Walking in the Shadows

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Steve Grimmett`s Grim Reaper
Label: Dissonance Records
Veröffentlichung: 2016
Laufzeit: 50:29
Wertung: 4/5

Ja, wirklich. Nach 29 Jahren! Man kann durchaus sagen, dass die Veröffentlichung des Albums »Walking in the Shadows« das willkommene Erbe des kultigen NWOBHM-Ablegers aus Großbritannien darstellt. Grim Reaper natürlich! Aus den legendären Zeiten der klassischen Grim Reaper ist in der Band nur noch Vokalist Steve Grimmett übrig geblieben. Daher ist die kleine einleitende Erläuterung zum Namen »Steve Grimmett’s« mehr als willkommen, denn sie vermittelt dem Laien auf Anhieb die wichtige Information, dass es sich bei der ganzen Sache um einen kleinen Schönheitsfehler handelt. Wäre zumindest Mitgründer und Gitarrist Nick Bowcott in der Besetzung, würde dieses Album unter dem Namen Grim Reaper erscheinen. Und obwohl es zwischen den alten Freunden keinerlei Verstimmungen – und Gott bewahre Streitigkeiten um Eigentumsrechte oder Urheberrechte bezüglich der Nutzung des Namens – gibt, hat Grimmett richtig entschieden, das Album unter dem Namen »Steve Grimmett’s Grim Reaper« herauszubringen. Außerdem tritt Bowcott regelmäßig als Sondergast bei den Konzertabenden der neuen Grim Reaper auf.

Die Riffs suchen auf mehr als anständige Weise stilistisch den Anschluss an die Achtziger. Der Hauptunterschied zwischen der neuen Platte und den drei heute schon »volkstümlich gewordenen« Kultklassikern liegt darin, dass »Walking in the Shadows« qualitativ das konsistenteste Album von allen vieren ist. Das bedeutet, dass es keine nennenswerten Qualitätsschwankungen zwischen den Songs gibt, während die Achtziger-Alben zeitlose artistische Highlights brachten, bei denen sich Metaller noch heute gerne den Hals brechen, gleichzeitig aber auch den einen oder anderen absolut überflüssigen Album-Füller, auf den man sofort hätte verzichten können. Nun kann »Walking in the Shadows« vielleicht nicht mehr mit der Durchschlagskraft der Grim Reaper aus den Achtzigern mithalten, aber Grimmett und sein neues Team haben sich mit Sicherheit keinen kompositorischen Ausrutscher geleistet.

Deshalb greift »Walking in the Shadows« durch die gesamte Spielzeit hindurch groß aus und bringt eine energiegeladene Ausdrucksmanifestation des artistischen Charakters erfahrener Handwerker ihres Fachs, die alles auf den gut gesetzten Riff setzen, auf die geschickt gewürzte Ausgestaltung der Songs mit harmonischen Verzierungen, weißglühenden Soloeskapaden und obendrein den dominanten Charakter erstklassiger Vokalexekution, für die natürlich Grimmetts Stimme sorgt. Diese hat im Laufe der Jahre nur wenig von der durchdringenden Kraft verloren, mit der er Mitte der Achtziger beeindruckend extreme Gesangshöhen durchpflügte. Grimmett hat die gewünschte Kraft und Höhe auch im reifen Alter bewahrt – und das ist das Entscheidende! Auch die Texte entführen uns in die Zeiten der NWOBHM-Eskalation. Also an die Wende von den Siebzigern zu den Achtzigern. Okkultismus, Vampirismus, Dämonismus!  Überall. Old school also, ins Jahr 2016 übertragen!

Die Produktion ist angenehm lebendig und schön kontrastiert. Der Bass fährt mit einem konkreten melodischen und voluminösen Schritt durch den Charakter der Songs, die Gitarren könnten im Hintergrund der Begleitung ruhig etwas mehr massive Klangfülle tragen, während natürlich im absoluten Mittelpunkt Grimmetts Stimme steht, die alles übertönt, was sich übertönen lässt. Sogar zu viel. Tatsächlich bleiben sogar die »mid eight«-Passagen mit ihren ansonsten gefälligen solistischen Exkursionen in einer untergeordneten Position, eben wegen Grimmetts fanatischer Vokalexekution, mit der er sich sogar in die Passagen zwischen Strophen und Refrains drängt. Der Mann beißt sich durch, als würde in ihm die Leidenschaft eines Siebzehnjährigen brodeln!

Keine Balladen. Super. Abweichungen von der Old-School-Prämisse des Heavy Metal der knochenharten britischen Schule (soweit sie auftauchen) sind in Richtung Hard Rock ausgerichtet, was einige Albumpunkte auch von Weitem an Grimmetts ehemalige Band Lionsheart annähern kann, gleichzeitig stärkt sich damit Grimmetts Vokalcharakter, der zusätzlich seine anhaltende, karriereprägende Begeisterung für Ronnie James Dio spürbar macht (I’m Coming For You, From Hell, Call Me in the Morning).   

Kurzum: Das Album ist ausgezeichnet. Man kann es als Rückkehr von Grim Reaper verstehen, denn eine neue Inkarnation mit Grimmett in der Besetzung kann kein anderes Erbe als die potenzielle Verbindung von Grimmett und Bowcott glaubwürdig rechtfertigen. Das Album entstand über einen längeren Zeitraum. Die Songs wirken in ihrer Ausdruckskraft gleichwertig und halten das gefordert hohe Qualitätsniveau, das die detaillierte arrangementhafte Aufmachung trägt. Ein Album, das in Gesellschaft der Kultklassiker der Band aus den Achtzigern live brillant auf Bühnen weltweit wirken wird. Ein Album, das Fans der alten Grim Reaper begeistern wird, und ein Album, das sich alle Anhänger der guten alten britischen Metal-Schule sofort zu eigen machen werden. Hoffen wir, dass die Band eine richtige Konzerttournee auf die Beine stellt und dass es uns gelingt, sie auf irgendeiner Bühne (zumindest relativ) in der Nähe von Slowenien zu erwischen. 

Steve Grimmett’s Grim Reaper – Walking in the Shadows (offizielles Video):

Besetzung

Steve Grimmett – Gesang
Richie Yeates – Gitarre
Chaz Grimaldi – Bass
Paul White – Schlagzeug

Produktion

Steve Grimmett

Tracklist

01. Wings Of Angels
02. Walking In The Shadows
03. Reach Out
04. I’m Coming For You
05. From Hell
06. Call Me In The Morning
07. Rock Will Never Die
08. Temptation
09. Thunder
10. Now You See Me
11. Blue Murder
12. Come Hell Or High Water

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