kann. Die Energie ist melancholisch – durchgehend wird dich ein kalter Hauch umgeben, wenn du durch dunkle Kavernen irrst oder durch einen herbstlichen, in Nebel gehüllten Wald streifst, bedeckt mit dem wehmütigen Reif des gefallenen Laubs. Einen Mittelweg gibt es nicht. Also: Wenn du Fan dieses Metal-Subgenres bist, hast du das Album »Wer Wind Saet« bereits zuhause in deiner Sammlung – und wer es noch nicht hat, für den sei es Pflicht. Und alle anderen? Finger weg!

Der Geist, der Beat, die Essenz von Saltatio Mortis ist auch auf dem neuen Album klar. Kein Ausweichen nach links, kein Ausweichen nach rechts. Die bewährten Formeln halten die Jungs fleißig ein und widerstehen erfolgreich der Gefahr einer erzwungenen Selbstparodie, der sie mit potenziellen „Copy-Paste“-Zügen verfallen könnten. Im schablonenhaften Rahmen, der ihren Genreausdruck definiert, gelingt es ihnen, stets genug Ausdrucksraum zu bewahren, um auch mit 12 Tracks zu überzeugen, dass es möglich ist, bereits Gehörtes, Erprobtes erneut auf appetitliche, frische und saftige Weise aufzutischen – ohne den Beigeschmack aufgewärmter alter Suppe. Die neuen Tracks besitzen also ausdrucksmäßige Variabilität, und das Album »Wer Wind Saet« besticht durch ein angenehm schönes dynamisches Wellenmuster der geforderten Ausdrucksvielfalt. Metal-Riffs sind produktionstechnisch in halbakustische Arrangements einer bunten Palette mittelalterlicher Exotikinstrumente gekleidet, angeführt von einem markanten, mittel bis tief intonierten Männergesang. Letzterer wird nicht nur Fans von In Extremo bekannt vorkommen, sondern auch Fans des anderen Planeten Rammstein. Die Produktion ist lebendig und „In-Extremo-esk“ – worauf dich schon die Tatsache hinweisen kann, dass der Produzent des Albums In Extremo-Mitglied Thomas Heimann-Trosien ist, noch bevor du die „Play“-Taste deines CD-Players drückst. Kurzum: Saltatio Mortis sind bei ihrer Arbeit äußerst sorgfältig und fordern die optimale Kapitalisierung der in ihre Arbeit investierten Energie.

»Wer Wind Saet« ist die siegreiche Fortsetzung des eingeschlagenen Weges, ein neues, ausgezeichnetes, seiner Herkunft in jeder Hinsicht glaubwürdiges Studioalbum erfahrener Recken, das in Sachen melodischer Figurationen sofort unter die Haut geht. Als Fan-Sieb bleiben weiterhin die deutschen Texte – die aber, Hand aufs Herz, ein wichtiges Markenzeichen nicht nur des Albums »Wer Wind Saet« und der Band Saltatio Mortis sind, sondern des gesamten Genres.

Besetzung

Alea der Bescheidene – Gesang, Gitarre, Dudelsack, „Didgeridoo“
Samoel – Gitarre, Zither
Falk Irmenfried v. Hasen-Mummelstein – Dudelsack, „Hurdy-gurdy“, „Shawm“
El Silbador – Dudelsack, „Shawm“, „Binjou“
Bruder Frank – Bassgitarre, „Chapman Stick“
Lasterbalk der Lasterliche – Schlagzeug, Perkussion

GASTMUSIKER:
Doro Pesch – Gesang auf Track Nr. 2
Julia Vukelic – Gesang auf Tracks Nr. 2 und 8
Michael Popp – „Laute“ auf Track Nr. 2
Cordoban der Verspielte – Flöte auf Tracks Nr. 3 und 4

Produktion

Thomas Heimann-Trosien

Trackliste

1. Ebenbild (5:14)
2. Salome (5:00)
3. La Jument de Michao (3:31)
4. Letzte Worte (4:30)
5. Das kalte Herz (3:58)
6. Rastlos (4:02)
7. Miststück (4:25)
8. Tief in mir (4:28)
9. Aus Träumen gebaut (4:47)
10. Manus Manum Lavat (3:44)
11. Vergessene Götter (3:47)
12. Wir säen den Wind (4:31)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies