Too Many Reasons

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Player
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2013
Laufzeit: 62:38
Wertung: 4.5/5

Auch Player sind zurück! Mit einem neuen Studioalbum – wie sonst? Eine Band, die sich in der zweiten Hälfte der Siebziger auf der damals glühend heißen Landkarte der amerikanischen Arena-Rock-Szene eingetragen hat. Die Band, die 1977 ihr selbstbetiteltes Debüt veröffentlichte, brach mit dem Hit Baby Come Back international durch, und das Album »Player« wurde kurz darauf »Platin«. Dieser Erfolg öffnete der Band die Türen zu ausverkauften Stadionbühnen, wo sie gemeinsam mit kommerziell heißen Acts wie Gino Vanelli, Bozz Scaggs und später auch Kenny Loggins, Heart und Eric Clapton auftraten. 1983 hängten »Player« ihre Karriere an den Nagel. Schon zuvor hatte ein Streit im Herbst 1978 zum vorübergehenden Abgang von Peter Beckett geführt, und die Player-Crew erholte sich von diesem „Schlag“ auch nach seiner Rückkehr nie mehr vollständig. Ronn Moss widmete sich 1981 einer erfolgreichen Schauspielkarriere und verließ Player. Beckett veröffentlichte 1981 mit der Crew noch das Album »Spices Of Life«, hielt dann aber auch selbst die Last nicht mehr aus und löste Player 1983 auf. Die Band tauchte in den folgenden Jahren sporadisch auf Bühnen auf; Mitte der Neunziger erschien sogar ein neues Studioalbum, das in Japan unter dem Titel »Electric Shadow« und später auch in den USA als »Lost In Reality« veröffentlicht wurde.

Den quälenden Ungewissheiten hat es also ein Ende gesetzt. Player haben ein neues Lebenszeichen von sich gegeben – und da ist »Too Many Reasons«.  Die beiden Hauptprotagonisten der Band, Ronn Moss und Peter Beckett, haben ihr außergewöhnliches Talent für das Schreiben melodisch zündender Kompositionen nie verborgen, denen beim ersten Hören die sofortige Ansteckungskraft nie fehlt. Stellenweise kokettiert dieses Talent schon fast mit der tödlichen AOR-Honigsüße der Foreigner-Megahits – so in Sins Of Yesterday, The Words You Say oder My Addiction (in Letzterem kommen sie mit ihrer „Beatle-Frisur“-Harmonik sogar in die Nähe der Energie der klassischen Cheap Trick). Doch je näher der Sound der »Weichheit« rückt, desto stärker erinnert er ans Klangprinzip von America. Es geht also um einen Sound, in dem Rock stark mit der Pop-Rhetorik vom Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger verknüpft ist. Einzelne Kompositions-Highlights herauszupicken ist schwer, denn alle 13 Nummern sind auf der gierigen Linie zwischen wirkungsvoller Melodiosität und rockigem Zauber außerordentlich effektiv verankert. Player bestätigen auch mit ihrem neuesten Werk, dass sie eine Band sind, die Foreigner-Fans ebenso zu begeistern wissen wie America- oder sogar The Eagles-Fans. Beispiele für Songs dieses Albums, in denen man gemeinsame Nenner der genannten Bands mit Player findet, sind die bereits erwähnte hervorragende akustische Ballade The Words You Say, das nicht weniger »giftige«, balladenhaft dahinhauschende Part Of Me sowie überhaupt eine der stärksten Kompositionen dieses Werks namens Kites, die mit eingestrickter Mandolinen-Begleitung im Hintergrund in einer Art »Sirtaki«-Sentimentalität trotzig auf der AOR-Spur melodischer Eingängigkeit bleibt.  Im Balladen-Bereich ist das Album außerordentlich stark. Genau dieses Element bestätigt die kompositorische Ausnahmestärke des Tandems Moss/Beckett. Das Schwierigste ist nämlich, eine Ballade so zu schreiben, dass sie nicht pathetisch, banal oder übersüßt wirkt – und noch mehr ließe sich da nennen.  Und die beiden Musiker verstehen es, die geschmackvoll-maßvolle Linie zu halten, die eine außerordentliche Raffinesse des Komponierens ausstrahlt. Selbst wenn Moss und Beckett einer bestimmten Komposition eine Prise Blues-Kontur einhauchen, bewahrt sie die ganze Eingängigkeit des melodischen Ertrags im Refraingesang (der Titelsong Too Many Reasons).

Weich, aber organisch. Becketts Stimme reift wie ein guter alter Wein, wird im sinnlichen Ertrag immer packender – die Herren wissen, was es bedeutet, die Vokalharmonien der Begleitung zu dosieren, womit sie die Refrainmelodien meisterhaft ausstatten. Das Album mit dreizehn Songs (plus dem neu interpretierten Come Back Girl) trägt außerordentlich ausgearbeitete Melodien, und zwischen den Nummern wimmelt es von ernsthaften Kandidaten, die Anfang der Achtziger die Billboard-Charts problemlos hätten befeuern können. Die Jahre sind zwar vergangen, aber die musikalische Philosophie von Moss und Beckett bleibt unverändert.  Und sie zündet immer noch!

Beckett erinnert mit seiner Stimme vor allem in Songs, die stärker von akustischer Begleitung getragen werden, in seiner Sinnlichkeit an Alliance-Sänger Robert Berry, gelegentlich aber auch an seine Exzellenz Rick Springfield (To The Extreme) – dabei verbirgt er bei der Darbietung (Betonung) seiner Verse seine britischen Wurzeln nicht.

Das Album ist die richtige Adresse für Romantiker. Schnelle Rocker-Marschmusik gibt es wenig – genau genommen nur zwei: Man On Fire und Life In Color. Dafür bietet die organische Klanglandschaft jede Menge Raum für die Entfaltung reinblütiger subtiler Sinnlichkeit, mit der dieses Album voll überzeugt. Wie gesagt: Die Kompositionen sind wirklich bis aufs Äußerste ausgefeilt. Das ist ein Album, das in der Zeit verloren gegangen ist. Das Comeback-Album von Player im großen Stil. Eine echte Meisterstunde im Arrangieren von Songs – das ideale Beispiel für die ausgewogene Verbindung von Rock- und Pop-Elementen, gemacht fürs Radio. Ein wunderbares Album, das du jederzeit hören und mit dem du deine durch die täglichen Kämpfe energetisch leeren Batterien aufladen kannst.

Besetzung

Peter Beckett – Gesang, Gitarre, Hintergrundgesang
Ronn Moss – Bass, Hintergrundgesang
Rob Math – Gitarre
Johnny English – Keyboards
Craig Pilo – Schlagzeug

Produktion

Peter Beckett / Ronn Moss

Trackliste

1. Man On Fire
2. Precious
3. I Will
4. Tell Me
5. The Sins Of Yesterday
6. My Addiction
7. Too Many Reasons
8. To The Extreme
9. The Words You Say
10. Life In Color
11. A Part Of Me
12. Kites
13. Nothin‘ Like You
14. Baby Come Back

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