The Latter Rain
Autor: Rok Klemše
Interpret: In Vain
Label: Indie Recordings
Release: 2007
Hin und wieder taucht eine Band auf, die sich unmöglich in die zahlreichen Metal-Genres einsortieren lässt. Oft entscheiden sich Bands nur wegen des höheren Wiedererkennungswerts, des Andersseins, aus dem Wunsch heraus, sich von der Masse der Bands eines bestimmten Genres abzuheben, für so einen Weg. Eine solche Truppe ist auch das praktisch frischgebackene norwegische Quartett In Vain. Vielen Bands kann man bewusstes Herumspielen und Experimentieren mit verschiedenen Genres vorwerfen, und obendrein gelingt nur den wenigsten wirklich eine gute Mischung… In Vain sind das genaue Gegenteil davon und der perfekte Beweis, dass man im heute in vielen Bereichen schon ausgelutschten Metal noch frische und originelle Bands erwarten kann. Obwohl Schubladendenken eine unglaublich undankbare Aufgabe ist, versuche ich In Vain trotzdem einzuordnen… ähm… in Genres. Ja, In Vain berühren nämlich praktisch alle großen Spielarten des Metal – auf The Latter Rain hören wir alles von progressiv angehauchtem Clean-Death- und Black-Metal über Heavy Metal, Gothic und Doom Metal bis hin zu emotional aufgeladenen atmosphärischen Passagen und sogar gelegentlichen düsteren „Pop“-Parts im Stil von Nick Cave.
Das klingt gezwungen, aber keine Sorge: The Latter Rain fließt so flüssig und natürlich, und die Genres sind so unglaublich gut aufeinander abgestimmt, dass wirklich alles genau da sitzt, wo es hingehört, und uns bei einer gut einstündigen Platte nichts anderes übrig bleibt, als uns dieses komplexe Meisterwerk noch mal reinzuziehen… und noch mal… und noch mal…
In Vain, 2003 gegründet, haben schon mit der EP Wounds (2005) dafür gesorgt, dass Fans und Musikkritiker die Ohren spitzten. Mit The Latter Rain ist es ihnen gelungen, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Auf der Platte gastieren fast 20 Musiker, darunter besonders hervorzuheben die Sänger Jan K. Transeth (In The Woods) und Kjetel Nordhus (Trail of Tears und Green Carnation). Gesanglich ist die Platte also richtig stark, der Wechsel zwischen Frigstads brutalem Black-Metal-Gesang und den hervorragenden Cleanvocals ist fantastisch und schafft eine ganz besondere Atmosphäre. Die instrumental genialen Kompositionen aus den Fingern des Hauptsongwriters, Gitarrist Haaland, sind mächtig und komplex, zugleich aber unglaublich eingängig, melodisch und randvoll mit scharfen, tollen Riffs und unglaublichen Passagen. Stellenweise erinnert The Latter Rain an die besten Momente der schwedischen Champions Opeth, doch In Vain sind weit davon entfernt, billig zu kopieren.
In Vain greifen auf The Latter Rain sogar zu Instrumenten, die im Metal fast unerhört sind. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Saxofon und Cello, die zwar nur hin und wieder auftauchen, aber wenn man sie hört, zaubern In Vain damit etwas Wunderschönes und so Geschmackvolles, dass man es sich am liebsten aufs Brot schmieren würde. In 65 Minuten Spielzeit findet man unmöglich einen einzigen schwachen Moment, und die im Schnitt 6, 7, sogar 8 Minuten langen Songs sind so gut strukturiert, dass jede Langeweile im Keim erstickt wird. Normalerweise vergleicht man in Reviews neuer Bands die Musik mit ähnlichen Bands, zählt Einflüsse auf und so weiter. Bei In Vain ist das völlig unnötig und eigentlich unmöglich. The Latter Rain ist eine Platte, die einfach in dein Regal gehört, denn es passiert nämlich nicht gerade oft, dass ein so gutes Stück Musik das Licht der Welt erblickt. Auch einzelne Tracks hervorzuheben ist unnötig, denn wirklich einer ist besser als der andere.
The Latter Rain ist eine Platte, die bei jedem erneuten Hören neue Überraschungen und noch unentdeckte Winkel des breiten Klangbilds bietet, das In Vain auffahren. Da leckt man sich alle zwanzig Finger! The Latter Rain ist ein mutiges Release, dessen Mut sich auf ganzer Linie auszahlt, und In Vain sind die Metal-Band der Zukunft!
Besetzung
A. Frigstad: Gesang
J. Haaland: Gitarre, Programmierung
S. Nedland: Cleangesang, Piano, Orgel
E. Fuglestad: Gitarre
GASTMUSIKER:
Kristian Wikstřl: Bass, Gesang
Glenn Vorhaug: Saxofon
Simon Andersen: Cello
Jan K. Transeth: Gesang
Kjetel Nordhus: Gesang
Produktion
In vain
Tracklist
1. The Latter Rain 01:45
2. In the Midnight Hour 09:41
3. Det Rakner! 08:27
4. October´s Monody 06:33
5. Their Spirits Ride with the Wind 08:47
6. I Total Triumf 06:04
7. The Titan 07:09
8. As I Wither 07:39
9. Morning Sun 02:20
10. Sorgenfri 06:33