The Last Stand
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Sabaton
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 2016
Laufzeit: 44:56
Bewertung: 4/5
Die feurigen Power-Metal-»Panzer« aus Schweden – die Rede ist natürlich von den ungestümen »Kriegsmetallern« Sabaton – kehren mit ihrem achten Studioalbum auf die Szene zurück, dem sie den Titel »The Last Stand« verliehen haben.
Wie immer begleiten auch diesmal die elf brandneuen Songs nicht nur die exzellente Produktion des renommierten Peter Tägtgren (Hypocrisy, Pain), sondern auch – wie stets (und das ist bei Sabaton Pflicht) – Texte, die sich auf alle erdenklichen kriegerischen Ereignisse der Menschheitsgeschichte stützen. Seit Anbeginn der Zeit.
Diesmal haben sich Sabaton militärische Schlachten als Thema ausgesucht, die entscheidend waren und bei denen die Verteidiger die Oberhand hatten – egal ob das Ende für die Hauptfiguren glücklich oder tragisch ausfiel. Mal brachten diese Schlachten eine Wende im Kriegsverlauf, mal handelte es sich um finale Gefechte usw.,… Die Geschichten jeder einzelnen sind überall zu finden, also wirst du sie sicher mit Vergnügen im Internet oder in irgendeiner Geschichtsenzyklopädie nachlesen. Besonders erwähnenswert ist vor allem die Geschichte, die mit dem Abschluss-Track des Albums The Last Battle verbunden ist. Es handelt sich tatsächlich um die letzte Schlacht des Zweiten Weltkriegs, an der deutsche Wehrmacht-Soldaten und Alliierte beteiligt waren. Mehr noch: Sie kämpften nämlich auf derselben Seite, um französische Geiseln vor dem Angriff der letzten fanatischen SS-Besessenen zu schützen. Die Schlacht (um Burg Itter in Österreich) tobte noch einige Tage, nachdem Hitler Selbstmord begangen hatte und dem Dritten Reich die letzten Minuten blieben. Sie endete genau an dem Tag, an dem Dönitz auch offiziell die Kapitulation des Dritten Reichs erklärte.
»The Last Stand« erhielt bis zur offiziellen Veröffentlichung ordentliche Promo-Unterstützung, denn Sabaton haben vor dem Album-Release gleich drei Promo-Singles herausgeworfen, und zwar für die Songs: The Lost Battalion, Blood of Bannockburn und Shiroyama.
Nun, Sabaton bleiben eine unveränderliche Konstante. Bombast, hohe Musikalität, beim ersten Hören schon fast hypnotisch ansteckend. Mit Orchester-Arrangements ausgeschmückte Riffs, Brodéns kehlig-brummender Gesang, geschickt in Chor-Arrangements »eingetaucht«. Nichts Neues also. Nur ein Album, das den unersättlichen Sabaton-Fans gerecht wird. Und diese Basis ist riesig. Und wächst weiter und weiter. »The Last Sand« ist ein Album, das genau zu diesem Zweck geschaffen wurde. Mächtige Chormelodien, in die man bei den Refrains auch als Normalbürger problemlos einstimmen kann. Auf den neuen Sabaton-Konzerten wird es also mächtig abgehen. Das Album »The Last Stand« steht. Kompositorisch und natürlich klangtechnisch. Es fehlt ihm absolut nichts. In dieser Hinsicht jedenfalls. Aber auch an Vorhersehbarkeit und klischeehafter Wirkung mangelt es nicht. Doch das ist schon eine Konstante, an die ihr euch bei Sabaton gewöhnt habt, oder?
»The Last Stand« werden statt Werken von Sonata Arctica also wieder Teenager hören, denn reifere Musikliebhaber können sich (oder können wir uns) eben Gaumenkitzel gönnen, die in ausdruckskünstlerischer Hinsicht um einiges höher reichen. Das Leben ist nämlich zu kurz – warum sollte man es mit Fan-Fanatismus für Bands verschwenden, die in entwicklerisch-ausdrucksmäßiger Hinsicht absolut nichts (Neues) auf die Szene bringen. Und trotzdem: Sabaton verdient Anerkennung. Sie haben es geschafft! Daher lässt sich nicht leugnen, dass sie eine ausgezeichnete Band sind, auch wenn sie sich klonen. In ihren schwedischen Genen tragen sie natürlich die Musikalität, die vom ABBA-Perfektionismus geerbt wurde. Und an die Dinge, die sie angehen, gehen sie eben professionell und mit Perfektionismus heran. In ihnen glimmt ein Funke, den nicht jede Band hat. Deshalb sind sie auch eine der beliebtesten Bands auf der aktuellen Heavy-Metal-Szene. So beliebt, dass sich auf der bevorstehenden neuen Februar-März-Tournee die wahren Pioniere des europäischen Metals als Vorband zu ihnen gesellen werden. Holt kurz Luft, denn das wird euch zunächst überhaupt nicht einleuchten. Die berühmten Väter des teutonischen Metals: Accept.
»The Last Stand« ist also das Album, das sich die Fans der Band schlicht gewünscht haben. Üppig ausgeschmückt. Kompositorisch und produktionstechnisch. Druckvoll und außerordentlich musikalisch. In der Musikalität zwar allgemein vorhersehbar, in den kompositorischen Lösungen eigentlich schon geradezu kindisch vorhersehbar. Deine Lieblingstracks wirst du selbst herausfinden. Übrigens: Winged Hussars erinnert im Refrain an Cliffs of Gallipoli. Trotz des Klonierens wirkt es erkennbar geklont. Sabatonmäßig! Und die neuen Songs werden sich auf den Konzertbühnen hervorragend in die älteren Songs des eisernen Konzertrepertoires einreihen. O tem ne gre dvomiti. Die Mission ist für Sabaton erneut voll und ganz aufgegangen!
Sabaton – The Lost Battalion (offizielles Video):
Besetzung
Joakim Brodén – Gesang
Pär Sundström – Bass
Chris Rörland – Gitarre, Hintergrundgesang
Thobbe Englund – Gitarre, Hintergrundgesang
Hannes van Dahl – Schlagzeug
Produktion
Peter Tägtgren
Trackliste
1. Sparta
2. Last Dying Breath
3. Blood of Bannockburn
4. Diary of an Unknown Soldier
5. The Lost Battalion
6. Rorke’s Drift
7. The Last Stand
8. Hill 3234
9. Shiroyama
10. Winged Hussars
11. The Last Battle
12. Camouflage*
13. All Guns Blazing*
*…Bonustracks