Unstoppable
Künstler: Rascal Flatts
Label: Lyric Street Records
Erscheinung: 2009
Laufzeit: 45.45
Bewertung: 2.5/5
Rascal Flatts sind in den USA ein fest verwurzelter Name, wenn es um kommerziellen Erfolg geht. „Unstoppable“ ist ihr insgesamt sechstes Studiowerk. Und Fakt ist, worauf schon der Titel der neuen Platte abzielt, dass diese „Redneck“-Jungs wirklich nicht locker lassen. Im kommerziellen Sinne natürlich. Die Band hat in ihrer Karriere bislang satte 18 Millionen Alben verkauft, alle möglichen Musikpreise in den USA abgeräumt, gleich fünf Alben auf Platz eins der Billboard 200 der meistverkauften Alben platziert – und auch das Album „Unstoppable“ blieb davon nicht verschont. Kurz gesagt: Man kann sich kaum vorstellen, was Rascal Flatts in ihrer Karriere noch nicht erobert haben.
Die Jungs mit dem Aussehen unschuldiger, wohlgesalbter und duftender Hengste verkaufen natürlich unter dem Deckmantel eines Rock-Images Pop-Musik. In ihren Ausdruck, der auch auf dem neuen Album gut erprobt ist, mischen sie eine starke Prise Country-Elemente. Also vereinen sie auf der einen Seite Rock-Elemente, die sie mit Country-Einflüssen aufweichen. Weiter als bis zum Pop kommen wir deshalb nicht. Aber das ist auch nicht die Absicht von Rascal Flatts, nach etwas anderem zu greifen, wenn ganz Amerika von ihnen nur eines verlangt. Wunderschönes Genudel in stocksteifen, allseits gefälligen, gottesfürchtigen Quäker-Gleisen! Halleluja.
Rascal Flatts sind in ihrem Fach allerdings sehr überzeugend. Ihre Arrangements sind – trotz schablonenhafter Übernahmen, Vorhersehbarkeit, auf Anhieb kaum zu überhörender Erlebnislosigkeit und dem Aufzwingen obligatorischer Hitigkeit – noch immer qualitativ gut genug, und man würde der Band wirklich unrecht tun, sie in allem dafür abzustempeln, ihre Seele aus bloßer Geldgier dem Teufel verkauft zu haben!
„Unstoppable“ darf sich einer kristallklaren Produktion rühmen, der es gelingt, die einzelnen Bausteine der Rascal Flatts-Geschichte akribisch zu einem äußerst ausgewogenen Klanggefüge zusammenzufügen, das mit reicher klanglicher Breite und Tiefe aufwartet. Also Farbigkeit und gleichzeitig Wärme. Über den Collagen, in denen vor allem die Teppiche aus verwobenen Keyboards, Piano und Geige wehen und denen stellenweise eine lautere Gitarre hinzukommt, spannt sich der unverkennbare Ansatz von Sänger Gary LeVox, dem es mit seinem vielschichtigen Ausdruck farblicher Artikulation gelingt, die genannte Vorhersehbarkeit und die „Copy-Paste“-schablonenhaft abgemessenen Motive aufzubrechen.
Rascal Flatts konzentrieren sich am stärksten darauf, ihre Zuhörer durch ein Angebot an Balladen zu verführen, die irgendwie die Initiative über den Rest des Materials übernehmen. Übrigens: Für alle, die irgendein rockiges Flair erwarten, ist das prominente Gitarrenmuster im Stück Close ein wahrer Balsam für die Ohren. Natürlich wissen wir, auf welche Zielgruppe Rascal Flatts spielen. Auf die grauen Mäuse des Konformismus, die die heutige Musikindustrie stützen. Es spielt keine Rolle, ob du Talent hast oder nicht, keine Rolle, ob du klug oder dumm bist, und keine Rolle, wie viel künstlerische Tiefe du dem Publikum bieten kannst. Wichtig ist, dass du mutig bist und dich traust. Selbst wenn die Schädelhöhle nur mit perforiertem Kork gefüllt ist.
Es ist ein neues, kommerziell erfolgreiches Pop-Rock-Album der Band. Rascal Flatts entdecken in kreativer und künstlerischer Hinsicht rein gar nichts. Produktionstechnisch super, arrangiert vorbildlich, das Klangspektrum ausgefüllt, der Gesang variabel und ausdrucksstark – natürlich Musik, die für die „anspruchsvollen“ Ohren der Masse nicht zu laut ist, und Jungs, die so ordentlich gekleidet sind, dass sie von Omas, älteren Damen, Müttern, die Brotteig kneten und daheim staubige Teppiche klopfen, sowie allen Mädels bewundert werden können, die sich bemühen, Winde im Bauchbereich mit makellosem Vanilleduft zu erzeugen. In dieser Hinsicht haben Rascal Flatts auch diesmal nicht danebengehauen.
Besetzung
Gary LeVox – Gesang
Jay DeMarcus – Keyboards, Bassgitarre, Hintergrundgesang
Joe Don Rooney – Gitarre, Mandoline, Bassgitarre
Produktion
Dann Huff & Rascal Flatts
Tracklist
1. Love Who You Love
2. Here Comes Goodbye
3. Close
4. Forever
5. She’d Be California
6. Unstoppable
7. Things That Matter
8. Summer Nights
9. Holdin‘ On
10. Once
11. Why