The Unravelling

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Autor: Peter Podbrežnik

Künstler: Knifeworld
Label: Inside Out Records
Erschienen: 2014
Laufzeit: 45:20
Wertung: 4/5

»The Unravelling« ist das zweite Album der modernen britischen Psychedelic-Rocker Knifeworld und ihr erstes Studiowerk, das beim führenden Progrock-Label Inside Out erschienen ist. Letzteres ist für seine hohen Maßstäbe bei der Zusammenarbeit mit einzelnen Künstlern bekannt, da es neben etablierten Namen üblicherweise nur die talentiertesten Acts aus der Welt der experimentellen Musik unter seine Fittiche nimmt.

Dieses einzigartige britische Oktett, angeführt vom im Iran geborenen Komponisten, Leadsänger und Gitarristen Kavus Torabi (Gong, Guapo), setzt sich aus Mitgliedern von Cardiacs, Gong, Guapo und Chrome Hoof zusammen, was bedeutet, dass es unterschiedlichste Klangelemente aller genannten Bands in sich vereint. Knifeworld schwören bei ihrem ungewöhnlichen, ziemlich experimentellen musikalischen Ansatz vor allem auf eine höchst eklektische Mischung aus Psychedelic-Rock, Alternative und Pop, wobei in ihrer Musik ein außerordentlich breites Spektrum an verschiedenen musikalischen Einflüssen spürbar ist, das so unterschiedliche Künstler wie Henry Cow, Black Sabbath, Gong, Syd Barrett, XTC, Steve Reich, Led Zeppelin, Magma, Todd Rundgren, Voivod und Sonic Youth umfasst – um nur jene zu nennen, die auch die Vertreter des Labels Inside Out beim Hören wahrgenommen haben. Letztere bewerben diese Einflüsse innerhalb der Knifeworld-Musik auch mit einem eigenen Aufkleber.

Trotz dieser so bunten Sammlung an musikalischen Einflüssen haben Knifeworld einen ziemlich eigenständigen musikalischen Stil entwickelt, weshalb sie sich schon sehr bald zahlreiche Anhänger innerhalb der modernen ‚Underground‘-Experimentalmusikszene erworben haben, wo einzelne junge Bands, die es auch heutzutage noch schaffen, mit Spontaneität und Unberechenbarkeit zu begeistern, mit offenen Armen und vor allem offenen Ohren empfangen werden.

Auch auf »The Unravelling« bleiben Knifeworld ihrem experimentellen musikalischen Auftrag treu, denn auf dem Album mangelt es nicht an individuellen psychedelischen Ausrastern und unterhaltsamen jazzigen Improvisationen, bei denen neben den Saxofonen auch das Fagott unter der Regie von Chloe Herrington eine wichtige Rolle spielt. »I Can Teach You How To Lose A Fight« mit Melanie Woods am Lead-Gesang ist für Knifeworld-Verhältnisse eine ziemlich melodische Albumöffnung, die aber vor allem durch düstere gitarristische und vokale Improvisationen, die klingen, als kämen sie aus einer anderen Dimension, in starke experimentelle Gewässer gezogen wird. Die vokalen Wechselspiele zwischen Woods und Torabi sorgen für wunderbare Kontrastwirkung und halten die intensive Atmosphäre zwischen den leidenschaftlichen Bläserpassagen schön aufrecht.

»The Unravelling« strotzt nur so vor abenteuerlustiger Eklektik, an der vor allem jene Hörer mit erlesenem Geschmack ihre Freude haben werden, die experimentelle Legenden wie Henry Cow und Gong zur normalen Nachmittagsentspannung auflegen. »Don’t Land On Me« enthält ein Space-Rock-Intro aus dem Reich von Emmett Elvin, der über elektronisch eingefärbte Synthesizer-Texturen schnell ein psychedelisches Ambiente schafft, dem dann plötzlich ein überraschender Übergang in einen pastoralen und entspannten Abschnitt mit reichlichem Fagott-Einsatz und exzellenten männlich-weiblichen Vokalharmonien folgt.

Selbst wenn Knifeworld mitten im avantgardistisch-psychedelischen Improvisations-Chaos stecken, überraschen sie plötzlich mit unglaublich fließenden Übergängen in melodische Abschnitte, sodass man solche Momente auch mit etwas dünneren Nerven ruhig genießen kann. Der Hauptkandidat für das ‚abgefahrenste‘ Experiment ist zweifellos der Song »The Skulls We Buried Have Regrown Their Eyes«, ein waschechtes psychedelisch-avantgardistisches Karussell im wahrsten Sinne des Wortes. Torabis gereiztes und paranoisches vokales Aufbegehren inmitten der düsteren Atmosphäre erinnert an das Gestammel von jemandem mitten in einer schlimmen Entzugskrise, während die avantgardistischen instrumentalen Aussetzer an gewisse ‚Entgleisungen‘ bestimmter Vertreter der RIO-Szene aus den Siebzigern erinnern.

Knifeworld haben mit »The Unravelling«, einer wunderbaren klanglichen Demonstration experimenteller Durchdringungskraft und dramatischer Eklektik, bewiesen, dass es noch Hoffnung für die moderne britische Psychedelic-Rock-Szene gibt, die schon mehrmals am Rande des Aussterbens stand – auch wenn sie bei ihrem vehementen Experimentieren erwartungsgemäß kein ’neues Wasser‘ erfinden, sondern vor allem beweisen, dass sie sich bei vergangenen Meistern dieser ungewöhnlichen musikalischen Ausdrucksformen so einiges abgeschaut haben. Grund genug, ihnen auch in Zukunft etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen, denn es steht kaum in Zweifel, dass noch zahlreiche interessante und ‚abgefahrene‘ musikalische Überraschungen folgen werden.

Besetzung

Kavus Torabi – Gesang, Gitarre
Melanie Woods – Gesang, Perkussion
Emmett Elvin – Keyboards
Charlie Cawood – Bass
Ben Woollacott – Schlagzeug
Chloe Herington – Fagott, Saxofon, Begleitgesang
Josh Perl – Saxofon, Begleitgesang
Nicki Maher – Saxofon, Begleitgesang

GASTMUSIKERINNEN:
Katharine Blake – Violine
Anna Tam – Viola auf „I’m Hiding Behind My Eyes“

Produktion

Kavus Torabi

Trackliste

1. I Can Teach You How To Lose A Fight (5:14)
2. The Orphanage (1:33)
3. Send Him Seaworthy (6:36)
4. Don’t Land On Me (8:02)
5. The Skulls We Buried Have Regrown Their Eyes (4:45)
6. Destroy The World We Love (6:05)
7. This Empty Room Once Was Alive (3:50)
8. I’m Hiding Behind My Eyes (9:15)

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