Ulkus

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Goragorja
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 27:54
Bewertung: 4/5

Diesmal erwacht die Goriška Brda. Dort oben in der hügeligen Welt hat es gedonnert, und Goragorja ist aufgewacht – ein rein instrumentales Trio aus dem Dörfchen Dobrovo, das zum Jahresbeginn 2017 sein Studiodebüt unter dem Titel »Ulkus« auf die Welt losgelassen hat. Also. Auf dem Cover ist keine gorische Spitze zu sehen, sondern eine von überschüssiger Magensäure durchlöcherte Magenwand, vollgespickt mit blutigen Geschwüren – eben Ulkussen. Der Inhalt, der diesmal den (Magen-)»Ulkus« verursacht, spiegelt eine ambitionierte Aufrichtigkeit wider. Diese pflegen drei befreundete Musiker mit Hingabe – sie nehmen sich als Team beim Spielen instinktiv wahr und verständigen sich mutig in den Dialogen des musikalischen Ausdrucks.

Ein bescheidener Anfang, ganz nach dem Vorbild der D.I.Y-Prinzipien des Schaffens – aber, wie gesagt: aufrichtig. Was das Album »Ulkus« verkörpert, ist im Grunde eine zeitgemäße Art des Jammens einer neuen Musikgeneration, nach dem Vorbild der jungen Garde.  Die Jungs kultivieren einen rohen, garagig-rumpelnden, lebendigen Sound, der beim Spielen im ersten Versuch direkt auf »Band« gebannt wurde. Nach dem Prinzip eines live gespielten Konzerts im Studio – höchstwahrscheinlich sogar im Wohnzimmer. Die Jungs gehen die Sache mit großem Enthusiasmus und Mut an. Sie stehen noch am Anfang, weshalb die Kasse bei ihnen meistens leer ist – das kompensieren sie aber durch den Reiz einer strikt unabhängigen musikalischen Haltung und großen Einfallsreichtums, denn irgendwie müssen sie ja bestehen und sich behaupten. Sie haben sich enorm ins Zeug gelegt: ihr Debüt erscheint im Eigenverlag, ist auch in physischer Form erhältlich – auf einer CD mit silbernem Untergrund (nicht grünlich!!!) auf der die Tonaufnahme gespeichert ist.

Goragorja sind eine interessante Band. Angesichts der klanglichen Rohheit und der »Abrasion«, die der unverfälschte  und ursprünglich rohe Ansturm von Krach und Verzerrung auf den Mechanorezeptor-Härchen einer jeden Hörschnecke auslöst, trägt Goragorja definitiv eine Alternativrock-Prägung. Angesichts des dreiköpfigen Konzert-Jams, der auf fünf Tracks eingefangen wurde und in dem die Leitmotive in multiple Wiederholungen eingebettet sind, können wir dem Ansatz natürlich auch die Bezeichnungen Post-Rock bis Post-Metal und sogar Post-HC anheften. Je nach Art der Kompositionsentwicklung und der tragenden Phrasen. Die Jungs wissen, dass sie angesichts der instrumentellen Begrenztheit die Songs konkret beleben müssen – deshalb bauen sie innerhalb der Leitmotive Wechsel in den rhythmischen Tonarten und in den Phrasen der Leitmelodien ein. In dieser Hinsicht legt auch die Gitarre ihren verzerrten Zorn gelegentlich beiseite, wenn sie auf einen saubereren Klang umschaltet, der mit Reverb angereichert oder mit einem Wah-Wah-Pedal unterlegt sein kann. In einem einzigen Track lässt sich die Kulminierung aller zuvor beschriebenen Genreelemente erkennen – was bereits der Opener Žleht žlahta veranschaulicht.

Ulkus« ist insgesamt ein düsteres Werk. Die Band demonstriert auf ihrem Debüt ein ansprechendes Maß an Eingespieltsein und gegenseitiger Kalibrierung; das Trio nimmt auch eine ausgewogene Verteilung der Instrumente in den Kompositionen ein, wobei klar ist, dass die Gitarre gelegentlich beide anderen Instrumente übertönt, wenn sich ihr Klang hyperplasiv zu einer massiven Klangwand ausbreitet (Ausgangspart des Tracks Prvi greh).

Goragorja sind interessant für alle, die ihr nach musikalischer Ungewöhnlichkeit sucht – auch nach dem Bizarren. Was Energie und Vibration betrifft, lassen sich Parallelen zu anderen slowenischen Bands ziehen, wie etwa Vibesonic Jam, Dubzilla, Koromač und Broken Lock. Das sind allesamt Bands mit streng wiedererkennbaren musikalischen Charakteren, aber auch mit klaren Genregrenzen. Doch die Vibration ist düster, garagig-lebendig und klingt für unseren geografischen Raum vertraut – weshalb diese Bands jederzeit kompatibel zueinander sind und sich bei (potenziellen) gemeinsamen Konzertauftritten nahtlos ergänzen.

»Ulkus« ist ein schöner Grundstein im diskografischen Werk einer neuen Band, die sich genremäßig unbeschwert gibt, Musik mit elementarer Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit erschafft und es damit schafft, bereits mit den ersten Schritten ihre eigene musikalische Rezeptur und ihren Charakter zu entwickeln. Gleichzeitig ist »Ulkus«, dank der artistischen Unbeschwertheit, außerordentlich offen für Weiterentwicklung und die Aufwertung von Sound und Stil auch in Zukunft. Also. Wohin Goragorja sich entwicklungsmäßig in Zukunft schwingen werden, lässt sich nicht vorhersagen – genau das aber weckt umso größeres Interesse an den nächsten Schritten der Band. 

Goragorja – Prvi greh (offizieller Audiotrack):

Besetzung

Sergej Pojavnik – Gitarre
Andraž Zlobec – Bass
Tomaž Abram – Schlagzeug

Produktion

Goragorja

Tracklist

1. Žleht žlahta (05:13)
2. Prvi greh (06:19)
3. Stalna terapija (05:34)
4. Močerad (07:53)
5. Outro (03:29)

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