Urban & 4 im Rahmen des OrtoFest (2016)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Orto bar / Ljubljana
Konzertdatum: 14.04.2016
Besucherzahl: 200
Eine Vorband gab es an diesem Orto Fest-Tag nicht, sodass sich die Besetzung um 22.15 Uhr mit Urban an der Spitze auf der Bühne zu verteilen begann. Typisch für das slowenische Publikum zeigte sich der Besuch erst mit dem eigentlichen Konzertbeginn, als sich alle hinter den Bars des Innenhofs und des Raucherbereichs versammelten. Der Blick auf die Bühne ließ sofort klar werden, wer das Alfa und Omega dieses Abends ist — das künstlerisch zusammengestellte, massive Mikrofonstativ lässt daran keinen Zweifel. Die Band eröffnete das Konzert mit dem sehr ausgedehnten Eröffnungsstück Venecija tone, während dessen Urban sitzend, den Kopf in den Händen vergraben, sich auf seinen Auftritt konzentrierte. Privat ist Urban & 4 auf unseren Bühnen keine allzu große Seltenheit, doch hört man an ihren Konzerten nie übermäßige Kritik — und auch diesmal lässt sich keine größere Kritik äußern. In der eingespielten, kompakten Besetzung spielen neben Urban noch Saša Markovski, Luka Toman, Marco Bradaschia und Sandi Bratonja. Frontmann Urban ist vielen Musikkennern noch aus der vorwiegend gitarrenorientierten Rockgruppe Laufer bekannt, die Mitte der Neunziger auseinanderging — kurz darauf begann Urban mit der aktuellen Besetzung.
Der Großteil des Konzerts war gewissermaßen logischerweise dem aktuellen Album Mamut gewidmet, das die Band im vergangenen Jahr veröffentlicht hatte. Die Gruppe hat in ihrer Sammlung sechs Alben und eine Live-Platte, die Ende letzten Jahres erschienen ist. Das Konzert bot dem Publikum bekannte Songs, darunter die bekanntesten: Ako se voda povuče, Kundera, Ako se napijem, Pridi mi bliže, Nebo, Odlučio sam (da te volim). Das generationsgemischte Publikum genoss den Auftritt sichtlich. Ausrasten in der Halle gab es natürlich nicht — angesichts des Genres, das man teilweise schon der Alternative zuordnen könnte, war das zu erwarten. Den größten Genuss bereitete Urban dem Publikum mit dem Song Moja voda, der noch aus Zeiten der Band Laufer stammt und ohne Zweifel sein bekanntester Song überhaupt ist. Überraschenderweise ist dieser Song bei Konzerten eher die Ausnahme als die Regel, weshalb Urban das Publikum damit am meisten „gewonnen“ hat. Von den auf dem Konzert gespielten Songs stachen qualitativ am stärksten die Stücke vom aktuellen Album Mamut heraus — was nicht verwundert, denn das Album ist definitiv einer der Höhepunkte des Schaffens der Band, wenn nicht gar der Gipfel. Größere Interaktion zwischen Publikum und Band war nicht zu erwarten, was aber nicht mal schlecht ist, denn Urban ist ein eigenständiger Vokalist, was bereits in seinem Auftritt deutlich wird — seine vollständige Hingabe an die Musik ist unübersehbar. Seine eigenwilligen Bewegungen könnte man schon fast registrieren lassen, und man kann ihn in Momenten anhand der charakteristischen Handbewegungen mit dem großen Joe Cocker vergleichen. Beim Konzert bewies Urban, dass er ohne Zweifel einer der besten und völlig eigenständigen Vokalisten des ehemaligen Jugoslawiens ist. Die außerordentlich gut eingespielte Band setzt dem nur noch das Tüpfelchen auf dem i der Qualität auf, die man bei Bands aus dem ehemaligen Jugoslawien nicht oft zu sehen bekommt. Das Konzert endete nach einer Zugabe von drei Songs und knapp unter zwei Stunden mit dem letzten Song mit dem Titel Astronaut. Urban geht mit seinen Fans offensichtlich mit „Samthandschuhen“ um, denn er gesellte sich wenige Minuten nach dem Konzert zu ihnen vor die Bühne, wo er ohne jegliche Starallüren mit ihnen plauderte und Alben signierte. Urban & 4 werden wir am 9. Juni wieder in Ljubljana hören können, wo sie beim Konzert von Siddharta auftreten werden, deren Mitglieder man auch beim Konzert im Orto bar antreffen konnte. Gemeinsam haben sie kürzlich auch den Song Strele v maju aufgenommen.
Am Sound des Konzerts gibt es nichts auszusetzen. Mehr als solide für einen Klubsaal — keine Beschwerden. Das Publikum bekam beim Konzert, was es sich erhofft hatte: eine Dosis Qualitätsmusik, die kein Standard unter den Rockbands des ehemaligen Jugoslawiens ist und als solche eine willkommene Abwechslung darstellt. Auch im Programm des Orto Fest.
Text, Fotos und Video: Klemen Udovč
Setliste
- Venecija tone
- Kad se voda povuče
- Kundera
- Moja
- Ribe
- Ako se napijem
- Moja voda
- Nebo
- Pridi mi bliže
- Odlučio sam
- Sutra čemo pričati
- Mjesto za mene
- Mala truba
- Ništa sveto
- Magnet
- Astronaut
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