The Lucky Ones

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Interpret: Pride Tiger
Label: EMI Records
Veröffentlichung: 2007
Laufzeit: 43.00
Bewertung: 2/5

Pride Tiger sind die großen Hoffnungsträger der kanadischen Hardrockschule, die sich einer einfachen Formel bedienen – dem Rasseln der einspurigen Maschinerie des generischen Rock & Roll. Letztere riecht leider dank allzu offenkundiger Sympathie für die musikalischen Leitlinien der Vergangenheit allzu oft nach beinahe urlaubsmäßiger Begeisterung für schwere Rockmusik. Das Problem von Pride Tiger liegt aber auch in der besessenen Verehrung der Thin Lizzy-Ikonografie, die das bisschen innovative Eigenständigkeit auf The Lucky Ones schamlos überschattet.    

The Lucky Ones beweist, dass Pride Tiger in erster Linie ausgesprochen problematische Thin Lizzy-Abhängige sind. Eigenständigkeit ist also nicht gerade eine Sache, auf die die Jungs setzen könnten, obwohl die selbstsichere Haltung des Quartetts während der knapp dreiviertelstündigen Dreifachgitarren-Offensive keinerlei übermäßige Beschäftigung mit besagter Problematik erahnen lässt. Die dichten Gitarrenattacken der Saitenkünstler Sunny Dhak und Bob Froese vermitteln den Eindruck auswendig gelernter Auseinandersetzungen des Duos Robertson/Gorham – ohne deren Schmalz, Sinnlichkeit oder Ansteckungskraft jedoch zu erreichen. Eine Identitätskrise ist gewiss eine unangenehme Sache, doch hier nagt sie schamlos auch an der verwaisten Vokalperformance von Matt Wood, dem Herrn, der Pride Tiger gleichzeitig noch mit einem äußerst störenden synkopierten Rhythmusfundament versorgt. Matt ist kein sonderlicher Vokalist, aber – sieh mal an – das war auch sein großes Idol Phil Lynott nicht, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass zwischen den beiden ein unüberbrückbarer Abgrund liegt. Klar, Lynott war eine einzigartige Figur, ein erstklassiger Frontman, dessen einfache, direkte Lyrik aus der Gedankenwelt und dem kulturellen Hintergrund der Arbeiterklasse schöpft. In Matts Stimme fehlt genau das – der rohe Vagabundencharme, mit dem der Herr vielleicht zumindest jene hätte überzeugen können, die nicht mit dem Thin Lizzy-Erbe vorbelastet sind.

The Lucky Ones hat auch seine Momente, oder zumindest kurze Aufblitze, die beim Hinweis auf die gut getarnten Potenziale der Band die Sinne des durchschnittlichen Hörers großräumig umgehen. Tracks wie das einleitende Let’em Go oder The White Witch Woman Blues, mit stämmig aufgestellten Riffs und gut eingespieltem Rhythmusgetriebe, das mit blutigen Fäusten schamlos in Richtung Genitalien zielt, deuten eine Richtung an, in die es sich für Pride Tiger zukünftig zu wenden lohnen würde. Genug rohe Energie verspricht auch It’s Only You, auf jeden Fall aber weitaus mehr als die nutzlosen Instrumentals A Long Way Down und Wizard’s Council, deren Sinn sich dem gesunden Menschenverstand auch nach mehrmaligem Hören entzieht.   

Angesichts der Langeweile von Nummern wie No One’s Listening und Sweet Dreams, die dem Großteil des Albums in der dürren Rolle vage angelegter Lizzy-Bearbeitungen dominieren, erscheint eine Hinwendung zur innovativen und eigenständigen Weiterentwicklung der Band eigentlich zwingend notwendig – zumindest wenn die Jungs mit ihrer Show in Zukunft auf positivere Reaktionen stoßen wollen! Andernfalls kann es schnell passieren, dass das Leben von Pride Tiger in der Rolle einer erstklassigen Rockattraktion natürlich nicht nach Plan läuft. In diesem Szenario können die Jungs letztendlich die Kampffarben aufstrebender Rocker natürlich schnell gegen die Trikolore irgendeines löblichen „tribute to“-Kollektivs eintauschen. Jetzt bleibt nur noch eine Frage: welchem?  

Besetzung

Matt Wood: Gesang, Schlagzeug
Sunny Dhak: Gitarre
Bob Froese: Gitarre, Hintergrundgesang
Aaron McHattie: Bass, Hintergrundgesang

Produktion

Pride Tiger

Trackliste

1. Let’em Go
2. What It Is
3. Fill Me In
4. A Long Way Down
5. The White Witch Woman Blues
6. The Lucky Ones
7. It’s Only You
8. No Ones Listening
9. Sweet Dreams
10.Wizard’s Council
11. Forget Everything
12. A New Jones
13. 56 Days

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