Unified

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Sweet & Lynch
Label: Frontiers Records
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 50:25
Bewertung: 4.5/5

Es ist unglaublich, wie zwei Workaholics – beides äußerst angesehene und allgemein respektierte Musikmatadore auf der weltweiten Hard-Rock-, Metal- und Melodic-Rock-Bühne – phänomenal miteinander harmonieren und kommunizieren. Und das, obwohl die musikalischen Hintergründe von Dokken, Lynch Mob, KXM und Stryper (Stryper? Ja, du liest richtig) stilistisch und klanglich deutlich auseinandergehen. George Lynch und Michael Sweet. Auf den ersten Blick eine unvereinbare Kombination, die aber genau das Gegenteil beweist und hervorragend funktioniert. Ganz besonders eigenständig. Spieltechnisch und kompositorisch. So haben die beiden nach knapp drei Jahren seit dem Debüt »Only To Rise« (2015) nun dessen Nachfolger geliefert – das nicht minder hervorragende »Unified«.

Das Unglaubliche daran: Trotz prallvoller Terminkalender gelingt es ihnen in so kurzer Zeit, ein derart qualitätsvolles Album zu erschaffen. Denn beide sind wahre Fabriken außergewöhnlicher musikalischer Ideen und kreativer Inspiration – und die geht ihnen einfach nicht aus. Sweet und Lynch sind nämlich ständig von anderen Projekten und ihren Stammbands umgeben, und Sweet nimmt obendrein noch seine eigenen Soloalben auf. Und trotzdem finden beide genug Zeit (und die ist wirklich knapp), um das Erbe ihres gemeinsamen »Sweet & Lynch«-Projekts am Leben zu erhalten. Zum Glück. Denn »Unified« ist, genau wie das Studiodebüt »Only To Rise«, ein weiteres siegreiches Kapitel in ihren außergewöhnlich produktiven und langen Musikerkarrieren.

Auch »Unified« ist, wie »Only To Rise«, ein ausgezeichneter Querschnitt durch die musikalischen Hintergründe beider Musiker. Durch ihre musikalischen Essenzen, ihre künstlerischen Kerne. Michael Sweet ist ein Generator außergewöhnlicher Musikalität und hypnotischer Eingängigkeit, die beim Hören sofort packt. Auf Anhieb. Auch auf diesem Album sind die Songs durchdrungen vom Moment hymnischer Feierlichkeit, in geschickt geformten Refrainmelodien, in denen sich gewöhnlich auch der atmosphärische Höhepunkt der jeweiligen Tracks findet. Das ist ein festes Merkmal der Stryper-Alben wie auch von Sweets Solo-Studiowerken. All diese Gesangslinien hat Sweet zudem mit begleitenden Chören (seiner) Vokalharmonien versehen, die natürlich aus dem Arrangements-Rezept der Stryper-Musik stammen. Dabei ist es unglaublich, mit welcher Kraft und Souveränität Michael Sweet für sein Alter von Lage zu Lage die volle ausgebaute Stimmkraft überträgt und dabei nach wie vor mit federleichter Mühelosigkeit auch die extremen Höhenlagen beherrscht.

Auf der anderen Seite steht George Lynch! Der Gitarrengroßmeister und für viele das wahre Vorbild für perfektes Beherrschen der sechssaitigen Bibel liefert einen lebendigen, fett aufgepumpten Sound in ein neues, reiches Arsenal abwechslungsreicher Gitarrenfrasen und motivischer Figuren. In den mittleren Instrumentalpassagen (mid eight parts) verblüfft der Mann erneut mit seiner einzigartigen Technik, die durch außergewöhnliche Geschwindigkeit, Kontrolle sowie alle delikaten und zierenden Details charakterisiert wird, die in ihrer filigranen Ausarbeitung und durchdachten Feinmechanik nur Lynchs Gitarrenspiel auszeichnen. Woher kommen nur all diese raffinierten Pull-offs, die sich in den Tonkombinationen innerhalb der solistischen Eskapaden einschleichen – sowohl was ihre Platzierung betrifft als auch die Art, wie Lynch diese Momente in seine Solo-Abenteuer einschmuggelt. George bleibt also ein echter Gitarrenedelstein!

Es ist unglaublich, wie beide trotz all ihrer Eigenheiten gleichzeitig im Arrangement ständig außergewöhnlich kreativ-expressiven Raum öffnen, in dem ihre Beiträge vollblütig erstrahlen, sich konzeptuell nicht überschatten und sich gegenseitig nicht »unterdrücken«. »Unified« ist deshalb ein enorm dynamisches und fließendes Werk. Es verblüfft mit einer außergewöhnlichen Kombination aus Musikalität und reizvollem Spiel, das sich aus konzis definierten Phrasen ständig auf Felder technischer Komplexität und sogar Ansätze experimentellen Spiels vorwagt. »Unified« liefert erneut ein erstklassiges Spektrum abwechslungsreicher Kompositionen, die ihrem Wesen nach aber der bekannten Rezeptur des Albums »Only to Rise« treu bleiben. Dennoch spürt man, dass das neue Album »Unified« noch ein Quentchen mutiger und reizvoller ist beim Erproben der Kollision des Unvereinbaren – und diesen Test besteht es mit Auszeichnung. Die gesamte klangliche Lebendigkeit und das Gefühl einer Live-Performance im Studio garantiert die Integration der brillanten Rhythmussektion, für die zwei weitere Spitzenmusiker verantwortlich sind: Brian Tichy (Foreigner, ex-Whitesnake, ex-The Dead Daisies,…) und Bassist James Lomenzo (Black Label Society, ex-White Lion, ex-Megadeth)

Wie gesagt. Die Fusion zweier Musikwelten – nämlich jener von George Lynch und Michael Sweet – liefert ein neues, besonderes Hard-Rock-Album, das sowohl in Richtung Heavy Metal als auch Melodic Rock beziehungsweise AOR driftet. Ein neues Spitzenkapitel und eines der besten Alben seiner Genres in diesem Jahr!

Sweet And Lynch – Walk (offizielles Video):

Besetzung

Michael Sweet – Gesang, Gitarre
George Lynch – Gitarre
James Lomenzo – Bassgitarre
Brian Tichy – Schlagzeug

Produktion

Michael Sweet

Trackliste

  1. Promised Land
  2. Walk
  3. Afterlife
  4. Make Your Mark
  5. Tried & True
  6. Unified
  7. Find Your Way
  8. Heart Of Fire
  9. Bridge Of Broken Lies
  10. Better Man
  11. Live To Die
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