To Hell With God
Autor: Rok Klemše
Künstler: Deicide
Label: Century Media
Veröffentlichung: 2011
Laufzeit: 35:43
Wertung: 3/5
Es gab eine Zeit, als Death Metal noch ein junges Balg war, das die Schlünde der Hölle gerade erst aus ihren Tiefen ausgespuckt hatten. Das war die Zeit, als Bands wie Morbid Angel, Death, Obituary und Deicide das Pionierfeld des extremen Death Metals erkundeten und seine Geschichte schrieben. Die wohl am stärksten satanistisch geprägte Band der jungen Death-Metal-Meute war eben Letztere, die in den ersten Jahren ihres Bestehens einige unsterbliche Genre-Klassiker hervorbrachte, zu denen die Alben Deicide (1990) und Legion (1992) ohne jeden Zweifel gehören. Doch die Band unter der Führung unseres liebsten Teufelsverehrers, Glen Benton, befindet sich seitdem mehr oder weniger in den Nachwehen, der den Exorzismus vollziehende Priester durfte sich nur ausruhen, als Deicide 2006 scheinbar mit dem Meisterwerk The Stench of Redemption triumphierten. Doch die Gottesgeißel siegte erneut und schickte Deicide mit dem desaströsen Till Death Do Us Part zurück in die Finsternis. Doch das Biest wachte im Dunkeln und wartete auf seine Rückkehr – das Feuer wird erneut entfacht vom überaus einfallsreich betitelten To Hell With God.
Was bringt also das zehnte Album von Deicide? Nun ja, nichts allzu Erschütterndes, das man von ihnen nicht schon gehört hätte. In etwas mehr als einer halben Stunde servieren uns Deicide zehn im Schnitt drei Minuten lange Death-Metal-Ausbrüche. Naja, manche speien dabei nur ein kleines Flämmchen aus und keinen pyroklastischen Strom. Doch die erste Sache, die trotzdem eine große und angenehme Überraschung ist, ist die hervorragende Produktion, die sich wie Teufelsgabeln ins Trommelfell bohrt. Jedes einzelne Instrument ist klar und deutlich, sein Klang scharf und sauber. Für ein Brutal-Death-Metal-Album ist der Gitarrenklang etwas überraschend, da die Gitarren nicht so tief und knurrig sind wie sonst üblich, doch sind sie stellenweise sogar leicht eintönig und fad wie alkoholfreies Bier. Auf der anderen Seite sind als großes Plus wieder die eher thrasherig lebhaften Nummern zu nennen, die vor allem was das Riffing von Jack Owen betrifft, stark an die Rohheit und Aggressivität von Slayer erinnern. Doch die Riffs sind diesmal leider überhaupt nicht überraschend, da es sich um dieselben böse klingenden Gitarrenmuster handelt, die wir von Deicide schon zur Genüge kennen. Schön zu hören ist jedoch, dass die sich wiederholenden Tracks, von denen nur wenige herausstechen und im Gedächtnis bleiben, durch die schnellen, melodischen und außerordentlich sauber klingenden Soli von Ralph Santolla veredelt und bereichert werden. Santolla ist der größte „Schuldige“ für mehr Dynamik und Lebendigkeit in den Songs. Auch Bentons Gebrumm ist diesmal klarer und verständlicher, nicht mehr so sautief wie früher – doch obwohl die Texte dadurch tatsächlich hörbar sind, ist das allenfalls ein Minus. Benton bellt nach wie vor dieselben klischeehaften satanistischen Texte auf dem Niveau eines Grundschülers, der heimlich Pentagramme, umgekehrte Kreuze und 666er auf die Deckblätter seines Sachkunde-Hefts zeichnet. Nun, und nach dieser anfänglichen Begegnung mit Deicide folgt noch eine halbe Stunde mehr oder weniger desselben Blast-Beatings, Gebrumms, ähnlicher Riffs und des Nörgelns und Jammerns über den Athleten am Kreuz.
To Hell With God ist weit entfernt vom kompromisslosen Angriff des Albums The Stench of Redemption, aber dennoch eine deutliche Verbesserung, nachdem wir uns mit Till Death Do Us Part kniehoch in einen großen, dampfenden Kuhfladen hineinmanövriert hatten. Aber wenn Benton am Ende des Albums wie Porky Pig aus dem Cover springen würde, hätte sein „that’s all folks“ bei Weitem nicht einen so befriedigenden Effekt.
Besetzung
Glen Benton – Gesang, Bass
Jack Owen – Gitarre
Ralph Santolla – Gitarre
Steve Asheim – Schlagzeug
Produktion
Steve Asheim, Glen Benton & Mark Lewis
Trackliste
1. To Hell with God
2. Save Your
3. Witness of Death
4. Conviction
5. Empowered by Blasphemy
6. Angels of Hell
7. Hang in Agony Until You’re Dead
8. Servant of the Enemy
9. Into the Darkness You Go
10. How Can You Call Yourself a God