The Landing

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Iron Savior
Label: AFM Records
VÖ: 2011
Laufzeit: 49:20
Wertung: 4/5

Das neue Album der deutschen Power-Metaller Iron Savior kommt wie gerufen, um den schlechten Eindruck wettzumachen, den Helloween und Grave Digger zuletzt mit ihren neuesten Studioalben hinterlassen haben. Kurz vor der neuen Iron Savior-Platte hatten bereits Brainstorm mit ihrem ausgezeichneten neuen Album diesen bitteren Nachgeschmack spürbar gemildert – doch »The Landing« ist ein weiteres Beispiel für ein Album, das genau so gemacht ist, wie es gemacht werden muss, wenn wir über Iron Savior reden.

Iron Savior sind ein weniger bekannter Name in der Power-Metal-Szene, der seit dem fernen Jahr 1997 existiert, als Piet Sielck zusammen mit seinen Kumpels Kai Hansen (Gamma Ray, ex-Helloween) und Thomen Stauch (ex-Blind Guardian) das Ganze ins Leben gerufen hat. Piet Sielck ist mit seinem Wirken und seiner Person untrennbar mit den Karrieren von Helloween, Gamma Ray sowie Blind Guardian verwoben und hat in den Anfängen all dieser Bands eine wichtige Rolle gespielt – mit Ideen, als Produzent und Co-Arrangeur. Kurzum: ein Mann, der heute zur  Liga der „Metal-Weisen“ und gewissermaßen der Gurus des deutschen Power Metal gehört.

All das spiegelt sich auch im neuen Iron Savior-Album wider, dem ersten nach vier Jahren seit dem Erscheinen von »Megatropolis« (2007). In den Riffs und im Songwriting-Stil ist ein ähnliches musikalisches Verständnis nicht zu überhören, wie es charakteristisch für Gamma Ray ist – und gelegentlich auch für Blind Guardian. An Gamma Ray erinnert das eigentliche Riffing, das typische harmonische Zupfen über den Riffs; an Blind Guardian hingegen am deutlichsten Sielcks Gesang (wenn er durch Vokalharmonien noch kräftiger untermauert wird), der zwar nicht dieselbe Flexibilität des Stimmumfangs verkörpert – und auch nicht die klangfarbliche Artikulation von Hansi Kürsch (Blind Guardian) – aber eine außerordentliche Kraft beibehält, wie sie die unaufhaltsame Riff-Attacke auf vampirhaft rollenden Doppelbassdrum-Pedalen verlangt.

Nach der vierjährigen Pause serviert Sielck ein Album optimal geschneiderter Power-Metal-Marschierer, denen man wirklich nichts wegnehmen und nichts hinzufügen könnte. Hymnisches Pathos, epische Bombastik, atmosphärische Höhepunkte in den Refrainmelodien, hervorragendes, giftig gezacktes, primordiales Riffing, das aus der echten alten teutonischen Metal-Schule stammt – so wie sie seit jeher in Hamburg und Umgebung gebraut wird. Stahlhärteren und klassischer klingenden Power Metal von streng deutscher Prägung findest du kaum noch irgendwo.

Auch wenn die stilistische Ähnlichkeit mit Gamma Ray zeitweise schon verblüffend eng ist, muss man das in diesem Fall nachsichtig betrachten – denn ihre Karrierewege sind von Anfang an eng mit Gamma Ray verflochten. Drummer Thomas Nack war nämlich in der Frühphase von Gamma Ray deren Schlagzeuger, also in der ersten Hälfte der Neunziger, und in der Besetzung von Iron Savior spielten sowohl Kai Hansen als auch sein Gamma Ray-Kumpel Daniel Zimmermann. Das Album trägt erwartungsgemäß einen Eröffnungstrack, der die Stimmung schrittweise aufbaut, bis das alles in das Accept-typisch aufgepeitschte The Savior übergeht – eine ausgezeichnete Eröffnungswahl, die sofort einen echten Adrenalinstoß in deine Blutbahn jagt, bei dem echte Power-Metal-Fans automatisch anfangen zu headbangen.

Die Produktion ist ausgezeichnet und erfüllt die höchsten Anforderungen, die Euro Power Metal stellt! Die Riffs giftig aufgedreht und in den Vordergrund geschoben, der Gesang kommandiert sie vehement, entschlossen und autoritär, die Rhythmussektion optimal ausbalanciert – und die Basslinien werden keineswegs vom Stampfen der Doppelbassdrum überrollt, was in der Vergangenheit oft eine Achillesferse vieler Power-Metal-Alben war. Bei Vergleichen: Tracks wie Moment in Time sowie der schnellste Song des Albums, Faster Than All (der Name sagt alles), kommen dem Klang der alten Gamma Ray am nächsten, während das »Schmuckstück« Hall Of The Heroes im Intro mit einer kleinen Riff-Überraschung an den epischen Grave Digger-Klassiker The Round Table erinnert. R.U. Ready sticht auf dem Album hervor als rockig »entspannter« Track, in dessen Strophen Hommagen an die Giganten der Rockmusik aufgereiht werden, ohne die Piet Sielck und Kompanie sich den heutigen Metal in all seinen Spielarten kaum vorstellen könnten. Dann gibt es noch Before The Pain, das sich ebenfalls von den anderen abhebt – eine ruhige, balladenhafte Nummer, was man von Iron Savior so nicht gewohnt ist; aber Hauptsache, das Ding, vollgepackt mit feierlicher Bombastik und ausgezeichneten Lösungen in der Auswahl und Kombination der Leitmelodien, funktioniert auf dem Album vollständig und bewahrt als solches seine volle Glaubwürdigkeit.

»The Landing« ist ein unglaublich reifes neues Studioalbum von Iron Savior. Ich kann sagen: eines der besten Werke, die diese Band je in ihrer Karriere veröffentlicht hat. Schlicht und einfach. Routine, Kilometer, Wissen und Erfahrung. Dazu kommt die lange Pause zwischen dem vorherigen und dem neuen Album, in der genug Zeit war, die besten neuen Ideen auszuwählen und sie optimal umzusetzen! Deswegen ist das ein neues Iron Savior-Album, das von Kopf bis Fuß dem grundlegenden musikalisch-expressiven Vokabular der Band verschrieben ist – und gleichzeitig frisch und druckvoll wirkt, das ideale Gleichgewicht zwischen epischer Bombastik eingängiger melodischer Hymnen und ultra-hochvoltiger Metal-Wucht effektiv aufrechterhält. Ihr Power-Metal-Fans müsst dieses Werk unbedingt checken.

Besetzung

Piet Sielck – Gesang, Gitarre
Joachim „Piesel“ Küstner – Gitarre, Hintergrundgesang
Jan-Sören Eckert – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Thomas Nack – Schlagzeug, Hintergrundgesang

Produktion

Piet Sielck

Trackliste

01. Descending (1:05)
02. The Savior (4:48)
03. Starlight (4:51)
04. March of Doom (4:43)
05. Heavy Metal Never Dies (4:14)
06. Moment in Time (5:07)
07. Hall of the Heroes (5:39)
08. R. U. Ready (4:49)
09. Faster than All (5:03)
10. Before the Pain (4:34)
11. No Guts, No Glory (4:31)

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