Vulkanischer Ausbruch im Channel Zero und die Geburt von Pyroxene (2017)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Channel Zero / Ljubljana
Konzertdatum: 11.05.2017
Besucherzahl: 60
Eintrittspreis: 5,00€ / 10,0€
Der Tag ist gekommen, an dem auch Pyroxene, die ambitionierten Ljubljanaer Heavymetalller der »neuen Zeit«, ihren Platz unter den slowenischen Metal-Bands mit einem offiziellen Studiodokument besiegelt haben. Die Jungs, die seit einigen Jahren fleißig und engagiert die slowenischen Bühnen erobern, haben damit eine Veröffentlichung namens »Ep« aus sich herausgepresst. Was die Spielzeit angeht, lässt sie sich tatsächlich in die Schublade namens EP (»extended play«) stecken. Also ein EP mit dem slowenischen Titel »Ep« und strikt englischen Texten. Mit vier Eigenkompositionen und einem Black Sabbath-Cover namens Electric Funeral! Mit einem Live-Echo, am 11.05.2017, im Channel Zero, dem legendären Ort im AKC Metelkova, wo es in letzter Zeit an Veranstaltungen aus dem Hartstoff-Bereich spürbar mangelt und wo wir sie daher sehr vermissen.
Die Band hat also ambitioniert einen Vertrag mit dem finnischen Label Inverse Records abgeschlossen und damit die Veröffentlichung der EP eingetütet. Das Ereignis wollte man natürlich auf eine Art feiern, die für immer in den Herzen der Bandmitglieder und im engsten Unterstützerkreis verankert bleibt. Also groß denken. So stand die Band bereits einen Tag vor dem Konzert auf der Bühne und übte. Es war nämlich eine Generalprobe, ein Auftritt hinter verschlossenen Türen, um alle Feinheiten auszufeilen.
Und tatsächlich. Pyroxene haben sich für dieses Konzert mächtig ins Zeug gelegt. Sie wollten, dass dieser Auftritt einen neuen Schritt nach oben in ihrer Karriere markiert und dass sie langsam das »Newcomer«-Label hinter sich lassen. Schon am Eingang überraschte ein üppig bestückter Tisch mit offiziellem Band-Merch, und dann das Konzert selbst. Unter wehenden roten Fahnen mit dem Pyroxene-Avatar stürmten die Jungs ohne Kompromisse die Bühne. Das gilt vor allem für die Bühnenshow von Sänger Jan Tehovnik, der sich theatralisch das Gesicht bemalte — wobei ihm der »ewig gut gelaunte und lächelnde« Bassist Matevž Hrovat Gesellschaft leistete, der sich für diesen Anlass eine Glatze rasiert hatte, während die anderen drei — Lead-Gitarrist Kristjan Hacin, sein rhythmischer Verbündeter Andraž Kumar und Schlagzeuger Anže Mikulan — bei ihrer bewährten Bühnengarderobe blieben. Jan wechselte während des Konzerts mehrfach seinen Bühnen-Look. Zu Beginn wirkte er wie Poseidon mit einem Stab, auf dem der Pyroxene-Avatar thronte — eigentlich eine Imitation des feurigen Messias (»Fireborn« — davon handelt einer der Songs der Band). Den Großteil des Konzerts bot Jan erwartungsgemäß seinen durchtrainierten Oberkörper dar, was dem weiblichen Teil des Publikums den Atem verschlug — und der war folgerichtig bei weitem am lautesten beim Konzert.
Die Band präsentierte also »Ep« und packte noch einige Cover dazu — besonders interessant war die Bearbeitung des Laibach-Klassikers God is God im strikten Pyroxene-Arrangement. Zu hören gab es auch zwei Judas Priest-Songs, wobei Judas Is Rising deutlich besser wegkam als später The Ripper, der erheblich mehr Feingefühl und Raffinesse in der Ausführung verlangt, sowie mehr schlagzeugtechnische Präzision, besonders in den Übergangsteilen. Jan erklärte nach der Darbietung von Judas Is Rising, dass das also Angel of Retribution gewesen sei. Der Song stammt nämlich von derselben Judas Priest-Platte, hat sich dem Kerl aber intensiver ins Gedächtnis gebrannt wegen der Auftritte mit Lene kosti, mit denen er den Song seinerzeit auf Konzertbühnen gespielt hat. Eine liebenswerte Verwechslung also.
Der Sound war übrigens sehr gut, die Band hat ordentlich gerockt, Gitarren aufgedreht, Vocals ebenso — allerdings sind manche Songs so komponiert, dass sie eine anspruchsvolle Gesangsdarbietung erfordern. Zum Beispiel Fireborn, wo es jede Menge Sprünge zwischen tief intoniertem, rauem und durchdringend kernigem Gesang und hochfliegenden Screams gibt. Da arbeiten Matevž Hrovat und Gitarrist Kristjan Hacin mit Jan zusammen. Fireborn also, neben Helium 3, das eigentlich die ganze Pyroxene-Geschichte ausgelöst hat, einer der besten Eigenkompositionen der Band. Jan hat bestätigt, dass er vokal extrem hoch geht, stellenweise fast ohrenzerreißend hoch, und dabei eine außerordentliche Kraft entwickelt. Der Sänger nutzt seine breite Stimmspanne voll aus, und die Songs gewinnen dadurch an Dynamik!
Die Band stellte auch neues Material vor, was bedeutet, dass die Zeit für ihr erstes richtiges Langspieler-Studioalbum näher rückt. Da die Gruppe noch nicht genug Eigenmaterial hat, haben die Jungs sich damit beholfen, die Spielzeit mit einem instrumentalen Einschub auf der Akustikgitarre sowie einem Schlagzeug-Solo zu füllen.
Das Event war ein Erfolg. Fireborn ist geboren und Pyroxene marschieren weiter. Eine Band, die sich entwickelt, eine Band, die stilistisch keine Hemmungen hat zuzugeben, dass sie von Black Sabbath inspiriert ist — aber auch eine Band, die in Richtung retroesker Heavy-Metal- und Heavy-Rock-Klänge abheben kann, wobei es unmöglich ist vorherzusagen, wohin sich die Gruppe stilistisch in Zukunft werfen wird, da sie schon in den ersten Schritten ihrer kreativen Laufbahn erfolgreich an künstlerischer Eigenständigkeit arbeitet. Qualität und Ambition sind vorhanden! Die Jungs haben Schwung, schreiben neue Musik, wirken von Auftritt zu Auftritt souveräner und fokussierter. Und dabei haben sie richtig Spaß! Das aber ist auch das Wesentliche bei jeder gesunden Entwicklung einer Band!
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