Trust This Arcane Device
Künstler: Chang Ffos
Label: Moonlee Records
Erschienen: 2006
Laufzeit: 44:46
Wertung: 4/5
Zagreb galt nie als Stadt, die für eine Brutstätte musikalisch interessanter Dinge bekannt wäre. Im Fall von Chang Ffos ist das jedoch weit gefehlt. Das ist eine Band, die es schon gut über zehn Jahre gibt. Eine Band, die wie durch ein Wunder all die „mageren“ Jahre ohne Album zusammengehalten hat. Doch wenn man ihr Studiodebüt „Trust This Arcane Device“ (2006) auflegt, fällt das Adjektiv „mager“ im Nu weg.
Chang Ffos gehören bereits mit ihrem Debüt zur Elite der Bands unseres südlichen Nachbarlandes, die ihren meilenweit wiedererkennbaren musikalischen Charme, große Ausdruckskraft und Charisma in sich tragen. Angesichts der Tatsache, dass härtere Klänge südlich der Kulpa in der Welt nie viel bedeutet haben, ist das im Fall dieser Chaos/Stoner/Noise-Hardcore-Band umso wichtiger. Stoner? Hab ich gerade Stoner gesagt? Nun, Chang Ffos sind darin zuhause sicher nicht völlig allein – da wären zum Beispiel die weitaus stoneriger klingenden StoneBride und Good Day To Die, die ebenfalls ihren eigenen Charme haben.
Schon anhand der Labels ist sofort klar, dass es sich um eine moderne Musikform handelt, die auf dem Aufbau intensiver Atmosphäre basiert. Den Begriff Metal wollen wir lieber gar nicht erst in den Mund nehmen, denn bei Chang Ffos wirst du davon nicht mal soviel finden wie Dreck unter dem Fingernagel. Chang Ffos sind dennoch schmerzhafter Lärm, unerträglicher Lärm. Chang Ffos sind musikalische Handwerker, die dir mühelos einen Bohrer in den Kopf rammen und damit ein riesiges Loch mitten in die „blöde Stirn“ bohren.
„Trust This Arcane Device“ folgt einem unerbittlichen Zorn, den ein völlig roher, lebendiger, authentisch lawinenartiger Sound über das gesamte Album vermittelt. Das Album wirkt durch seine starke Chemie und seinen ausdrucksstarken Klangstempel geradezu live. Der Charakter der Songs, des Albums und letztendlich der Band selbst ist düster-unheilschwanger, verderblich, extrem neurotisch-schizophren – gleichzeitig aber immer besitzergreifend fesselnd, was dem Hörer den Schleier einer ständigen Anziehungskraft und den Wunsch enthüllt, die Welt von Chang Ffos‘ Verderben weiter zu erkunden.
Schon der Opener mit Thy Doom Ape kündigt an, dass „Trust This Arcane Device“ ein motivisch ungemein bewegtes und lebendiges Album ist, das vor ausgelassener Dynamik und dem Drang sich durch das Unikat der musikalischen Verkündigung der Band zu beweisen nur so platzt. Der massive Klangteppich wird oft nicht nur durch scharrendes Riffing erreicht, sondern auch durch schlichtes, quietschendes Anziehen der Saiten oder absichtlich unkontrollierte Verzerrung, die – wie bereits gesagt – schlicht ohrenbetäubend wirkt. Es ist besser, wenn die Gitarre die Kontrolle verliert, „abrutscht“, als dass sie der Tonalität der Melodien brav folgen würde. Diese Kombination vieler Genre-Sphären, die unmittelbar beweist, dass Chang Ffos der Erkundung ihrer selbst verfallen sind und sich dabei keine ausdrucksmäßigen Grenzen setzen wollen, erinnert energetisch sogar an Größen vom Kaliber Mastodon. Natürlich mit weit weniger Komplexität und ästhetischer Studio-Kontrolle. Grob gesagt lässt sich bei Chang Ffos – wenn man schon Parallelen sucht – eine gewisse Ausdrucksähnlichkeit mit Neurosis und Converge finden. Sie lassen die Riffs laufen.
In Iron Icon (zweite Hälfte des Songs) überrascht ein Sprung in die Stoner-Gewässer eines Kyuss, doch das hält nicht lange an – die Band schaltet schnell auf eine chaotische, einbrechende Hardcore-Haltung unerbittlichen Grollens und Dröhnens um. Diese Kombination wiederholt sich über das Album hinweg mehrmals, am kontrastreichsten aber sticht sie im Moment der schlimmsten Schlachthaus-Orgie des Albums hervor, nämlich im Song Jethro. Dann gibt es durchgehend Momente größerer oder kleinerer Abweichungen hin zur genannten Genremischung, wie etwa das langgestreckt Kyuss-hafte Bowels Of The Beast Of The Matrarchate.
Diese Fusion wäre jedoch bei weitem nicht so erfolgreich ohne den exzellenten Schlagzeuger Nikola B., der in vielerlei Hinsicht der Haupt-„Schuldige“ dafür ist, dass in einem der obigen Absätze sogar ein Vergleich mit Mastodon fiel. Der Gesang ist in seinem Schreien durchgehend echt und ein ungemein kompatibler und wichtiger Baustein sowie Miterschaffer des vernichtenden Sounds der Band.
Angesichts der Tatsache, dass es sich um ein Studiodebüt handelt, behaupte ich: Diese Band kann wirklich stolz darauf sein. Die Durststrecke hat sich bezahlt gemacht – in der Feinarbeit am finalen Gesicht der Songs, die gemeinsam ein ungemein buntes und dynamisches Album erschaffen, vollgepackt mit stickiger, grollender, arroganter und höllisch beißender Atmosphäre unerträglichen Schmerzes, der Wut und der Agonie. Es ist ein Album, das das Experiment Stoner Rock, intelligent mit Hardcore-Elementen vereint, auf einen besonderen Platz der Musiklandkarte setzt. Chang Ffos haben sich mit diesem Debüt ein unglaubliches Sprungbrett für den Angriff auf das Ausland gesichert. Für die weitere Entwicklung dieser nonkonformistischen, witzigen, mutigen, forschenden Band mit klar ausgearbeiteter Vision ist der Durchbruch auf dem Auslandsmarkt unumgänglich. Westeuropa und die USA. Chang Ffos sind ein ungeschliffener Diamant, der es wert ist, poliert zu werden.
Besetzung
Ivan E. – Gesang
Ashas Adzhun – Gitarre
Alen Nueda – Bassgitarre
Nikola B. – Schlagzeug
Produktion
Steve Austin
Tracklist
1. Thy Doom Ape
2. Zen Rock Majik
3. Iron Icon
4. The Throne of Sasquatch Ascending
5. And All Things, Either Good Or Ungood
6. Jethro
7. Bowels Of The Beast Of The Matriarchate
8. Le Charmuer De Serpents
9. Ondjage