Things People Don’t Like

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Persons From Porlock
Label: ZARŠ Records
Veröffentlichung: 2016
Laufzeit: 39:13
Bewertung: 4/5

Persons From Porlock ist ein musikalisch »durchgeknalltes« Garagen-Rock-Quartett aus Ljubljana, das dem Rock-Untergrund verschrieben ist. Um zu erhellen, woher der »schräge«, aber überaus charmante Bandname kommt, muss man einen Blick auf die Landkarte werfen und den Blick irgendwo in Richtung der britischen Inseln schweifen lassen, wo man im englischen Somerset an der Westküste der britischen Insel das Dorf Porlock mit einer Bevölkerung von knapp 1.500 Menschen findet. Einst geschah es dem legendären britischen Dichter Samuel T. Coleridge, als er Ende des achtzehnten Jahrhunderts die Verse für das Gedicht Kublai Khan niederschrieb, dass sich ihm eine Person aus dem Dorf Porlock in den Schlaf schlich, die Coleridge als ungebetenen Gast bezeichnete, als Eindringling, durch den der Dichter seine Inspiration verlor und das Gedicht Kublai Khan niemals zu vollenden vermochte. Er blieb bei 54 Zeilen. Obwohl das Ganze an eine Anekdote grenzt, muss der Dichter wirklich schwere Traumata vieler nächtlicher Verfolgungsängste erlitten haben.

Kommen wir zurück in die Gegenwart. In unserem Fall haben wir gleich vier Eindringlinge aus Porlock »auf dem Rezensenten-Spieß«, die das Gemälde der berühmten »Kofetarica« von Ivana Kobilica zerlegt und nebenbei schon in früher Stunde Cankar den Tag versaut haben (siehe Albumcover).  Persons From Porlock ist also ein frischgebackenes Garagen-Rock-Quartett aus Ljubljana, das bereits 2015 auf der Kompilation »Klubski Maraton« aufmerksam machte, dass es sich um eine mutige Truppe handelt, die bereits in den Anfängen ihren ausgefeilten und unverwechselbaren musikalischen Charakter pflegt.

Persons From Porlock gehen die Musik elementar und effektiv an. Die meisten Songs erwecken das Gefühl verlängerter Jams, die in »trip-oide« Atmosphären eines entrückten oder abgewandten Bewusstseins geführt werden. Dieses Gefühl erzeugen jedenfalls die mit Effekten belegten Gitarren, die durchgehend unter der Last von Sustain und Reverb ächzen. Die Band borgt sich häufig einsaitige Motive, die den Melodiekern über den gewählten Gitarrenriff bringen, der seinerseits fett grollt und dabei auch durch den Einsatz von Wah-Wah-Effekten unterstrichen wird. Die Riff-Elementarität wird im Mix von einer dynamisch aktiven Rhythmuslinie umgürtet, die eine zusätzliche Dosis Adrenalin in die ansonsten zerebral entfremdeten Bewusstseinszustände bringt, in die euch der Stoff des Albums führen kann. Ja. »Things People Don’t Like« ist ein Album, das eine starke Konnotation von Psychedelik trägt. Stell dir Pink Floyd bei ihrem ersten Jam Mitte der Sechziger vor, als sie überhaupt zum ersten Mal ihre Instrumente in den Händen halten. Die benebelten Vokallinien wirken in den mehrstimmigen Melodien durchgehend etwas »extraterrestrisch«, als kämen sie aus dem Jenseits, und erzeugen eine benebelte Abwesenheit des Bewusstseins. Sie klingen retro, ziehen hin zur Schnittstelle der Rock’n’Roll-Geschichte von den Sechzigern in die Siebziger, irgendwo dort tauchten einst auch Hawkwind auf, und heute trifft man bei Vergleichen mit Zeitgenossen von Persons From Porlock auf eine Reihe von Revivalisten, an der Spitze mit Tame Impala.

Nicht dass Persons From Porlock zufällig jemanden kopieren würden, aber sie erschaffen schlicht Atmosphären, die assoziativ retro-klingend und psychedelisch wirken. In ihren Riffs navigieren sie furchtlos erkundend, bei den Arrangements verkomplizieren sie nicht viel, die Songs verfügen über das richtige Maß an Fluidität. Mitsamt den Übergängen und den Melodien der gesungenen Verse. Man spürt, dass die Band das gesamte Album auf Anhieb eingespielt hat. Beim ersten Versuch. In den Arrangements werden bewusst Tricks der »Dissonanz« eingesetzt, wie das Biegen langer Tonbögen um einen Halbton nach oben oder unten; auch die Vokallinien können bewusst von der idealen Melodielage abweichen. Alles absichtlich und mit dem Ziel, die Atmosphäre einer benebelten, hohlen Stumpfheit zu kreieren, in der dich Morpheus ganz leicht in seine Schwingen hüllt und ins Reich der Träume entführt.

Die Stärke der Gruppe liegt darin, dass sie Dinge ans Licht bringt, die wir schon ein wenig vergessen hatten, und sie auf unaufdringliche, ungemein geschmackvolle, andersartige und natürlich eigene Weise in ihr musikalisches Material implementiert. Wohin sich die Gruppe in Zukunft entwickeln und ausdrucksmäßig schwingen wird, lässt sich nicht fair vorhersagen, aber hoffen wir, dass sie den eingeschlagenen Richtlinien treu bleibt. Die Ideen sind schlicht hervorragend und das Album angenehm abwechslungsreich und lebendig. Ohne übermäßige motivische Wiederholungen, die sonst zu Vergleichen mit dem bereits ziemlich abgenutzten Trendismus des Begriffs Post-Rock zwingen würden.  

Persons From Porlock – Forever Sun (offizielles Video):

 

Besetzung

Nikolaj Mulej – Gesang, Gitarre
Martin Pavlovec – Gitarre
Gregor Bajc – Bassgitarre 
Vasja Onič – Schlagzeug 

Produktion

Gregor Bajc & Persons From Porlock

Trackliste

1. Slasher Flick
2. Charlie
3. Other
4. Avalanche Peak
5. Forever Sun
6. Pipe Paranoja
7. No Sleep
8. Alprazolove
9. Velleity 

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