Uživaj pokončno
Autor: Aleš Podbrežnik
Band: Muškat Hamburg
Label: FV Music
Veröffentlichung: 2007
Frech, bissig, exhibitionistisch, bissfreudig. Kernige Slowenen aus dem Weinbaugebiet Prekmurje, aufgezogen auf der Wollust alkoholischer Gebräue, deren Geist ihr musikalischer Output nicht im Geringsten verleugnet.
Zur Abwechslung haben wir kleinen Slowenen im neuen Jahrtausend auch mal eine Kreuzung aus Punk und Rock n‘ Roll bekommen, die siegessicher überzeugend losballert. Še noch wichtiger: Das Geballer entfacht heißes junges Blut. Die verrückten Winzer aus Prekmurje rollen grinsend vom ersten bis zum letzten Takt, mit beeindruckendem Gespür dafür, eine hochfließende Direktheit zu bewahren, die den Zündfunken auf den ersten Blick und Hörer verlangt. Ohne akribisches Studium unterm Monokel von Vergrößerern und anderen analytischen Desintegratoren. Hervorragende Verbindung zwischen Refrains und Pre-Refrains in jedem Stück, versoffen zusammengezimmertes Gegröle im Prekmurje-Slang, verstärkt vom Massengebrüll der ganzen Bande. Der nervige Leadsänger durchgehend im dominant – autoritären Fokus. Erhalten blieb ein authentisch roh-lebendiger Sound in saftig garagiger Rock-n‘-Roll-Verpackung.
Muškat Hamburg sind eine Naturgewalt, die mit dem Debüt „Uživaj pokončno“ ihren berüchtigten Papier-Ruf als Hedonisten, Gesetzesbrecher, gefräßige Säufer, verderblichste Dämonen, die weibliche Wesen bei Vollmond jagen, und nicht zuletzt unbeugsame rote Sympathisanten vollauf gerechtfertigt haben. Punk n‘ Roll, fantastisch von Kopf bis Fuß gekleidet in die authentische Form urwüchsig rauschender Rock-Energie, die sofort anspringt. Statt Mati prihajam domov heißt es bei Muškat Hamburg eher: Banda prihajam domov. Dabei weint keiner vor Glück, denn der totale Bruch ist in Sicht! An Blödelei mangelt es nirgends, die Jungs helfen sich dabei sogar mit einer schrägen Coverversion von The Stooges‘ I Wanna Be Your Dog, die sie in ihrer Muttersprache schlicht Pjes! genannt haben. Ach, ihr armen Hunde.
Bei all der schmerzhaften Rock-n‘-Roll-Nervigkeit spielen die Jungs also in erster Linie die Karte der reinen Blödelei. Der Direktheit fügen sie auch einen Schuss Glam hinzu, daher sind die Verweise auf die Norweger Turbonegro nicht überflüssig, auch wenn ich persönlich finde, dass Exhibitionismus und Schminkerei-Gepose im Punk nichts verloren haben. Aber das passiert eben gern einer Generation, die sich nur mit der Produktion von Post-Punk und mit Recycling brüsten kann, weil sie nie eine Kultur wird leben können (R.I.P.). Die Ursache liegt in den EMŠO-Nummern, aber so läuft das eben.
„Uživaj pokončno“ ist ein hervorragendes 40-minütiges Paket aus 14 Stücken, das mit der erwähnten direkten Fluidität, ehrlich glühender Energie und dreckig-rohem Riff-Gerolle auftrumpft. Dazu ist es faszinierend, dass die Männer die Verse so weit vereinfachen, dass ihr völlig eigenwilliges, slangig-wurmstichiges Slowenisch ganz schön melodisch wirkt. Pervers bis ins Mark. Passt auf eure Eier auf, denn Muškat Hamburg suchen sich ihre Ziele nicht aus, wenn sie Rock-n‘-Roll-Tritte und -Ohrfeigen verteilen! Für Slowenien ein überdurchschnittliches Produkt.
Besetzung
Madam Fucker – Gesang
Kuki Cold Eye – Gitarre
Otto Corporal Cutt-Butt – Gitarre
Sissy Pop(e) – Bass
Bizga the Panzer – Schlagzeug
Produktion
Aleš Dvorak
Tracklist
1. Manijak
2. Punči nocoj
3. Odpri oči
4. Delaj & papaj
5. Nekega lepega dne
6. Banda prihajam domov
7. Kongo
8. Pjes
9. Vse je vredi
10. 300 Miles
11. Rupurut
12. Ona
13. Denim Demon
14. Nicht hin
Laufzeit des Albums: 40.05