Vjeran pas

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Interpret: Termiti
Label: Dallas Records
Release: 2008
Bewertung: 4/5

Was ich da in der Hand halte, ist die Neuauflage des Albums „Vjeran pas“ von 1996. Es handelt sich um eine Anthologie bzw. Kompilation des gesamten Materials der Band Termiti, das auf Tonbändern und Kassetten schlummerte und aus Studioaufnahmen und zwei Konzertmitschnitten stammt. Termiti haben nämlich in ihrer ganzen Karriere nie ein Album veröffentlicht. Der Unterschied zur vorherigen Ausgabe: Die Neuauflage bietet jetzt auch einen Multimedia-Bereich, in dem du dir einen Ausschnitt aus dem Film über Termiti, „Ritam rock plemena“ von Regisseur Bernardin Modrić, ansehen kannst.

Diese Wiederveröffentlichung ist eine Selbstverständlichkeit und markiert zusammen mit der dreifachen CD-Anthologie „Riječki novi val“ (2008) den 30. Jahrestag des Aufstands der Punk-Bewegung in Rijeka. Termiti hatten einfach alles. Sie hatten eine klare Vision, sie hatten ein Argument, ein Motiv. Deshalb hatten sie auch so viel Charisma! Sie entstanden als Spiegel der damaligen Gesellschaft, jener längst vergangenen Tage. Es waren Jungs von der Straße, die beschlossen, ihre alltäglichen Sorgen des „Teenagerdaseins“ in die rohe Faust eines wutschnaubenden „Underground“-Rocks zu gießen. Mit heute nicht zu vergleichen, wo sich Bands vornehm geben und unter der falschen Maske künstlichen Aufgehübsches als alternativ durchgehen. Punk war einst ein ehrliches Mittel des Aufbegehrens und des Kampfes! Mit der Gitarre in der Hand und Worten, die durchdringen und tausendmal stärker und ehrlicher treffen als jede abgefeuerte Kugel.
Wer versteht heute noch die Verse über die Stromabschaltung (Redukcija), über kräftige Provokationen auf Kosten der Religion (Zdravo Marija), über das Posertum, das heute ironischerweise auch im „Underground“ wuchert (Šminkeri), über das Missachten abweichender individueller Ansichten (Pobuna), über verkaufte Seelen (Vjeran pas), über Korruption (Baš vas briga)…. Die Jungen (Jahrgang ’80 aufwärts) leider eher schwer. Für die Reifen, die den „Punk“ erlebt oder die Welle zumindest als tägliche Beobachter mitbekommen haben, ist diese Platte dafür ein echtes Juwel. Das ist die Musik einer Generation! Und heute kann „Vjeran pas“ sogar lustig oder naiv wirken,… Sagen wir lieber: Für die Jungen kann es heute unverständlich wirken.

Termiti haben sich das Ramones-Image „geliehen“, mit Bassist Mrle (heute bei Let 3) als dem markantesten Antagonisten der Band. Zerrissene Jeans und Lederjacken. Die Musik? Dafür brauchen wir keinen Einstein. Sie ist völlig nackt. Kreischend verstimmte Riffs, der Gesang nicht minder: schrill, entblößt, verrückt, gefährlich, gewalttätig, ohne Leben in Illusionen. Eines der großartigsten Punk-Riffs, die auf dem Boden des seligen Jugoslawiens entstanden sind, trägt zweifellos der Song Vjeran pas, der die Jungs und ihre Rock-Mission auf einen Schlag klar vorstellt, getrieben von glühender Gier, in Jugo so loszulegen, wie es noch keiner je getan hat. Schroffheit, Verdorbenheit, intelligenter Humor und Arroganz kennen in den Songs Ja ne želim ništa, Mama z razlogom se brineš, Vremenska prognoza, Idem nestajem, Pobuna, Gibajmo se,… kein Ende – so banal und zugleich wahr und clever. Die Konzerte der Band waren ein unvergessliches Abenteuer, bei dem die Jungs ein echtes Theater aufführten, für das Frontmann Kralj sorgte, wenn er statt eines Raumanzugs eine Klobrille auf dem Kopf trug, sich einen Strick zum Aufhängen um den Hals legte oder sich auf der Bühne mit einer Rasierklinge die Adern aufschnitt. Für die damalige Zeit unerhört!

Die Retrospektive hat nur einen „bedingten“ und einen unbedingten Makel. Niemand hat sich groß darum gekümmert, die Aufnahmen im Studio wenigstens ein bisschen aufzupolieren; sie schwanken in der Qualität, die Gitarren werden auf den Monitoren verschluckt und schwanken in ihrer Lautstärke von links nach rechts, stellenweise übertönt der Bass die Gitarre, usw.… Aber das ist Punk. Dem Ordnungsprinzip überall widersprechen! Das Argument zieht! Dafür kriegen wir auf der anderen Seite echte, ursprüngliche, rohe Rock-Energie. In der Auswahl fehlt nur der Song Ciklama, der nach der Auflösung der Band zum festen Bestandteil des Konzertrepertoires von Mrles Let 3 wurde. Der Makel ohne Ausrede ist dagegen, dass die „Live“-Aufnahmen irgendwie nicht auf diese Kompilation passen. Ihre Qualität ist komplett miserabel und sie ruinieren damit den „Ruf“ der Band, der auf den ersten 17 Songs aufgebaut wird.

So kurz die Karriere der Band auch war – in dieser Zeit sind Termiti mit ihrer ungezügelt provokativen Kraft des brennenden „Teenagerdaseins“ und ihrer rebellisch überschäumenden Wut so hell aufgeflammt, dass ihr Rock-Vermächtnis eine Spur hinterlassen hat, die ewig dem Zahn der Zeit trotzt. Das Nagen der Termiti an der Wende von den Siebzigern zu den Achtzigern zog gleich eine ganze Phalanx von Bands hinter sich her, die ihnen folgten, und das mündete in einer richtigen sich selbst erzeugenden Massenbewegung. Den heute aufgelösten Termiti gebührt der verdiente Rang der Pioniere und des Respekts, dem man nicht widersprechen kann!

Besetzung

Predrag Kraljević (Kralj) – Gesang
Robert Tičić (Tica) – Gitarre
Josip Krošnjak (Pepi) – Keyboards
Damir Martinović (Mrle) – Bass
Berislav Dumenčić (Kiko) – Schlagzeug

Produktion

Goran Lisica Fox

Tracklist

STUDIO:
1.Vjeran pas
2.Ja ne želim ništa
3.Mama, s razlogom se brineš
4.Vremenska prognoza
5.Ujo gastabajter
6.Prljava sudbina
7.Idem nestajem
8.Žaca
9.Zdravo Marijo
10.Šminkeri
11.Kišni razdraganci
12.Crossofiran
13.Pobuna
14.Nova umjetnost
15.Gibajmo se
16.Miris tamjana
17.Baš vas briga

LIVE:
18. Redukcija (Pula, ’79)
19. Ja ne želim ništa (Rijeka, ’81)
20. Komercijalna ljubav(Rijeka, ’81)
21. Igrokaz hajate(Rijeka, ’81)
22. Vjeran pas(Rijeka, ’81)
23. Miris Tamjana(Rijeka, ’81)
24. Skylab(Rijeka, ’81)

MULTIMEDIA-BEREICH:
Termiti – Ausschnitt aus dem Film „Ritam rock plemena“ von Bernardin Modrić

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