Trainstation Squat – Pressemitteilung!
Autor: Aleš Podbrežnik
Liebe Leute!
Die Krainburger Subkultur steht mal wieder auf der Straße – vom Trainstation Squat kommt folgende Pressemitteilung:
»Liebe Nutzer, Besucher und Unterstützer!
Wir teilen euch mit, dass wir gezwungen waren, die Türen des Trainstation Squat – des einzigen urbanen, nicht-kommerziellen und alternativen Kulturzentrums und kreativen Produktionshauses in Oberkrain – bis auf Weiteres zu schließen.
Der Grund für die (erneute) vorübergehende Schließung liegt in den Gesetzen unseres geliebten Landes und seinen allmächtigen Entscheidungsträgern – Inspektoren, die ganz oben auf der gesellschaftlichen Karriereleiter sitzen. Die sollen uns einerseits angeblich unterstützen wollen, andererseits verbieten sie uns, schüchtern uns ein, drohen mit hohen Geldstrafen und schließen uns schließlich auch.
Warum?
Weil wir lokale (Sub-)Kultur schaffen, ihre regionale, nationale und internationale Vernetzung ermöglichen, als Einzige in der Umgebung ein regelmäßiges Programm mit marginalen und nicht-kommerziellen Inhalten anbieten und in unsere Arbeit Schüler, Studierende, Jugendliche und jung Gebliebene einbinden. Wir leisten gemeinnützige Arbeit, bieten Räume für aktive und kreative Freizeitgestaltung, fördern das gemeinsame Kulturschaffen, den freien künstlerischen Ausdruck sowie den informellen Wissens- und Erfahrungsaustausch.
All das machen wir größtenteils ehrenamtlich, und die meisten Aktivitäten bieten wir den Kreativen und Nutzern kostenlos an – was angesichts der heute vorherrschenden kapitalistischen Mentalität, auch in öffentlichen Kultureinrichtungen, zur echten Seltenheit geworden ist.
Aufgrund des UNVERSTÄNDNISSES für die Funktionsweise kleinerer gemeinnütziger und alternativer Organisationen seitens des Staates und seiner Institutionen (und der daraus resultierenden unzulänglichen gesetzlichen Regelung) hat uns das Inspektorat der Republik Slowenien für Umwelt und Raumordnung trotz unseres offensichtlichen Beitrags zur Gesellschaft und trotz der Unterstützung der Stadtgemeinde Krainburg die Nutzung des Objekts bis auf Weiteres untersagt.
Es handelt sich lediglich um bürokratische Notwendigkeiten, die wir nach besten Kräften so schnell wie möglich zu erfüllen versuchen – doch leider sind die Verfahren langwierig.
Außerdem haben wir kein Geld, um die Staatskasse mit den angedrohten Strafen zu füllen.
Wir bemühen uns auch darum, dass Krainburg während der Klärung der Angelegenheiten im Trainstation Squat NICHT auf alle Aktivitäten verzichten muss, die dort stattgefunden haben – doch die Dinge sind nicht einfach, da es offenbar keine geeigneten Ausweichräume gibt. Wir versprechen aber, euch über den weiteren Verlauf der Ereignisse auf dem Laufenden zu halten.
Dabei hoffen wir nur, dass die aktuelle Lage die betroffenen Jungen nicht wieder dazu bringt, die Geschichten von (verlorenen) Kämpfen um eigene Räume der Freiheit, des Schaffens und des Zusammenkommens zu wiederholen – und sie damit erneut zwingt, sich neue Räume auf illegalem Weg zu erkämpfen.
Die wichtigeren Fragen, die sich dabei stellen, sind aber:
Warum werden Gesetze, auch wenn sie unzulänglich geregelt sind, nicht für alle gleich durchgesetzt? Lokal und auf Staatsebene gibt es viele Lokale, Lagerhäuser, Produktionsstätten, Neubauten, sogar öffentliche staatliche oder kommunale Gebäude, die nicht alle Papiere in Ordnung haben.
Warum können dieselben Behörden das bei vielen anderen übersehen, bei bestimmten – »gewöhnlichen Bürgern« aber nicht?
Warum bekommen manche die Möglichkeit, ihre bürokratischen Pflichten innerhalb einer gesetzten Frist zu erfüllen, während man bei uns sofort mit einem Nutzungsverbot vorgegangen ist?
Konkrete Antworten darauf haben wir nicht – vielleicht könnt ihr beim Inspektorat der Republik Slowenien für Umwelt und Raumordnung mehr Informationen erhalten.
Euer Trainstation Squat«