Tide mit Mosaic im Orto

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Ort: Orto Bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 06.03.2007
Besucherzahl: 200
Ticketpreis: 6,00€

Obwohl mein Tag ziemlich trübe angefangen hatte und das genaue Gegenteil von dem war, was man sich wünscht, habe ich Mut und Willen zusammengekratzt und mich zum Rockkonzert der heißen Tide aufgemacht, die in der Orto Bar in Ljubljana ihre Party steigen ließen. Das wird genau die richtige Therapie, die mir die Sorgen nimmt, sagte ich mir! Und genau so war’s.

Ich kam an, als die Jungs gerade Soundcheck machten, und klaute dann Sänger Kevin noch ein paar kostbare Minuten für ein Interview. Wie immer war ich auch diesmal dem üblichen Warten ausgeliefert, denn ich zählte fieberhaft die Minuten runter, bis die Jungs endlich auf die Bühne kommen! 

Gegen halb zehn enterten dann die Jungspunde die Bühne, die zusammen die Band namens Mosaic bilden. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, wer Mosaic überhaupt sind bzw. was für Musik sie spielen, und war vom Gesehenen und Gehörten umso angenehmer überrascht. Ihr Auftritt war eine überaus energiegeladene Mischung aus Pop-Rock und Alternative Rock, dazu haben die Jungs richtig stark afrikanische Percussion eingebaut, die in Kombination mit dem Schlagzeug-Duo ausgesprochen tribal klang. Eine schöne Auflockerung der Stimmung!

Übrigens haben die Jungs es faustdick hinter den Ohren, was in den Wortspielen einzelner Songtitel nur so funkelt. Zum Beispiel „Nais“! Wenn du bei dem Wort ein bisschen vor dich hin „träumst“ und „mantrierst“, kann nebenbei das englische „nice“ rauskommen, oder es kann der Gattungsname für eine Art von Süßwasser-Wenigborstern sein (für Ungebildete: ein wasserbewohnendes „Monster“, ähnlich einem Regenwurm). Dann ist da noch „P.ttana“, was bei den passenden Assoziationen locker bis an die Grenzen des guten Geschmacks führt, wo Vulgarismen in den Alltag hineinspielen, na ja, vielleicht hatte bei der Entwicklung des Namens aber auch jemand sogar das „dicke Mädl'“ im Sinn. Die, die so gern „mampft“ (P.ttana oder „pi-tana“).

Nachdem ich Mosaic jetzt so aus nächster Nähe kennengelernt habe, kann ich festhalten, dass es auf der Szene wieder  eine neue, vielversprechende heimische Band gibt! Die Jungs haben auch ein Gespür dafür, Musik und Äußeres (Look, Image) geschmackvoll zu verbinden, was enorm wichtig ist, um den Status des Bandnamens auf der Musikszene zu festigen! Wenn ich noch eine persönliche Note dazugeben darf, gibt’s von mir Extrapunkte für den Mosaic-Sänger, der bei dieser Gelegenheit ein Shirt der amerikanischen Band 30 Seconds to Mars trug, deren Musik ich irre gern höre. Lobenswert!

Es dauerte nur ein paar Sekunden, nicht mal Minuten, bis die Lieblinge des Abends, Tide, auf die Bühne kamen. Kein Intro, kein Spektakel, keine Lasershow,… Na und? Das ist sowieso gar nicht wichtig, denn auf der Bühne standen Tide. Das ist ein Quartett aufstrebender Jungs, das vor zwei Jahren laut und deutlich auf der slowenischen Szene eingeschlagen hat und sich schon einen ordentlichen Status bei uns erarbeitet hat, vor allem durch den intensiven Besuch von Konzertbühnen im letzten Jahr, was auch beweist, dass die Jungs ihren Eifer, ihren Willen und ihren Appetit darauf, sich auf der heimischen „Mainstream“-Szene durchzusetzen, keineswegs verstecken – ein übrigens äußerst kluges und vernünftig gewähltes Ziel!

Das Konzert eröffneten sie mit dem Song Strange Day. Es folgte eine schön runde Stunde und eine halbe laute Rockmusik, die in den Pausen zwischen den Songs von Kevins charismatischer und pausenloser Kommunikation mit dem Publikum gewürzt wurde, was alles Lob verdient und von einem Selbstbewusstsein zeugt, das wächst und wächst… In ihr aufstrebendes Repertoire haben Tide einiges an Material vom neuen, noch unveröffentlichten Album eingebaut. Das Publikum im ziemlich vollen Orto begeisterten aber am meisten die bewährten Songs vom Debüt „Seven Days“, wie Release My Gun, Brain Damage, Not a Whore und die Ballade Lost Inside, die mir persönlich sehr gefällt.

Tide zogen ihr Konzert energisch und überzeugend durch. Es gab zwar ein paar technische Pannen und Nachstimmen, aber wir mögen ja „Alter“, oder? Das ist Rock und das sind Dinge, die bei jedem normalen Konzert völlig normal sind. Klar, die Jungs wissen, dass noch viel Feilen und Sammeln von Konzertmeilen und -kilometern nötig ist, aber es ist großartig zu sehen, wie diese engagierten, unternehmungslustigen Burschen schneidig ihre Instrumente schwingen.

Der einzige große Minuspunkt des Konzerts war das ständige (buchstäblich das ganze Konzert lang) Geklicke irgendeiner Fotografin vor der Bühne. Und das mit Blitz! Ich weiß nicht, wer dafür verantwortlich ist, aber normalerweise gibt es beim offiziellen Fotografieren von Seiten der Veranstalter ein paar Vorgaben, und die Sache ist etwas besser organisiert. Es macht keinen Spaß, wenn der Blitz dir direkt in die Augen knallt. Offenbar hat die junge Fotografin ihre Manieren zu Hause gelassen. Aber egal, was soll’s? Das Tide-Konzert hat mich ordentlich angeheizt, meine Batterien aufgeladen und mir geholfen, den schweren Start in den Tag zu vergessen. Den Jungs von Tide danke ich für die regenerative, stärkende „Shock Rock“-Therapie und richte ihnen gleichzeitig aus, dass sie das Eisen schmieden sollen, solange es heiß ist!

Setlist

MOSAIC:
1. Kazalo
2. Zeeleeeni
3. Gravitacija
4. S.R.
5. 7
6. P.ttana
7. !
8. Nais
9. Breed

TIDE:
1. Strange Day
2. No Place Left To Go
3. Not a Whore
4. Release My Gun
5. Following
6. Tell It Like It Is
7. Misunderstood
8. Brain Damage
9. Shooting Straight
10. Leave This Place
11. On Your Own
12. Lost Inside
13. The Urge
14. Waiting For The R.
15. Evolution
16. Kick Out The Jams

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