Truelove’s Gutter
Künstler: Hawley, Richard
Label: Mute Records
Erscheinung: 2009
Laufzeit: 51.05
Bewertung: 4/5
Truelove’s Gutter ist das sechste Album von Richard Hawley – Ex-Kämpfer der britischen Pop-Attraktion Longpigs und späterer Pulp-Weggefährte –, einem Musiker, Songwriter und Produzenten, der mit seinem Soloweg die engen Grenzen der Popmusik längst hinter sich gelassen hat. Das Album Truelove’s Gutter bleibt dem typischen Hawley-Folklore treu, also dem ruhigen Versinken in melancholischen Landschaften – doch noch nie hat es dabei mit einem so schweren Schuss düsterer Energie gedroht.
Richard Hawley setzt mit Truelove’s Gutter seine Mission fort, interessante Musik zu servieren, die sich am ehesten als Kratzen am breiten Ast des Alternative Pop beschreiben lässt. Das Album experimentiert nicht mit der Anwerbung verschiedener Genres – hier und da sind nur seltene Ausflüge Richtung Country zu spüren, auch ein paar rockige Impulse sind dabei, doch immer nur als Füllmaterial innerhalb einer streng diktierten Dramaturgie, deren Leitfaden die beängstigend markante Stimme von Richard Hawley ist. Truelove’s Gutter ist ein Werk von düsterer Ambient-Energie, auf dem Hawleys eisige Stimme den Tanz schwerer Melancholie anführt – inhaltlich ergänzt er sich an jedem Punkt des Albums fantastisch mit der Vielfalt der begleitenden Requisiten.
Trotz aller Schwermut, die nach dem Diktat aller damit verbundenen Vorurteile klar nach Monotonie verlangt, kann Truelove’s Gutter mit einem ziemlich vitalen Klangbild aufwarten, das bei der Darbietung zahlreicher interessant gestalteter Arrangements ständig schwankt. Hawley setzt für die Betonung des vollen und extrem ambient-orientierten Klangteppichs (zu Recht) auf orchestrale Arrangements, bei deren Einsatz und Art der Verwendung er verständlicherweise wählerisch bleibt. Während instrumental stark unterfütterte Motive wie Open Up Your Door oder Ashes On The Fire mutig aus der gewaltigen Kraft orchestral aufgestellter Streichformationen schöpfen, streckt sich For Your Lover Give Some Time beim minimalistischen Erklingen der Gitarre deutlicher nach den intimsten Sphären des geheimnisvollen Inneren des Musikers aus. Remorse Code enthüllt dank der mutigen Kombination beider beschriebenen Elemente schüchtern eine außergewöhnliche Stimmungsvielfalt, die sich im Verlauf des herausragenden, stark rockig inspirierten Soldier On zu einem ungeahnten Höhepunkt entwickelt.
Truelove’s Gutter bemüht sich nicht übermäßig darum, einem breiteren Publikum zu gefallen, sondern besteht hartnäckig nach dem Prinzip Friss oder stirb auf dem Weg, den eigenen Ausdrucksfaden zu spinnen. Was letztlich auch das Richtigste ist – und in der heutigen Parade des Einheitsdenkens der Popkultur eine echte Seltenheit. Hawley bleibt in der reizvollen Darbietung melancholischer Seufzer unerschöpflich, ein Meister seines Fachs, der das unaufhörliche Klagen effektiv mit Elementen der Hörbarkeit verbunden hat – worüber schon die Tatsache genug sagt, dass Truelove’s Gutter ein Album ist, bei dem du nicht zwingend an Selbstmord denken wirst.
Besetzung
Richard Hawley: Gesang
Shez Sheridan: Gitarre
Jon Trier: Keyboards, Vibrafon
Colin Elliot: E-Bass
Dean Beresford: Schlagzeug
„The Red Skies“ Streichsektion:
Donald Grant: Violine
Helena Smart: Violine
Catrin Morgan: Violine
Emma Wragg: Violine
Thea Spiers: Violine
Kirsty Margan: Violine
Felix Tanner: Viola
Natalie Holt: Viola
Lucy Pane: Cello
Liz Hanks: Cello
Richard Pryce: Kontrabass
Produktion
Richard Hawley
Trackliste
1. As the Dawn Breaks
2. Open Up the Door
3. Ashes on the Fire
4. Remorse Code
5. Don’t Get Hung Up on Your Soul
6. Soldier On
7. For Your Lover, Give Some Time
8. Don’t You Cry