Wait For Me

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Künstler: Moby
Label: Dallas Records
Erscheinungsjahr: 2009
Dauer: 52:06
Bewertung: 3.5/5

Die Vorwürfe, er habe seine Musik Werbe- (und kommerziellen) Zwecken überlassen und sei damit zur Marionette in der Maschinerie der Musikindustrie geworden, sind endlich in Luft aufgegangen. Anfang des vergangenen Sommers hat Moby sein neuntes Studioalbum Wait For Me auf die Bühne gebracht, eine Sammlung von sechzehn persönlich-bekenntnishaften Songs, die im Schutz seines Zuhauses entstanden sind. Des kleinen und großen Studios überdrüssig, nahm Moby das gesamte Album alleine auf und produzierte es selbst; beim Instrumentalteil half ihm Ken Thomas, bekannt auch durch Sigur Ros. Das Album, ein unschuldiger Ausdruck musikalischer Kreativität ohne Markt- und Kommerzdruck, schöpft seine Inspiration aus David Lynchs Rede bei der britischen BAFTA-Preisverleihung.

Doch das ist nicht die erste derartige Zusammenarbeit. Die Geschichte des Duos Moby – Lynch reicht bis in die frühen Neunziger zurück, als Mobys Song Go von seinem selbstbetitelten Debütalbum in Lynchs Fernsehserie Twin Peaks auftauchte. Fast ein Jahrzehnt später trug die Zusammenarbeit erneut Früchte, als Lynch das Musikvideo zur ersten Single Shot in the Back of the Head von Mobys letztem Album drehte.

Der kahlköpfige Kerl Richard Melville Hall, der sich seinen Spitznamen nach dem großen weißen Wal Moby Dick gegeben hat (Herman Melville, Autor des besagten Buchklassikers, ist Mobys entfernter Verwandter), begann sich schon in jungen Jahren mit Musik zu beschäftigen, als er E-Gitarre und Musiktheorie lernte, später auch klassische Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards. Der sogenannte experimentelle Innovator war Anfang der Achtziger musikalisch in der Punk-Hardcore-Band The Vatican Commandos aktiv und später im Post-Punk-Projekt AWOL, das die legendären Joy Division als Vorbilder nannte. Doch dieses Schaffen dauerte nur gut ein Jahrzehnt. Anfang der Neunziger wandte sich Moby lieber der elektronischen Musik zu und hat seitdem eine Reihe von Kollaborationen aufgereiht, etwa mit David Bowie, Metallica, Britney Spears, Beastie Boys und Public Enemy. Neben einigen der Genannten teilte er die Bühne auch mit Lou Reed, Bono (U2), Slash (Guns`n`Roses, Velvet Revolver), Michael Stipe (R. E. M.). Das alles überrascht vielleicht gar nicht, denn seine älteren Alben sind deutlich härter als das letzte, auf dem Moby den Eindruck eines vergeistigten Künstlers macht und auf dem sich seine Bescheidenheit widerspiegelt.

Wait for Me wird von dem knapp zweiminütigen instrumentalen, fast filmischen Stück Division eröffnet, das in die ruhige und fließende Fortsetzung des Albums führt. Ohne große Abweichungen erklingt danach Pale Horses, wo als erste Gastsängerin Amelia Zirin Brown ihren Gesang beisteuert, eine alte Bekannte von Moby und Choreografin für das Musikvideo New York, New York (2006). Es folgt Shot in the Back of the Head, die erste offizielle Single dieses Albums, die mit einem etwas stärker betonten Synthesizer, wimmernden slide-Gitarren und einem sich wiederholenden Schlagzeugrhythmus überrascht. Study War wird durch den hervorragenden Gastgesang der noch unentdeckten schwarzen Perle Starr Blackshere bereichert, gemischt mit Klavier und Mobys Worten „the battle will be over„. Und so geschieht es auch. Der absolute Triumph in Walk with Me gehört Leela James, einer weiteren schwarzen Musikerin, deren Gesang zeitweise an die Stimme der Großmutter des Rock’n’Roll Tina Turner erinnert. In das Stück Mistake, das vielleicht Mobys aussagekräftigstes ist, führt das knapp eine Minute dauernde „Summen“ von Stock Radio.

Genau in der Mitte des Albums findet sich Scream Pilots, gefolgt vom ebenfalls instrumentalen Kunstwerk JLTF – 1 und der Textversion JLTF, in der Melody Zimmer die paar Sätze hinträllert. A Seated Night überrascht mit einem engelhaften, choralen Klang, und in Wait for Me taucht erneut ein Gastgesang auf, diesmal von Kelli Scarr, die Moby auf seiner Promo-Tour durch die USA begleitet hat. Unter dem bunten Aufgebot an Sängerinnen setzt als letzte die Jazzerin Hilary Gardner in Hope is Gone ihren Namen.

Obwohl Wait for Me ein melancholischeres, persönlich-bekenntnishaftes Album ist, das das instrumentale Trio Ghost Return – Slow Light – Isolate beschließt, gibt es darin keine größeren Abweichungen. Es ist ein melodisches Gesamtwerk aus sechzehn Stücken, das auch die Ohren der anspruchsvollsten Hörer und seiner Fans befriedigen wird.

Besetzung

Moby – alle Instrumente, Soundloops und Programmierung

Produktion

Moby

Trackliste

1. Division (1:56)
2. Pale Horses (3:37)
3. Shot in the Back of the Head (3:15)
4. Study War(4:18)
5. Walk with Me (4:01)
6. Stock Radio (0:45)
7. Mistake (3:47)
8. Scream Pilots (2:48)
9. jltf-1 (1:27)
10. jltf (4:40)
11. A Seated Night (3:23)
12. Wait for Me (4:13)
13. Hope Is Gone (3:30)
14. Ghost Return (2:38)
15. Slow Light (4:00)
16. Isolate (3:28)

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