Third Act

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Band: Evil Masquerade
Label: Escape Music
Release: 2006
Bewertung: 3/5

Allein der Sound und der Feinschliff des neuen Albums der dänischen „Power“-Metaller Evil Masquerade übertrifft die früheren Werke der Band. Evil Masquerade haben Songs geschrieben, die einen roten Faden haben, mit ausgefeilten Motiven und Wechseln, die den Fluss der Nummern nicht zerschneiden. Kurz: gut hörbar. Technisch glänzen sie wieder, diesmal mehr denn je. Die Songs sind glühend heiß, die Doublebass schaltet in den „Vollgas“-Gang und ab dafür, ihr Wikinger-Brüder! Los geht’s!

Dass die Band mit den klassischen Rainbow flirtet, kann sie auf jeden Fall nicht verstecken. Den Gesang übernimmt der Neuzugang Apollo Papathanasio (ex-Time Requiem) – der Ersatz für Henrik Brockmann, was sich als verdammt kluge Investition erwiesen hat, denn der neue Sänger bringt mit seinem mediterranen, temperamentvollen Melos jetzt deutlich mehr Wärme und noch mehr Melodik in die Musik von Evil Masquerade. Das rückt die Band näher an die modernen Trends, die der Power Metal heute in seinem Feld erreicht hat. Auch Apollo muss in seiner Karriere Ronnie James Dio als einen seiner prägenden Vorbilder gehabt haben. Und schon der Titelsong ist ein interessanter „Crossover“ aus dem Erbe von Y. J. Malmsteen, wofür Flyman verantwortlich ist, vor allem durch den Griff zu den typisch überschallschnell abgenudelten Barock-Arpeggios in den Gitarrenverzierungen, und Rainbow aus der Dio-Ära. Der Song Third Act erinnert stellenweise sogar an das Stück Kill The King von Rainbow, und zwar wegen der Art, wie der Sänger selbst seine Gesangsparts anpackt! Bring On The World erinnert gefährlich stark an den Rainbow-Klassiker Gates Of Babylon. Auch sonst wird man über das ganze Album hinweg das Gefühl nicht los, dass die Jungs durchgehend von den Werken der frühen Rainbow inspiriert sind, obwohl „Third Stage“ ein sehr modernes Power-Metal-Album ist. Die Keyboards sind typisch skandinavisch und verstecken die Ähnlichkeit zu Bands nicht, von Stratovarius bis Children Of Bodom ist da die ganze Palette solcher Bands vertreten. Wenn du die Band fragst, welcher der Höhepunkt der Platte ist, dann ist es sicher der hochatmosphärische Midtempo-Song I’ll Make You Burn, der Kenner aber irgendwie nicht überraschen kann, so fröhlich, wie er in den Fußstapfen der späten Black Sabbath wandelt. Aber das „Abgehackte“ an der Gitarre und das „Rausgerotzte“ im Gesang ist einfach in einem Wort: brillant. Trotz allem zieht einen diese erhabene, epische Kriegerstimmung, die die Band hinbekommt, zu sich heran und überzeugt, und das ist gut und positiv.

Bei all den Vergleichen kriegt man fast ein bisschen Angst, dass das Ganze dem Musikfeld rein gar nichts Besonderes bringt! Trotzdem ist auf dem Album alles technisch makellos und überzeugend gespielt, die Riffs und Passagen sind groß und packen schon beim ersten Hören. Der Gesang ist explosiv und extrem melodisch .Evil Masquerade gehören zu den komplexeren Power-Metal-Bands. Barocke Malmsteen-Sprünge, klassische „Proto-Hard-Rock“-Formen der guten alten Rainbow, gehüllt in ein modernes Power-Metal-Gewand. Evil Masquerade haben mit den anderen Bands ihres Genres Schritt gehalten und sich damit einen Hauch von Wiedererkennbarkeit erkämpft. Technisch gehören sie zur Spitze der Power-Metal-Szene. Tempo ist ihre Tugend! „Third Act“ ist ein Album, das Liebhabern klassischer Arrangements auf den Leib geschneidert ist, „runtergeschrammelt“ über „verzerrt“ wiederauferstandene Metal-Sounds, unterlegt mit gefährlichem Drum-Torpedieren und einem opernhaft ausgearbeiteten, melodisch zupackenden Gesang, der stets im Mittelpunkt steht.

Evil Masquerade haben ihr drittes Album veröffentlicht. Nach zwei ziemlich durchschnittlichen, klischeehaft angehauchten Alben kommen sie mit einem neuen zurück. Zum Glück ist das ein viel überzeugenderes Produkt als die Vorgänger. Bandchef, der hervorragende Gitarrist Henrik Flyman, war fest entschlossen, noch eins draufzulegen, und das ist ihm gelungen, die Band zumindest teilweise vom Etikett „Klischee“ zu lösen! Eine Erfahrung wert. Evil Masquerade haben das Potenzial und alle Voraussetzungen, sich weiterzuentwickeln und noch weiter zuzulegen!

Besetzung

Apollo Papathanasio – Gesang
Henrik Flyman – Gitarre, Backing Vocals
Thor Jeppesen – Bass
Dennis Buhl – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
David Rosenthal – Keyboards
Richard Andersson – Keyboards

Produktion

Henrik Flyman

Tracklist

1. The Devil’s Last Temptation
2. Third Act
3. Black Raves Cry
4. Descended From the Grave
5. Far Away
6. The Dark Minstrel Plays
7. I’ll Make You Burn
8. Under the Surface of Water
9. Orchestration For More Than One Horn
10. Bring On the World
11. The Final Goodbye

Spielzeit: 44.30

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