Two Men With The Blues
Interpret: Nelson, Willie
Label: EMI Records
Veröffentlichung: 2008
Two Men With The Blues ist ein Titel, der unter dem Deckmantel einer Verbindung von Blues und Jazz zwei so eminente Namen der Musikwelt zusammenbringt wie Country-Legende Willie Nelson und Jazztrompeten-Meister Wynton Marsalis. Eine einzigartige, auf den ersten Blick fast schon unvorstellbare Kollaboration, die sich die beiden Herren bei ihrem Auftritt im Januar letzten Jahres im Home of Jazz Center von Lincoln auf ganz eigene Art ausgedacht haben – und die mit dem Beginn des Sommers 2008 zu einem der sehnsüchtigst erwarteten Releases avanciert.
Two Men With The Blues bringt zehn erstklassig ausbalancierte Songs, meisterhaft zu einem effektiven und kompakten Ganzen verschmolzen. Das raffinierte Navigieren durch stilistische Vielfalt veredelt neben der glänzenden Umsetzung obendrein die großartige Kommunikation der beiden untereinander. Die bleibt durchgehend bei einem idyllischen, ohrenfreundlichen Ansatz, ohne sich allzu weit in experimentelle Gewässer zu verirren. Es ist also eine ziemlich konventionelle Musikmischung, gedacht für ein breiteres Publikum. Das Duo baut die ganze Zeit auf eine Symbiose, die nur selten von Ausbrüchen instrumentaler Würze unterbrochen wird. Zum Aufwärmen gibt’s zuerst das schwungvolle Bright Lights, Big City, eine giftige Mischung aus gesungenem Country-Blues und instrumentalem Jazz, das vor allem dank des begeisterten Herumspielens mit den Grundlagen der Jazz-Rhetorik an Geschmeidigkeit gewinnt. Rainy Day blues folgt dem Beispiel des Vorgängers, ebenso wie das charismatische Kunststück My Bucket’s Got A Hole In It, ein humorvoll mit Bläsern arrangierter Song mit einem Hauch der Zwanziger, der euch „nervig“ an den Trommelfellen picken wird.
Genug Sympathien sammelt auch Charles‘ Georgia On My Mind ein. Die verträumte Klavierinterpretation, stellenweise durchbrochen von der Subtilität der Trompete, wird vor allem dank Nelsons klagender Stimme zugänglich. Ein grandios eingeschobenes Klaviersolo gibt dem Song sogar eine Wendung in Richtung traditioneller Blues, allerdings nur für einen Augenblick. Ain’t Nobody’s Business und das abschließende That’s All gehen noch einen Schritt weiter in Richtung forschender Bläser-Improvisationen. Der erste ist eigentlich eine Art ambientes Upgrade des oben erwähnten Ray-Meisterwerks, während That’s All als pures Gegenteil daherkommt: als improvisiertes Galoppieren aller Bandmitglieder, die mit dem nahenden Ende des Albums kämpferisch noch den letzten Zug erwischen wollen, um ihre interpretatorischen Qualitäten zu zeigen.
Two Men With The Blues kommt trotz der Flut verwandter Genre-Experimente, die wir in den letzten Jahren erleben, als echte Erfrischung dieses Sommers daher – auch wenn es mit seinem für viele irreführenden Titel Liebhabern des puren Blues nicht gerade wahre Genüsse im Überfluss beschert. Bestimmt aber werden es die anpassungsfähigeren Verehrer beider Spielarten, also Blues und Jazz, mit Begeisterung aufnehmen, natürlich unter der Voraussetzung, dass sie keine Angst davor haben, ein bisschen tiefer ins Unbekannte zu blicken.
Besetzung
Willie Nelson: Gesang, Gitarre
Wynton Marsalis: Gesang, Trompete
Walter Blandind: Saxofon
Mickey Raphael: Mundharmonika
Dan Nimmer: Klavier
Carlos Henriquez: Bass
Ali Jackson: Schlagzeug
Produktion
Jazz
Tracklist
1.Bright Lights, Big City
2.Night Life
3.Caldonia
4.Stardust
5.Basin Street Blues
6.Georgia On My Mind
7.Rainy Day Blues
8.My Bucket’s Got A Hole In It
9.Ain’t Nobody’s Business
10.That’s All
Spieldauer: 53.32