Tminski madrigalisti
Künstler: Tminski madrigalisti
Label: Eigenverlag
Erscheinung: 2012
Laufzeit: 37:32
Bewertung: 3.5/5
Die Tminski madrigalisti sind ein vokal-instrumentales Ensemble, das bereits seit 1996 aktiv ist. Die fünf kernigen und rührigen Jungs haben bis zum heurigen Jahr kein einziges Studiowerk veröffentlicht, lediglich die Tracks Grajska und Lejdih Stan sind auf der Kompilations-CD »Upitje izpod Migovca« (2001) erschienen. Nach so langer Aktivität wirst du schon fast zur Legende, und wenn du erst mal fast eine Legende bist, kommt von dir endlich auch die erste CD.
Diese Band ist unglaublich! Sie entstand eigentlich als Parodie – auf verschmitzte Art hat sie im echten Tolminer Volksgeist die Volkslieder, hauptsächlich aus der Tolminer Gegend, auf den Kopf gestellt. So fing alles an! Später begannen sie, eigene Songs zu komponieren und eigene Texte zu schreiben, im alten Tolminer Dialekt, ausgestattet mit reiner Akustik-Begleitung – also Flöte und Folk-Gitarre.
Endlich können wir’s sagen! »Die Inspiration liegt im Wein« verraten die roten Wangen der Jungs. Das gesamte Booklet funktioniert wie ein Handbuch für den Weinbau. Spaß beiseite. »Tminski madrigalisti« ist ein Album, das vor Humor strotzt und dich buchstäblich zum Weinen bringen kann vor Lachen – vorausgesetzt, du lässt dich wirklich intensiv auf die ganze Sache ein. Der charmante Tolminer Dialekt kann und will einfach nicht enttäuschen.
Fast alle Songs auf dem Album haben die Jungs selbst geschrieben – sowohl die Texte als auch die Melodien der Hauptthemen. Nur für den Track Abriblni haben sie sich die Volksmelodie »Dekle je po vodo šlo« ausgeliehen. »Klinta, koka, kanabis«, also das echte Kürzel für das berüchtigte »KKK«, kommt in seiner Hauptmelodie dem The Stranglers-Hit All Day And All Of The Night ziemlich nahe – vielleicht weckt gerade dieses Detail das Interesse an dieser CD auch bei Rockern.
Der Chorgesang ist im Sound der CD dem Hörer in seiner Ursprünglichkeit maximal angenähert – also in einem einzigen Take, ohne Korrekturen und zusätzliche Overdubs. Beim Zuhören wirst du als besonderen Nachtisch und als Beweis der Authentizität auch Alkoholdämpfe einatmen. Tabul und unmittelbar danach Madrigalisti besitzen völlig unterschiedliche Atmosphären. Das Quintett passt sich also voll und ganz der Aussage der einzelnen Tracks an, und so ist es leicht, die verschiedenen Stimmungslagen zwischen den einzelnen Album-Tracks zu unterscheiden.
Die Melodien können bisweilen geradezu mittelalterlich-madrigalesk anmuten, wie etwa im Eröffnungsstück Grajska, und dieses Gefühl vertiefen die zusätzlichen Flöten- und Akustikgitarren-Arrangements. Die Melodielinie kann im Moll stehen und dabei trotzdem den unterhaltsamen Charakter der Verse bewahren, wie in der erwähnten Grajska. Die Hauptmelodien erinnern zwar an den gewohnten Melos einzelner Volkslieder (Tabul, Franc, Lejdih stan,…), was bei dieser Art von Volkschorfolklore, wie sie die Tminski madrigalisti pflegen, völlig selbstverständlich ist. Dieses Phänomen wird jedoch durch eine eigenständige Harmonisierung der Vocals kompensiert, die die Waagschale so entschieden kippen, dass selbst einem Halbtauben nicht entgehen kann, dass er auf diesem Album nur die Tminski madrigalisti hört und niemanden sonst. An Authentizität mangelt es der Scheibe nicht. Wie todernst die Tminski madrigalisti den Weintrunk bis zum letzten Blutstropfen verteidigen, zeigt dir am eindrucksvollsten der Track Klintica. Die Verse in diesem Song wirken wie Liebe auf den ersten Blick – eine, die in dir nicht mal die heißeste Stute deiner wildesten Nachtträume entfachen könnte.
Das Album »Tminski madrigalisti« trägt die Pflege des Volksgedankenguts ins neue Jahrtausend. Dieses Werk ist »auf seine eigene Art verdreht«, wirkt dadurch aber auch für ein breiteres Publikum zugänglicher – und kann es gerade durch seinen funkelnden, treffsicheren Blödelhumor in der Lyrik für sich gewinnen: Für das Schluchzen alter Mütterchen ist hier kein Platz. Spannend wird es sein zu verfolgen, was die Band auf zukünftigen Werken anstellen wird. Werden sie auch den Einsatz zusätzlicher Instrumente traditioneller Herkunft integrieren oder weitere Gastmusiker einladen? Der Schabernack und die Ausgelassenheit dieser miniaturhaften Truppe angeheizter Spaßvögel scheinen kein Ende nehmen zu wollen. Hoffen wir, dass wir auf den Nachfolger dieses Albums, das dem verstorbenen Bandmitglied Valter Jelinčič gewidmet ist, nicht wieder mehr als ein Jahrzehnt warten müssen.
Besetzung
Domen Jeriha Perinčič – Gesang
Damir Mrak – Gesang
Marko Magajne – Gesang
Rok Cuder – Gesang, Flöte
Nikola Rutar – Gesang, Akustikgitarre
Produktion
Janez Zega
Tracklist
1. Grajska
2. Bje Čeča
3. Tebul
4. Madrigalisti
5. Ta pagrebna
6. Franc
7. Lejdih stan
8. Klintica
9. Matec
10. Žjefa
11. Kamercjalisti
12. Zlatolaska
13. Klinta, koka, kanabis
14. Abriblni
15. Fajn pobi