Transcendental

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Künstler: Dream Electrik
Label: Bang The Drum Records
Erscheinung: 2009
Bewertung: 4/5

Gitarrenorientierte Jazz-Rock-Fusion ist oft am beliebtesten unter Musikgourmets — und warum auch nicht, bei Meistern wie Mike Stern, Allan Holdsworth, Jeff Beck, Frank Gambale, Al Di Meola und John Mclaughlin. Mit einem einfachen Saiteninstrument einen zauberhaften Vorhang abstrakter Konzepte heraufzubeschwören, in den man sich verträumt versenkt, oder meisterhaft unsichtbare Adrenalinspritzen zu injizieren, bei denen unser Bewusstsein in einer höheren Welt weilt — in Platons Welt der Ideen, wenn man so will —; dem Hörer also das Gefühl zu geben, dass er für die „Verwirklichung“ imaginärer Muster keine Drogen braucht: genau das macht die genannten „Saitenzupfer“ zu wahren Virtuosen. Sie waren auch eine große Inspiration für Carl Cino, der Ende der Achtziger ein Projekt startete, bei dem er selbst (mit seiner Gitarre) das zentrale Element ist.

Dream Electrik, so heißt Carls Band, begann Ende der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts, als das Quartett (damals noch in anderer Besetzung) sich zu wöchentlichen Jamsessions traf. Die Richtung war von Anfang an klar gesteckt — die Jungs wollten Jazz- und Rockfusion leben. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kam es sogar zur Auflösung der Gruppe, die bis dahin außer Konzerten kein einziges Album veröffentlicht hatte. Erst 2004 entschieden sich Carl Cino und Keyboarder Steve Thurston für ernsthaftes Arbeiten und die Veröffentlichung der ersten CD namens „Fingerprints“. Das Album erhielt hervorragende Kritiken, dennoch dauerte es ein halbes Jahrzehnt, bis Dream Electrik eine neue, zweite Scheibe mit Musik füllte. Das Projekt brachte also 2009 neue Früchte — „Transcendental“. Leider verstarb kurz nach der Geburt des neuen Albums Keyboarder Steve Thurston, dennoch entschied sich Carl Cino, das bislang erfolgreiche Projekt fortzuführen.

Neben dem bereits erwähnten Carl Cino und Steve Thurston wirkten an der Entstehung des Albums noch Bassist Caleb DesJardins und Schlagzeuger Jasmin Antrum mit. Gemeinsam haben sie für „Transcendental“ acht neue Stücke vorbereitet, die Cinos Vision einer modernen Jazz-Rock-Fusion weiterführen. Das Album beginnt mit dem eher ruhigen „The Devil You Know“, das sofort auf die gitarrenorientierte Ausrichtung von Dream Electrik hinweist. Ein ungemein gefühlvolles Stück, durchdrungen von gitarristischen Emotionen. Carl gelingt es wirklich auf verrückte Weise, echte Gefühle durch die Musik zu transportieren, auch wenn es beim ersten Hören wie bloßes schnellfingeriges Durchlaufen von Tonleitern klingt. Vielleicht gelingt ihm das über den Klang der Saiten, vielleicht durch verschiedenste Bendings — wie auch immer, Cino begeistert bereits zu Beginn. Und denselben Effekt beim Hörer erzielt er beim nächsten Track, „Swamp Thing“, auch wenn dieser nicht so „mollastig“ ist wie der Vorgänger. Dennoch zaubert das Quartett eine unglaubliche Atmosphäre, diesmal entspannt, im Gegensatz zur stärkeren im ersten Stück.

„Remember When..“ ist ein ungemein gefühlvolles Stück, bei dem die Gitarre buchstäblich „weint“. Würde man dem Track einen Gesang hinzufügen, würde der Text mit Sicherheit von Liebe handeln. Aber genau darin liegt das Können von Carl Cino — durch Musik das auszudrücken, was der Hörer sonst aus einem Text erfährt. Der Nachfolger ist „Busted Funk“, der — wie der Name schon sagt — ein Funk-Stück ist. Diesmal deutlich stärker und treibender als seine Vorgänger, wobei auch der Bass stärker in den Vordergrund tritt (wie es beim Funk auch sein muss). Natürlich hüllt Cino das Ganze in einen Schleier aus Jazz und Rock, sodass es insgesamt noch bombastischer wirkt.

Das fünfte Stück des Albums, „Connect The Dots“, zeichnet sich durch eine ausgesprochen frische, lebendige und mitreißende Melodie aus, mit Wurzeln im Smooth Jazz und — wie das Stück zuvor — im Funk. Neben Cino sticht diesmal auch Schlagzeuger Antrum mehr hervor, der Carls gitarristische Kapriolen hervorragend begleitet. Es folgt das Titelstück „Transcendental“, ein ruhiges Stück, ein bisschen poppig, äußerst eingängig, aber nicht mehr als das. Es rechtfertigt vielleicht nicht den Titel des Titelstücks, da sich auf dem Album noch deutlich bessere Tracks finden, gehört aber dennoch zum Überdurchschnittlichen — sowohl für Dream Electrik als auch für die Fusion-Szene selbst.

Im Track „A Thin Red Line“ schalten die Musiker wieder einen Gang höher und liefern einen lobenswerten progressiv-rockigen „Stückl“ ab. Solche fehlen auf dem Album, denn genau damit beweisen sie, dass sie eine entspannte Atmosphäre auch auf dieses Niveau übertragen können (das kein höheres, sondern ein anderes ist — nur damit kein Missverständnis entsteht). Das letzte Stück ist eine akustische Überraschung. Dream Acoustic, wenn ich das so sagen darf — Carl Cino liefert nämlich eine hervorragende klassische Gitarrenballade, die das i-Tüpfelchen dieses wirklich ausgezeichneten Albums ist.

Am Ende bleibt nur eines zu sagen: das Album ist uneingeschränkt zu empfehlen. Allen Liebhabern instrumentalen Jazzs, Rocks und allem dazwischen. Es ist kein episches Werk von Carl Cino, aber dennoch eine hervorragende moderne Interpretation der Fusion dominierender Genres — also Jazz und Rock —, die den Gitarristen Meistern wie etwa Mike Stern näherbringt. Hoffen wir nur, dass wir auf ein neues Album nicht 5 Jahre warten müssen, so lange wie auf „Transcendental“ gewartet wurde.

Besetzung

Carl Cino – Gitarren
Steve Thurston – Keyboards
Caleb DesJardins – Bassgitarre
Jasmin Antrum – Schlagzeug

Produktion

Carl Cino

Trackliste

1. The Devil You Know
2. Swamp Thing
3. Remember When..
4. Busted Funk
5. Connect The Dots
6. Transcendental
7. A Thin Red Line
8. Solace

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