The Fire Still Burns

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Künstler: Ballard, Russ
Label: EMI Records
Erscheinungsjahr: 1985
Bewertung: 4.2/5

Russ Ballard ist ein englischer Multi-Instrumentalist. Musikfans kennen ihn wahrscheinlich am ehesten als ursprünglichen Sänger der Prog-Band Argent. Als er sich mit Bandkopf Rod Argent über die künftige Ausrichtung der Gruppe überwarf, packte Ballard seine Sachen und schlug seinen eigenen Weg ein. Ballard wollte, dass Argent einen normaleren, radiofreundlicheren Rock spielen, während Rod Argent lieber etwas experimentierfreudiger vorgehen wollte. Da Argent nun mal der Chef war, zog Ballard ab – ohne böses Blut, aber er zog ab.

So machte sich Russ 1974 selbstständig. Schon 1975 folgte sein erstes Solowerk, schlicht Russ Ballard betitelt. Eine Reihe erstklassiger Platten folgte, doch am meisten aufgeblüht ist er meiner Meinung nach in den Achtzigern. Dazu gehört auch The Fire Still Burns, das leider das letzte Album vor einer zehnjährigen Pause darstellte, bevor er sein Comeback feierte.

Das Album steckt voller potenzieller Hits, und die Melodien setzen sich sofort fest. Das ist ideale Autofahrmusik, die einen mit Energie auflädt. Ballard ist dabei kein typischer AOR-Musiker. Er versteht es, in seine Songs eine außergewöhnliche Atmosphäre und einige wirklich starke, eher instrumentale Passagen einzuweben. Ja, es ist eine ziemlich offensichtlich britische Version des AOR – aber Ballard schöpft weit weniger von anderen Bands des Genres ab, als das damals bei vielen Künstlern üblich war. Der Mann hat seinen eigenen Stil, der mal ordentlich rockig, mal geradezu verträumt klingen kann (dafür sorgen vor allem die Keyboards). Bei vielen AOR-Acts droht irgendwann die Balladenflut, doch Ballard umschifft diese Falle hier geschickt. Er kann romantisch sein, aber mit Geschmack und ohne je ins Kitschige abzugleiten.

Ballard ist im Grunde eine One-Man-Band. Er spielt alle Keyboard- und Gitarrenparts, gelegentlich auch Bass und programmierte Drums. Von solchen Leuten erwartet man meist keine überragenden technischen Fähigkeiten – und tatsächlich wirkt Ballard bei allem, was er tut, nach außen hin zurückhaltend. Doch unter der Oberfläche steckt zumindest ein exzellenter Gitarrist, der auch an den Keyboards kaum abfällt. Dazu kommt seine sehr angenehme Stimme mit genau dem richtigen AOR-Charme. Auf dem Album ist wieder der beliebte Sessionmusiker und Bassist Mo Foster dabei, der bereits mit Jon Anderson (Yes), Phil Collins (Brand X) und anderen zusammengearbeitet hat. Die übrigen Musiker steuern ihre Parts nur an den Drums bei, erledigen ihren Job aber mit routinierter AOR-Politur.

Russ Ballard machte in jener Zeit wirklich nur außergewöhnliche Sachen. Es wirkt, als hätte er schlicht nichts danebenmachen können. Auch The Fire Still Burns ist ein Paradebeispiel britischer AOR-Perfektion. Jeder Song hat wunderbare Gesangsmelodien, Gitarrenparts und dezent eingesetzte Keyboards, die dennoch perfekt in die Musik eingebettet sind. The Fire Still Burns zeigt, dass in Ballard damals noch immer das Feuer der Musikalität und des echten Gefühls brannte. Fans melodischen Rocks sollten das auf keinen Fall verpassen – wobei er durch die gesamten Achtziger hindurch einen Juwel nach dem anderen veröffentlichte, sodass es schwer ist zu sagen, welches Album das beste ist. Fang einfach zum Beispiel mit The Fire Still Burns an.

Besetzung

Russ Ballard – Gesang, Keyboards, Gitarre, Bass, elektrische Drums
Stuart Elliott – Schlagzeug
Mike Richardson – Schlagzeug
Peter Van Hooke – elektronische Drums
Mo Foster – Bass

Produktion

Russ Ballard

Trackliste

1. Once A Rebel
2. The Omen
3. Hey Bernadette
4. Searching
5. Time
6. Your Time Is Gonna Come
7. Dream On
8. The Fire Still Burns

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