The Hybrid

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Scintilla Project, The
Label: UDR
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 53:14
Bewertung: 4.5/5

Es ist schön mitzuerleben, wie ein Metal-Urgestein wie der große Anführer und Sänger der unsterblichen Saxon, Biff Byford, sich auch mal in etwas andere Gefilde wagt. Sicher, stilistisch bleibt das alles nah am Saxon-Universum – aber trotzdem. The Scintilla Project entstand aus der Begeisterung für den Action-Horrorfilm »Scintilla« und ist dementsprechend konzeptionell angelegt. Die Filmhandlung dreht sich um die Schrecken genetischer Laborversuche, die die Menschheit weder sehen noch kennen darf und die in strengster Geheimhaltung, tief verborgen im Herzen Sibiriens – man glaubt es kaum – zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion stattfinden.

Byford fasste die Idee zu einem neuen Musikprojekt während der Aufnahmen zum 19. Studioalbum von Saxon, „Call To Arms“ (2011), als ihn der Ko-Produzent des besagten Saxon-Albums, Toby Jepson, bei der Gelegenheit dem Schlagzeuger Lionel Hicks (Balance Of Power) vorstellte. „The Hybrid“ wurde von Biff Byford höchstpersönlich produziert, mit Unterstützung des erfahrenen Andy Sneap. Die ursprüngliche Idee war, dass Saxon nur einen einzigen Track aufnehmen sollten, der als musikalische Untermalung für den Film dienen sollte – später entwickelte sich das Ganze zu einem vollwertigen Projekt. Bei einem Saxon-Track sind wir dann aber doch geblieben. Auf »The Hybrid« ist nämlich No Rest for the Wicked enthalten, das dabei eine »Verbesserung« – nennen wir es lieber »Anpassung« – erfahren hat. Der Song steckt in einem neuen (aufgefrischten) Produktionsgewand, außerdem wurden neue Arrangements hinzugefügt, in denen die Keyboards in einem Geflecht theatralisch klingender Streichorchestrations-Flächen eine Schlüsselrolle bei der Erschaffung der brodelnden, düsteren Stimmungsbilder spielen. So durchgelüftet wirkt der Saxon-Track auf dem Album »The Hybrid«, als wäre er schon immer Teil des musikalischen Konzepts und der Vision des Projekts gewesen!

Die Songs sind allesamt bombastisch angelegt. Alle besitzen eine ungemein düstere Atmosphäre, eine unheimlich aufgeladene Spannung, die durch eine massive Klangwand erzeugt wird, die auf klassisch gemeißelten Gitarrenfrasen aufgebaut ist (diese schöpfen ihre Inspiration aus dem Erbe der NWOBHM-Invasion) und durch das Bindemittel der Keyboards, die sich größtenteils an der Replikation des klassischen Hammond-Orgelklangs orientieren oder orchestrale Streicher-Flächen imitieren (Opener Scintilla (One Black Heart), Pariah oder das bereits erwähnte abschließende No Rest for the Wicked).

Um es kurz zu machen: Die Kombination aus dem erfahrenen Biff Byford, dem kompositorisch enorm starken Tony Ritchie (Balance Of Power) und dem Produktions-Megalomanen Andy Sneap ist schlicht und ergreifend »gottgesandt« – und jeder Zug, den dieses Trio macht, sei es kompositorisch oder in der Klanggestaltung, funktioniert in einem Glanz großer Perfektion, in der sich in symbiotischer Beziehung die hohe musikalische Qualität aller Kompositionen, die erdrückend-klaustrophobische Atmosphäre voller bösartigem Theater, das sich über die Songs spannt, und die Kombination aus messerscharfer Metal-Wucht und virtuoser Brillanz der Projektmitglieder die Hände reichen.

Die Songs sind grundsätzlich in sinnvollen musikalischen Parallelen zu Balance Of Power angelegt, denn der Hauptkomponist ist der Bassist von Balance Of Power, Tony Ritchie. Die Hammond-Orgel-Kontur verleiht dem Ganzen einen Hauch von Hardrock-Retroklang, während die thematische Vielschichtigkeit und die variierte Verwendung rhythmischer Taktarten – inklusive arrangierungsdetaillierter Mid-Eight-Passagen – auch für Fans von technisch weniger komplexem Progressive Metal interessant sein kann. Neun Tracks bieten außerordentliche thematische Abwechslung und vollblütige Bombastik mit theatralischen Höhepunkten in sangbaren Refrains. Da ist wieder der gute alte Biff mit seiner neu ausgelebten Darbietung, die alle Markenzeichen seiner bis heute bestens wiedererkennbaren Saxon-Charisma zusammenfasst. Unter all den Songs wartest du wahrscheinlich auf einen, der Richtung Saxon zieht. Wenn wir No Rest for the Wicked – den eigenen Beitrag von Saxon für The Scintilla Project – herausrechnen, ist das Angels. Der würde sich problemlos auf einem der neueren, insbesondere post-millennialen Saxon-Alben finden. Wie bereits erwähnt, ist die stilistische Verwandtschaft der Projektmusik mit dem Sound der neueren Saxon groß, deshalb kann Biff entspannt die bekannte Saxon-Haltung in seinem Gesangsansatz weiterentwickeln. Das Kombinieren von »Hammond-esk« mit Gitarrenriffs zieht Tricks, die zum Beispiel das Projekt Star One des niederländischen Musik-Genies und -Zauberers Arjen Anthony Lucassen verwendet.

Bevor du dich ans Hören dieses Albums machst, lohnt es sich, vorher den Film »The Scintilla« in voller Länge anzuschauen. So wird dir das Album besonders intensiv unter die Haut gehen und dir sämtliche Härchen in hocherektiler Pose zu Berge stehen lassen. »The Hybrid« ist ein hochatmosphärisches, theatralisch-symphonisch gewürztes klassisches Heavy-Metal-Album, gekleidet in eine erstklassige Produktion mit großer Dynamik und organischer Klangwärme, das den Sci-Fi-Horror bildreich und überzeugend musikalisch »verkörpert« hat. Es ist ein Album, das Liebhaber des klassischen europäischen Heavy Metal, serviert durch erstklassige klangliche Veredelung moderner Produktionstechniken, unbedingt gehört haben müssen.

Besetzung

Biff Byford – Gesang
Gizz Butt – Gitarre
Andy Sneap – Gitarre
Chris Masimore – Gitarre
John K – Keyboards
Anthony Ritchie – Bass
Lionel Hicks – Schlagzeug

Produktion

Biff Byford & Andy Sneap

Trackliste

1. Scintilla (One Black Heart)
2. Beware The Children
3. Permanence
4. Some Nightmare
5. Angels
6. Pariah
7. The Damned And Divine
8. Life In Vain
9. No Rest for The Wicked 

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