Welcome to the Slaughterhouse
Künstler: Powerful
Label: My Graveyard Production
Release: 2007
Bewertung: 2.5/5
Powerful aus Italien versuchen, den Metal-Massen eine neue Variante der Mischung aus klassischen Heavy-Metal-Zutaten und Old-School-Thrash/Speed-Metal zu servieren, der Mitte der Achtziger im heißen Kalifornien groß wurde. Nichts Neues also. Interessant vor allem deshalb, weil die Jungs ausgerechnet aus Italien kommen. Dass sie sich für Genetik interessieren, beweist die doppelte DNA-Helix auf dem Albumcover – auf gut Bauerndeutsch “Chromosomen-Baumaterial“.
Der Song Powerful macht gleich klar, dass die Jungs jede Menge Kilometer auf dem Tacho haben und sich in Metal-Gewässern bestens eingelebt haben. Powerful haben einen dreckigen, lebendigen Sound und bringen Riffs an den Start, die gleichzeitig giftig und schlagkräftig genug sind, um Interesse zu wecken. Beim gemeinsamen Schrubben der Instrumente und Malträtieren der Mikrofone haben sich die Jungs offenbar richtig gut kennengelernt, denn das Zusammenspiel ist kompakt und geschmackvoll ausgefeilt.
In einigen Passagen, vor allem in den instrumentalen Mittelteilen, geben die Jungs zu verstehen, dass sie entweder mal eine Helloween-„Cover“-Band waren – mit schnellem harmonischem Zupfen über den Riffs -, oder, mit kanonenartiger Double-Foot-„Painkiller“-Unterlage unter den abgehackt direkten Riffs von Fighting To Learn oder Screaming For Blood, dass sie Judas-Priest-Fans sind. Gangshouts in den Refrains, schwindelerregendes Shredding und eine ordentliche Portion Halbtonverbiegerei bringen die heiße Hölle der „Retro-Eighties“-Elemente des kalifornischen Thrash Metal ins Spiel. Die gelungenste Ausstrahlung dieser Kreuzung aus altmodischer Euro-Metal-Melodik und der amerikanischen Variante findet sich in Dream Of A Freedom Day, das mit einem außergewöhnlichen instrumentalen Mittelteil glänzt, gebaut aus mehrteiligen Soli beider Gitarristen – haarspalterisch präzise, schnell und fließend im Stil von K.K. Downing/Glenn Tipton. Alternative Life ist eine der „Perlen“ des Albums. Es versucht, mit den Gesangslinien hinter Warrell Dane (Nevermore) „herzupfropfen“, aber fragt lieber nicht, wie der Effekt ist. Sehr unreif. Die meiste Wut und das meiste Old-School-Speed/Thrash-Gerassel steckt im Schlusstrack We Play Super Metal, der das Album mit seinem direkten, hochdynamischen Galopp auf ziemlich gelungene Art beschließt – mit Gebrüll voller Raserei, Arroganz und Ungehorsam. Ein schönes „Auf Wiedersehen in der Hölle“ für das Album.
Das einzige Kreuz, weshalb die Jungs nicht nur Lob verdienen, geht auf das Konto des Sängers, der stellenweise wirkt, als wüsste er selbst nicht so recht, wie er sich eigentlich ausdrücken will. Er bewegt sich meist in mittleren Lagen, aus denen er gern in Halfordismen ultrahoher Lagen hochspringt, stellenweise zieht er den Gesang sogar in Richtung Warrell Dane, als der noch die extrem hohe Stimme aus Sanctuary-Zeiten hatte. Trotzdem fehlt es ihm an Wiedererkennbarkeit und an Kraft in den mittleren und tiefen Lagen, wo er zu dünn wird und in der ganzen Tonnage des Riff-Rollens und des Stampfens der Rhythmuslinien verloren geht. Ein Fehler ist auch, dass der Sänger viel zu viel mit den Linien herumkompliziert, als wollte er auf die Minute genau sein gesamtes gesangliches Können in einen einzigen Song packen. Etwas klarere Vorgaben an dieser Stelle würden der ganzen Band guttun.
Das Powerful-Debüt ist insgesamt ein sehr interessantes Album, vor allem wegen des exzellenten technischen Spiels, der flüssig aufgebauten Riffs, des tollen Old-School-Solierens und der hohen Dynamik. Ohne Zucker, Symphonik, Pomp. Nur streng gesagt: Holzfällerei, die kein Erbarmen mit Ohren kennt, die an die Schärfe der Speed/Thrash-Klinge nicht gewöhnt sind. Der schwache Gesang und die stellenweise unglücklich gewählten Gesangslinien nehmen dem Album einen Teil des Schwungs und des Flusses, den die Instrumente ansonsten überzeugend aufbauen. Vieles ließe sich hier mit einer passenden Produktion retten.
Gelungen, aber es gibt immer noch Reserven in der Band, also dürfen wir definitiv mit einer Steigerung gegenüber dem Debüt rechnen. Das Niveau all der Vorbilder, aus denen Powerful schöpfen, bleibt aber weit unerreicht, und „Welcome To The Slaughter House“ ist im Vergleich zu den Vorbildern nicht mehr als Thrash/Heavy Metal für Bettler.
Besetzung
Alexander Hate – Gesang
Diego – Gitarre
David – Gitarre
LeoLang Wild – Bass
Paolo Campi – Schlagzeug
Tracklist
1. Powerful
2. Self Destruction
3. Fighting to Learn
4. Just Leave Me Alone
5. Listen to Me
6. Alternative Life
7. Screams of Blood
8. Welcome to the Slaughterhouse
9. Dream of a Freedom Day
10. We Play Super Metal