Ur Jordens Djup
Autor: Rok Klemše
Interpret: Finntroll
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 2007
Das Pech, das Finntroll seit dem Beginn ihrer Karriere verfolgt, ist schon echt unglaublich. Ein ähnliches „Glück“ haben höchstens noch Nevermore. Die Band wurde 1997 von Sänger Katla (Jan Jänsen) und Gitarrist Somnium (Teemu Raimoranta) gegründet, doch leider ist keiner der beiden mehr Teil der finnischen Trolle. Katla hat die Band wegen eines Tumors verlassen, der ihm das Weitersingen unmöglich machte, und Somnium starb 2003 nach einem Sturz von einer Brücke. Eine Tragödie, die Finntroll beinahe begraben hätte. 2004 gelang ihnen mit dem Album Nattfödd dann doch das Comeback, auf dem Tapio Wilska den Gesang übernahm. Nur gut anderthalb Jahre später verließ er Finntroll wieder, und die Band stand erneut ohne Sänger da.
Nach intensiver Suche nach einem Nachfolger sind Finntroll letztes Jahr endlich fündig geworden: Mit Vreth (Mathias Lillmins) haben sie einen neuen Frontmann, und Fintroll sind wieder aus den Tiefen der Erde gekrochen (Übersetzung von Ur Jordens Djup). Finntroll sind eine Band, die mit ihrem ureigenen Stil, dem sogenannten Humppa Metal (Humppa ist eine finnische Polka), berühmt wurde und damit als unterhaltsam, hyperaktiv und sogar komisch galt. Alle Texte sind auf Schwedisch, das laut Ex-Sänger Katla „verdammt trollig“ ist
Mit Ur Jordens Djup haben Finntroll also ein neues Kapitel ihrer Geschichte aufgeschlagen. Was bringt es uns? Man muss sagen: Ur Jordend Djup ist ein richtig gutes Album, Finntroll können einfach nicht enttäuschen. Trotzdem fehlt der Platte etwas, das die früheren Werke so einzigartig, heiter, positiv und gut hörbar gemacht hat. Diesmal rücken die Folk-Elemente deutlich in den Hintergrund, zugunsten des Black Metal, der sich nach vorne gekämpft hat. Ich persönlich vermisse die spaßigen Humppa-Parts, aber vielleicht ist die Veränderung für manche ja hochwillkommen. Trotzdem ist Ur Jordens Djup weit davon entfernt, ein schlechtes Album zu sein, nur ist die Musik mehr in Richtung Moonsorrow gewandert, was nicht weiter überrascht, denn Keyboarder Trollhorn ist niemand anderes als Henri Sorvali, ein wichtiger Teil von Moonsorrow.
Die Platte eröffnet das düstere, ambientige Intro Gryning (Morgendämmerung), das klingt, als wäre es direkt aus einem richtig guten Horrorfilm geklaut. Die Morgendämmerung hätte man eher Niedergang nennen können, denn sie setzt die dunkle, ernstere Atmosphäre der Platte. Keine Sorge, der echte Finntroll-Sound ist durchaus noch da, nur die Polka wurde etwas zurückgestellt, und es geht mehr in Richtung ernsterer Folk und Black Metal. Einen kleinen Rüffel verdienen auch die Gitarren, die über Powerchords-Geschrammel und simple Riffs nicht hinauskommen und dadurch stellenweise richtig eintönig werden.
Die Morgendämmerung kippt leise in die Black-Metal-Ballerei Sing (Lied) mit Keyboards und Gekreische, die sogar ein bisschen an Amon Amarth erinnert. Der schnelle Anfangsteil geht in der Mitte in ein langsameres Tempo über, das die echte Finntroll-Identität bewahrt, aber den Finntroll-Blödsinn vermisse ich trotzdem noch. Zum Glück holt ihn Korpens Saga (Die Saga des Raben) zurück, wo hüpfende Folk-Rhythmen und typische Vocals den Polka-Black-Metal bereichern. Man sieht förmlich die tanzende Menge vor sich! Nedging (Fall) glänzt mit einer interessanten Atmosphäre und setzt die hüpfende, tanzbare Stimmung des Vorgängers fort. Jede Menge Rhythmuswechsel sorgen für ausgezeichnete Dynamik, und Nedging wird sich garantiert noch oft drehen. Ur Djupet (Aus der Tiefe) ist einer der besseren Tracks der Platte, mit rohen Gitarren und Black-Metal-Gesang, und das Ganze wird durch Keyboard-Verzierungen aufgepeppt. Slagbröder (Kriegsbrüder) ist eine weitere Black-Metal-Hymne mit rohen Gitarren und atmosphärischen Keyboards, zum Growlen gesellen sich auch klare Vocals. Es folgt En Mäktig Här (Eine mächtige Horde)… Und ja! Endlich der echte Humppa-Fintroll! Der Song hat mir mit tropischen Steeldrums und karibischer Stimmung einen Lachanfall entlockt und mich an das Kult-Adventure Monkey Island von LucasArts erinnert. Das sind die echten verrückten Finntroll! Der beste Track der Platte. Ormahäxan (Schlangenhexe) ist ein seltsames chaotisches Gemisch, das schnell in Vergessenheit gerät. Maktens Spira (Zepter der Macht) führt den Stil der Mächtigen Horde mit durchgeknallten Rhythmen fort, die mit ihrer Energie geradezu zum Headbangen auffordern. Under Tví Runor (Unter zwei Runen) unterscheidet sich deutlich von den anderen. Ein ziemlich hymnischer und epischer Song mit Tempowechseln hält die Dynamik der Platte aufrecht.
Den Abschluss bildet das dreizehnminütige Kvällning (Abenddämmerung) mit einem tollen akustischen Intro, das in Windrauschen und Stille übergeht und mit einem verblödelten, versoffenen Troll-Gesang samt Flöte und Mandoline im Hintergrund endet.
Ur Jordens Djup ist kein schlechtes Album, aber es fehlen der Charme, der Wahnsinn und der Blödsinn der früheren Platten. Den Fortschritt sollte man auf keinen Fall übersehen, aber warum das Element vernachlässigen, das Finntroll unterhaltsam und verdammt trollig gemacht hat.
Besetzung
Vreth (Mathias Lillmĺns) – Gesang
Skrymer aka Örmy (Samuli Ponsimaa) – Rhythmusgitarre
Routa (Mikael Karlbom) – Gitarre
Tundra (Sami Uusitalo) – Bass
Trollhorn (Henri Sorvali) – Keyboards
Beast Dominator (Samu Ruotsalainen) – Schlagzeug
Produktion
Trollhorn und Tundra
Tracklist
1. Gryning 03:33
2. Sĺng 04:40
3. Korpens Saga 03:26
4. Nedgĺng 03:44
5. Ur Djupet 04:59
6. Slagbröder 04:31
7. En Mäktig Här 04:19
8. Ormhäxan 04:39
9. Maktens Spira 03:28
10. Under Tvĺ Runor 05:36
11. Kvällning 13:01